Sonntag, 30. September 2012

Gleiswechselbetrieb in Rekawinkel, 1986

Irgendwann im Mai 1986 bin ich zu Fuß von Maria Anzbach über Eichgraben nach Rekawinkel marschiert. Unterwegs kommt man an der Betriebsausweiche Hutten vorbei, in der ein einzelnes Ausweichgleis in Mittellage vorhanden ist. Die folgenden beiden Fotos sind von dort:
Hutten, Mai 1986

Das Verschubsignal VM2B am Mittengleis M2 steht an einem Stutzen, dessen Zweck an dieser Ausweiche mir nicht klar ist:
Hutten, Mai 1986

In Rekawinkel steht ein sehr spur-ähnliches Siemenspult, dahinter verbirgt sich aber für Rekawinkel in VGS80 [danke an "1099.009" für die Korrektur – das ist keine Spur], für Hutten aber tatsächlich ein SpDrS, also ein Spurplanstellwerk von Siemens. Der untere Teil dient zur Bedienung für den Bahnhof Rekawinkel, wo von links die Strecke von Wien kommt. Die Streckengleise, die Rekawinkel auf der rechten Seite des Stellpults verlassen, setzen sich dann links oben über Eichgraben-Altlengbach zur Betriebsausweiche Hutten und dann über Maria Anzbach und Hofstatt Richtung St.Pölten fort:
Rekawinkel, Mai 1986

Auf dem folgenden Bild sieht man die Verwendung des Gleiswechselbetriebs: Bei beiden Streckengleisen rechts unten zeigt der ZG-Pfeil in Richtung St.Pölten, und vom Ausfahrsignal H1 steht eine Ausfahrt auf das Gegengleis 2. Der Grund für eine solche Betriebsabwicklung kann z.B. sein, dass am linken Gleis, also am Regelgleis, ein Pendler Richtung St.Pölten fährt, der in jeder Station stehenbleibt. Der nachfahrende Güter- oder Schnellzug kann diesen Zug am rechten Gleis überholen. Im oberen Teil des Gleisbilds sieht man einen weiteren Zug, der von Hutten Richtung Westen unterwegs ist:
Rekawinkel, Mai 1986

Hier wechselt der Zug, der aus Rekawinkel ausfährt, gerade vom (linken) Regelgleis auf das (rechte) Gegengleis. Kurz darauf, wenn nämlich das Streckengleis besetzt wird, wird der untere ZG-Pfeil auf rot springen:
Rekawinkel, Mai 1986

Und am folgenden Bild sieht man, wie er am rechten Gleis seine Fahrt nach Hutten fortsetzt. Links oben (am unteren Streckengleis) geht seine Rotausleuchtung schon bis zum nächsten Blocksignal. Auf dem Regelgleis ist der vorausfahrende Zug unterwegs, für den schon Ein- und Ausfahrt durch Hutten eingelaufen sind (und vor diesem Zug ist ein weiterer beim letzten sichtbaren Block Hutten 2 unterwegs, wo er gerade zwei Streckenabschnitte belegt).

In Hutten sieht man übrigens ein schönes Beispiel für eine Zwieschutzweiche: Die Weiche 3, die das Mittengleis mit beiden Streckengleisen verbindet (im oberen Teil des Gleisplans die Weiche, die wie ein nach links umgelegtes Y aussieht), ist nach links eingelaufen (der nach unten weisende Weichenschenkel leuchtet weiß), um der eingelaufenen Einfahrt Flankenschutz zu geben. Allerdings wird kurz darauf auch die Einfahrt für den Zug am Gegengleis einlaufen – und nun befindet sich die Weiche in einer "Zwickmühle": Wie sie auch steht, eine der beiden Fahrstraßen hat keinen Flankenschutz. Es ist natürlich nicht möglich, eine der beiden Fahrten zu verbieten – eine zweigleisige Strecke muss in beiden Richtungen ohne gegenseitige Behinderung befahrbar sein! In Drucktastenstellwerken (Spurplanstellwerken, aber auch schon davor) wird das Problem in der Regel durch einen "Fernschutz" gelöst: Für die erste einlaufende Fahrstraße läuft die Zwieschutzweiche in die Flankenschutzlage; für die zweite Fahrstraße zählt das dahinterliegende Verschubsignal als Flankenschutz. Diese Regel führt übrigens dazu, dass die Zwieschutzweiche enorm oft umläuft, auch wenn immer nur dieselben Fahrten auf den zwei Streckengleisen stattfinden!
Rekawinkel, Mai 1986

Bei meiner Heimfahrt habe ich übrigens eine solche Parallelfahrt, allerdings in Richtung Wien, als Mitfahrer fotografiert – in diversen schrägen Winkeln ... Hier sieht man die Ausfahrt des Pendlers Richtung Wien. Das Ausfahrsignal H4 ganz links ist schon auf Halt zurückgefallen, aber am Hauptgleis 1 steht das Signal H1 auf frei:
Rekawinkel, Mai 1986

Und hier kommt von hinten die parallel fahrende 1042:
Rekawinkel Parallelfahrt, Mai 1986

Weil unser 4030er nicht so schnell beschleunigt, überholt ihn die 1042 – hier ist sie schon ein Stück an mir vorbei:
Rekawinkel Parallelfahrt, Mai 1986

Und hier gewinnt die 1042 gerade das Rennen gegen die 4030er-Doppelgarnitur. Die Vorsignale beider Streckengleise zeigen, dass auch das nächste Blocksignal für beide Fahrten auf Frei stehen wird:
Rekawinkel Parallelfahrt, Mai 1986

Kommentare:

  1. Detail am Rande: Bei zwei Fotos sieht man die bis in die Neunzigerjahre auf fast allen Bahnhöfen Österreichs anzutreffenden Kracherln (Limonaden), die von den Firmen Schaffler, Neumarkter und Vitus vorwiegend in Bierflaschen abgefüllt wurden und schon so manchen Reisenden, wenn die Sommerhitze zu groß wurde, vor dem Verdursten gerettet haben. Bestellt wurden sie von den Bahnhofsvorständen für die Mitarbeiter, die ihren Dienst oft fernab jeder Zivilisation versahen und so zu günstigen Preisen mit alkoholfreien Getränken versorgt wurden. Die Lieferung erfolgte von den Getränkefirmen teils mittels Güterwagen, teils per LKW.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Interessantes Detail! - man könnte sich auf die Suche machen, auf welchen weiteren Fotos ich diese Getränke verewigt habe. Ein nettes Beispiel sieht man auf diesem Bild (Posting über Linz Vbf Ost von 1983).

      Löschen
    2. (Das weitere Getränke-Bild ist nun hier zu sehen. H.M.)

      Löschen