Freitag, 19. September 2014

0,0‰ und andere Beklebereien von Sicherungsanlagen

Aufgrund eines Postings in einem Modellbahnforum sind mir wieder die Aufkleber "Im Dienst 0,0 Promille" eingefallen, die auf diversen Sicherungsanlagen angeklebt waren – und dann gleich die weiteren "Verschönerungen" von Blockapparaten, Blockaufsätzen, Stellpulten durch Beklebungen aller Art. Ich habe draufhin wieder einmal meine (bisherigen) Tausenden Diascans durchgeschaut, was sich da so alles findet ... ein paar nette Ergebnisse zeige ich in diesem Posting.

Zum ersten muss man sagen, dass das Ver(un)zieren von Sicherungsanlagen nicht erlaubt war: Es durften keine Beschriftungen angebracht oder gar überklebt werden, die ja womöglich die sichere Bedienung gefährdet hätten. Und im Großen und Ganzen ist diese Vorschrift auch eingehalten worden. Eine erste Ausnahme davon waren aber offenbar Aktionen der ÖBB selbst – wie eben die "0,0 Promille" –, bei denen das nicht so eng gesehen wurde. Erstaunlicherweise habe ich aber auch einige andere Beklebungen gesehen, die offenbar keinen BK und keinen Sicherungsdienst gestört haben ...

Aber beginnen wir einmal mit einem Klebezettel, der hochoffiziell auf vielen Blockapparaten angebracht war: "Unbefugten ist die Handhabung der Sicherungsanlage verboten". Hier sieht man ihn in Limberg-Maissau:

Befehlswerk, Fdl, Limberg-Maissau, 10.12.1983

Eine ältere Version dieses Zettels hat, durch einen Reißnagel "gesichert", in Lambach zumindest bis 1987 überlebt:

Stw.3, Lambach, 1987

Natürlich gab es auch andere dienstliche Mitteilungen, die mehr oder weniger haltbar auf Sicherungsanlagen angebracht wurden. Diese Mitteilung über die Lage (und "Freistellung"?) der Signalschlussstellen in Wilfleinsdorf von 1973 ist allerdings 14 Jahre später nicht mehr ganz vollständig:

Fdl, Wilfleinsdorf, 24.5.1987

Aber nun zu den 0,0 Promille – die habe ich tatsächlich des öfteren auf Fotos mitgenommen. Hier sind alle, die ich bei einer ersten Durchsicht entdeckt habe:

Prominent und sichtbar sind sie in St.Georgen a.d.Gusen, wo sie sowohl in der Fahrdienstleitung wie auch in einem Stellwerk ein Signalpult gestalteten:

Signalpult, Fdl, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Signalpult, Stw.2, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Im Schönwies klebte einer am Blockaufsatz des Befehlswerks, ...

Befehlswerk Fdl, Schönwies, 4.8.1983

... und auch einer am Blockaufsatz im Stellwerk 2:

Blockapparat Stw.2, Schönwies, 4.8.1983

Nur als genial kann man allerdings die Anordnung am Stellwerk 1 bezeichnen:

Blockapparat, Stw.1, Schönwies, 4.8.1983

Auch über einen Gleisanzeiger in Eggenburg hatte sich ein solcher Aufkleber verirrt:

Hebelbank mit Gleisanzeiger und Blockapparat, Stw.1, Eggenburg, 10.12.1983

Auf dem Schaltkasten oberhalb der Hebelbank des Blockpostens Stillfried war auch ein solcher Kleber appliziert – was insofern ironisch ist, als dass ich ausgerechnet dort in der Nähe den einzigen betrunkenen Eisenbahner in all meinen Jahren von Stellwerksbesuchen angetroffen habe:

Hebelbank und ZG, Stillfried, 24.7.1984

ZG, Stillfried, 24.7.1984

Nächster Bahnhof mit 0,0 Promille: Waidhofen an der Ybbs. Auch hier war der Platz über dem Gleisanzeiger ideal:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.1, Waidhofen a.d.Ybbs, 19.9.1986

In Mitterbach muss man den Aufkleber wie auf einem Suchbild entdecken – zwei Stücke davon kann man hier sehen:

Fdl, Mitterbach, 21.9.1986

Fdl, Mitterbach, 21.9.1986

Seebenstein zählt eigentlich nicht, weil hier die "0,0 Promille" auf einem Spind kleben – lassen wir's als "stellwerksnahe" doch zu:

Mittelstellwerk, Fdl, Seebenstein, 25.9.1986

Am Villacher Hauptbahnhof war ein solcher Aufkleber prominent in der Fahrdienstleitung über der Mitte eines Blockwerks platziert:

Befehlswerk für Stellwerk 3, Fdl, Villach Hbf, 13.2.1987

Und auch am SBW500-Doppelstellwerk 2 war einer zu finden – das Foto zeigt ihn sehr an den Rand gedrängt:

Gleisanzeiger, Stw.2a, Villach Hbf, 13.2.1987

Zwei noch: In Marchtrenk hat sich der Aufkleber am ziemlich selbstgebaut wirkenden Bedienungskästchen eines Verschubsignals gefunden:

Bedienung für Verschubsignal V76, Stw.2, Marchtrenk, 21.2.1987

Und zuletzt war in Ernsthofen das Signalpult des Befehlsstellwerks 2 damit verziert worden:

Signalpult, Stw.2, Ernsthofen, August 1987

Das sind alle "0,0 Promille"-Aufkleber, die sich auf meinen Fotos gefunden haben – aber wir schauen uns noch ein paar andere Verzierungen an!

Nachmeldung 1 vom 26.10.2014: In Urfahr befand sich ein solcher Aufkleber auf dem Gleisplan in der Fahrdienstleitung.

Eine weitere Aktion der ÖBB betraf den sicheren Weg zur Arbeit und zurück. Ein paarmal habe ich die entsprechenden Aufkleber gesehen, allerdings nur ein Foto davon gefunden:

Blockapparat, Bef.Stw.2, St.Martin am Grimming, 4.8.1987

Ebenso offiziell waren die Aufkleber, die sich zum Jubiläum "150 Jahre Eisenbahn in Österreich" verbreiteten, wie hier in Baden:

Signalpult, Baden, 19.4.1987

Ganz offiziell waren sie auch auf vielen Fahrzeugen zu finden: Neueren ...

1063.010, Innsbruck Hbf, 1987

... und älteren:

5081.016, Weizelsdorf, 1.8.1987

Ab jetzt ist es zwar theoretisch nicht mehr dienstlich, aber praktisch war die Gewerkschaft der Eisenbahner ja fast dasselbe wie die ÖBB, in damaligen Zeiten (ok, das war jetzt eine Unterstellung und Übertreibung). Auf Sicherungsanlagen waren ihre Aufkleber aber tatsächlich sehr selten vertreten. Hier ist das einzige Beispiel, das ich gefunden habe – vermutlich nicht unerwarteterweise in der Eisenbahnerstadt Villach, und dort auch am SBW500-Doppelstellwerk 2 (das Foto haben wir schon oben gesehen):

Gleisanzeiger, Stw.2, Villach Hbf, 13.2.1987

Zum Schluss muss ich jetzt noch drei definitiv nicht ÖBB-induzierte Verschönerungen zeigen: In Steyregg fand sich am Stellpult (allerdings nicht aufgeklebt) ein Hufeisen (das den Beinahe-Unfall 20 Jahre später aber auch nicht verhindern konnte):

Signalpult, Fdl, Steyregg, 7.4.1983

In Selzthal hatte es eine klassische Werbebotschaft von Coca-Cola auf die Gleistafel in der Bahnhofsfahrdienstleitung geschafft:

Selzthal, Bahnhofsfahrdienstleitung, August 1987

Und in Treibach-Althofen hatte die lokale Raiffeisenbank gleich zweimal einen Werbeträger gefunden, auf dem ihre Biene "Sumsi" mehrfach herumschwirren durfte:

Signalpult, Fdl, Treibach-Althofen, 2.8.1987

Signalpult, Stw.2, Treibach-Althofen, 2.8.1987

Als Entspannung nach diesen mehr oder weniger sinnvollen Ergänzungen von Sicherungsanlagen ganz zum Schluss aber das komplette Gegenteil – ein vollkommen leerer Blockaufsatz: Keine Taste, keine Anzeige, keine Aufschrift, einfach ... nichts befindet sich hier auf der schönen Holztafel über den Blockfeldern:

Hebelbank und Blockapparat, St.Johann-Weistrach, 16.1.1985

Kommentare:

  1. Das mit "Ernstbrunn" beschriftete Foto stammt eher nicht von dort, da Ernstbrunn nur ein kleiner Bahnhof im Weinviertel mit Zentralschloss war. Ich tippe da eher auf Ernsthofen.

    Lg. Leo

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    1. Nicht der einzige der's bemerkt hat .. dummer Verschreiber ... --> korrigiert!
      Danke!

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