Samstag, 10. November 2012

Großer Bahnhof im Waldviertel: Sigmundsherberg, 1986

Am selben Tag, an dem ich im Kamptal Horn, Gars-Thunau und Langenlois besucht habe, habe ich auch Sigmundsherberg einen Besuch abgestattet. Hier sieht man den Gleisplan dieses Abzweigebahnhofs auf der Anzeigetafel über dem Befehlswerk (der entsprechende Gleisplan bei sporenplan.nl ist dagegen um 180° gedreht).

Am Gleisplan sieht man, dass jedes Bahnhofsgleis eigene Isolierschienen hat. Die Weichen auf der Wiener Seite waren etwas durcheinander nummeriert, vielleicht wegen mehrfacher Umbauten. Und auf der Zeichnung fehlt das Signal R5-11 für Ausfahrten Richtung Gmünd.

Gleisplan und Signalanzeige am Befehlswerk, Fdl, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Am Befehlswerk steht hier gerade eine Ausfahrt nach Wien – die Knagge am Rankapparat ist umgelegt, Ba-Feld ist geblockt und zeigt weiß, Fa-Feld zeigt grün, Grünanzeige "Hw" zeigt grünes Licht. Auf dem Blockapparat sitzen vier zusätzliche Bedienungskästchen für die Ersatzsignale auf den Einfahrsignalen:

Befehlswerk, Fdl, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Nach der Ausfahrt des Zuges ist nun der Block belegt, wie man an der roten Ausleuchtung sieht. "Az" scheint darauf hinzuweisen, dass hier ein Achszähler im Einsatz war – genaueres weiß ich allerdings nicht:

Block- und Signalanzeigen, Fdl, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Auf dem Schreibtisch des Fahrdienstleiter standen noch diese Schrankenüberwachungen:

Schrankenüberwachungen, Fdl, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Draußen fuhren ab und zu auch Züge. Die gleichartige Bespannung des 2107 habe ich ein Jahr früher schon in Heiligenstadt fotografiert:

1042.008+1042 kalt mit 2107, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Richtung Kamptal waren noch 2045er unterwegs (Update Mai 2013: Eine großartige Reportage zu den letzten 2045ern im Wald- und Weinviertel befindet sich hier im EBFÖ):

2045.20 und 2045, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Und Richtung Gmünd war die Elektrifizierung noch nicht fertiggestellt, sodass alle weiterfahrenden Züge einen Lokwechsel brauchten – was übrigens die Stellwerker sehr missliebig stimmte: Sie mussten, im Gegensatz zum durchgehenden Dieselbetrieb, nun bei gleichem Gehalt tatsächlich bei jedem Zug mindestens vier Weichenumstellungen vornehmen!

2143.53 mit Personenzug nach Gmünd, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Am Stellwerk 2 stand eine ziemlich voll besetzte Hebelbank. Insbesondere fehlten die Leerplätze entfallener Formsignale am äußeren Ende (unter dem Blockapparat), sodass diese Anlage wohl beim Umbau auf Lichtsignale neu errichtet worden war:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.2, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Der Blockapparat hatte die üblichen fünf Felder für eine eingleisige Strecke mit ZG-Block:

Blockapparat, Stw.2, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Oberhalb des Blockapparats befand sich die Signalanzeige und -bedienung, von links nach rechts mit den Tasten
  • RBT = Rückblocktaste
  • SGT = Signalgruppentaste
  • HAGT = Haltgruppentaste
  • WT = Weckertaste (nehme ich an)
  • STZ und STR = Signaltasten für Z und R
Die sechs Verschubsignale wurden über Knaggen gestellt – das V3b steht hier auf frei, vielleicht wegen eines Lokwechsels:

Stw.2, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Über eine Holzabtrennung konnte man von der Wendeltreppe aus die Drahtzüge im Untergeschoss des Stellwerks sehen:

Drahtzüge, Stw.2, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Und hier ein Blick auf das elegante Stellwerksgebäude:

Stellwerk 2, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Die Drehscheibe in der Zugförderung war gerade ausgebaut (wurde sie durch eine andere ersetzt?). Durch die Drehscheibengrube führte stattdessen für ein Gleis eine Hilfsbrücke:

Ausgebaute Drehscheibe, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Ausgebaute Drehscheibe, 1040.009, 2143.52, zweimal 2045, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Die Hebelbank am Stellwerk 1 war etwas länger, und der Blockapparat wegen der drei abgehenden Strecken dreimal so groß:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.1, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Die Signalanzeige war auf diesem Stellwerk in einem detaillierten Gleisplan untergebracht, an dem man einiges entdecken kann:
  • Am Gleis 2 waren zwei Isolierschienen vorhanden, eine für das Einfahrten von Zellerndorf auf das Einfahrsignal C, eine weitere für Einfahrten auf A und B.
  • Die Weichen waren mit Symbolen versehen: Schwarz ausgefüllter Kreis = ferngestellt; Kreis mit Punkt = geriegelt; Querstrich = ortsbedient, mit Markierung der Schlösser.
  • Aber was bedeutet das Viereck und die eine Lampe bei der Einfahrweiche 20 von Zellerndorf?
  • Das Wartezeichen V800 mit Vorrücksignal war wie ein Verschubsignal geschaltet und hatte auch dieselbe Bedeutung.
  • Die Signale wurden, im Gegensatz zur Tastenbedienung am Stellwerk 2, durchgängig mit Knaggen gestellt.

Signalanzeige, Stw.1, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Hier sieht man die Anlage, etwas schwer erkennbar, bei einer Einfahrt von Wien: Das entsprechende Be-Feld ist weiß, das Ff-Feld grün, die Knagge für A ist umgelegt. Hier gibt es übrigens eine ganze Reihe Leerplätze auf der Hebelbank, sodass diese Anlage wohl noch die originale ist, von der die Formsignalhebel abgebaut wurden:

Blockapparat, Stw.1, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Das Stellwerksgebäude ist auf dieser Seite noch ein typisches niedriges österreichisches Stellwerk:

Stellwerk 1, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Und hier noch ein Blick auf das Bahnhofsgebäude:

Bahnhof, Sigmundsherberg, 20.9.1986

Kommentare:

  1. Obwohl eine Ausfahrt Richtung Wien gestellt ist ist die weiße Karte am Wecker am Befehlswerk nicht zu sehen. Hat der Wecker bei den Lichtsignalen keine Funktion mehr?

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    1. Die Wecker mit ihren Fallklappen sind keine sicherheitsrelevanten Einrichtungen, sondern dienen nur der gegenseitigen Information. Sie wurden (und werden) bei fahrplanmäßigem Betrieb, also wenn nur Regelzüge verkehren und diese ohne Verspätung oder Vorsprung, häufig nicht bedient, "weil eh alles klar ist".

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