Ein in der Anfangszeit des elektrischen Telegraphen wohl nicht seltenes Ereignis beschreibt die Augsburger Abendzeitung kurz und bündig:
München, 18. Juli [1846].Wir befinden uns in den frühesten Entwicklungsphasen des elektrischen Telegraphen; Gauß und Weber und dann Steinheil hatten seit den frühen 1830ern, also etwas mehr als zehn Jahre vor dem Unfall, erst die nötigen theoretischen Grundlagen und praktischen Erfindungen gemacht: Die Telegraphentechnik wurde also relativ schnell in die Praxis übernommen, weil – vor allem durch die Eisenbahnen – ein großer Bedarf nach sicherer Kommunikation bestand. 1846, also – erst – im Jahr des angeführten Unfalls, hat Steinheil sich mit dem Problem der Blitzableitung befasst und eine Art von Kondensator angegeben, wo die Blitzspannung von über die Platten zu einer Erdleitung überschlagen kann; das teilt zumindest E.Schubert in seinem Buch "Die Sicherungswerke im Eisenbahnbetriebe" aus dem Jahr 1888 auf S.36 mit. Vermutlich hatte die im Zeitungsbericht erwähnte Telegraphenanlage noch keine solchen Ableitungen eingebaut, zum Schaden der armen drei Bahnwärter.
Bei dem gestrigen Gewitter wurden die drei dem hiesigem Bahnhofe zunächst befindlichen Bahnwärter vom Blitz beschädigt, der sich an dem Draht, mit welchem die Zeichen gegeben werden, fortleitete. (Quelle: Walter aus Bayern im Historischen Forum von Drehscheibe online)
Ganz haben wir dieses Problem offenbar aber noch immer nicht gelöst – Einschläge in Sicherungsanlagen können auch in modernen Zeiten unangenehm sein. Ein solches Ereignis habe ich 1986 selbst miterlebt. Ausgerechnet dieses Stellwerk in Süßenbrunn wurde dann im Jahr 2009 vollständig durch einen Brand im Relaisraum vernichtet, den ein Blitzschlag ausgelöst hatte. Monatelang musste der Betrieb mit händischen Sperren und Hilfsstellwerken abgewickelt werden, bis dann gegen Jahresende ein neues ESTW in Betrieb ging.
Ich glaube da ist in der Verlinkung versehentlich der Beitrag von Straßhof hineingerutscht
AntwortenLöschenDas war natürlich nur als Test gedacht, ob überhaupt jemand das liest ... ;-) - nein, natürlich übersehen, danke! - gleich korrigiert.
LöschenNaja, im Falle Süßenbrunn war das Problem an sich gelöst, der Kupferpreis aber leider recht hoch - die Erdungskabel waren perdu und der Blitz suchte sich einen anderen Weg...
AntwortenLöschenStimmt - diese Kupferdiebstahls(ur)sache ist mir tatsächlich entfallen. Kann man die Verwendung von zugänglichen Kupferkabeln mittlerweile als Entwurfsfehler einer Stellwerksanlage sehen? - hm ...
LöschenSpannend ist dagegen die Störung am vergangenen Wochenende (17.-19.07.2026): ein Zug hat auf der Neubaustrecke im Bereich Enns-Asten die Oberleitung abgeräumt, im Nachgang fand die Hochspannung einen Weg ins ESTW, was letztlich zur Aufgabe desselben geführt hat.
AntwortenLöschen(Anmerkung: Erdungskabel sind mittlerweile nicht mehr aus Kupfer und damit auch nicht mehr so begehrt)