Mittwoch, 16. Januar 2013

Wien Aspangbahnhof, 1986

Ende November 1986 habe ich einige Bahnhöfe der Aspangbahn in Wien besucht:
und dann noch Wien Mitte.

Der Aspangbahnhof bestand aus zwei Teilen:
  • Der Abzweigung der Aspangbahn von der Schnellbahn-Stammstrecke
  • und dem eigentlichen Bahnhof (der nur mehr für Güterverkehr verwendet wurde).
Betrieblich handelte es sich aber um einen zusammengehörigen Bahnhof. Hier sieht man einen Gleisplan davon. Interessant ist
  • die Gleisnummerierung, insbesondere die Nummern 4 und 6 der zwei Schnellbahngleise (sie waren von Wien Mitte bis Matzleinsdorf so bezeichnet);
  • dass sich im Bahnhof die Kilometrierungsrichtung ändert: Deshalb sind z.B. die beiden Signale, die als Einfahrsignale fungieren, mit Z6 und Z bezeichnet;
Bei einigen Weichennummern bin ich mir unsicher, ich habe sie mit ? markiert (und die Gleisnummern 1 und 2 an den Schnellbahngleisen sind falsch – Korrektur erfolgt bald):


Das EM55-Stellwerk der Abzweigung sicherte sowohl die Fahrstraßen auf der Schnellbahn wie auch die Fahrten in und aus dem Aspangbahnhof. Es hatte einen langen Namen: "Blockposten Meidling S6 – Abzweigung Wien Aspangbahnhof" – aber eigentlich fehlt darin, dass es als Fahrdienstleitung und Signalstellwerk für den ganzen Aspangbahnhof fungierte! Da die Weichen im Bahnhof ortsbedient waren, war es allerdings für diese Fahrten von zwei Weichenposten abhängig, die mittels Zustimmungsblockfeldern den Weichenverschluss meldeten.

Hier sieht man das EM55:

Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Die Fahrstraßenschalter waren etwas eng belegt. Der Grund dafür war wohl, dass ein "Stoß" – also eine Baueinheit – des EM55 (wie aller mit der Siemens-Bauart 1912 verwandten elektromechanischen Stellwerke) aus 8 Schaltereinheiten bestand, auf denen man die 16 Fahrstraßen gerade so unterbrachte. Interessant ist insbesondere der dritte Schalter, auf dem eine Fahrstraße von Wien Mitte und eine andere von Wolfsthal liegen – also von gegenüberliegenden Seiten des Bahnhofs! Betrieblich sind diese zwei Fahrstraßen aber wohl praktisch nie zugleich nötig, und womöglich sind sie auch wegen eines Schutzwegs bei der Einfahrt auf das hinterste Gleis 52 gegenseitig ausgeschlossen:

Das ITT-Pult zeigt links die isolierten Gleise der Schnellbahn, rechts die Gleisanlage des eigentlichen Aspangbahnhofs. Unter dessen Gleisen befinden sich die weißen Lampen, die die Zustimmungen für Fahrten von den beiden Weichenposten her anzeigen:
  • Die linken sieben Lampen zeigen Zustimmungen vom Weichenposten 1 an. Dabei sind die linken drei Lampen für Ausfahrten – eine Zustimmung ist hier vorhanden für die Ausfahrt von Gleis 52 nach Wien Mitte. Die rechten vier Lampen sind für Einfahrten – hier ist eine Zustimmung für die Einfahrt auf Gleis 51 vorhanden. Diese beiden Zustimmungen "standen" an einem Samstag wie diesem durchgängig, weil kein Verschub stattfand und daher nur die Durchfahrten der S7 erfolgten.
  • Analog dazu zeigen die rechten sieben Lampen Zustimmungen vom Weichenposten 2 an. Hier stehen gerade die Zustimmungen für die Ausfahrt aus Gleis 1 sowie die Einfahrt in Gleis 52.

Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Direkt neben dem Stellwerk befand sich der Bahnübergang der Adolf-Blamauer-Gasse, der mit einer Blinklichtanlage gesichert war. Das Verschubsignal V2, das hier links zu sehen ist, konnte übrigens offenbar nur Verschubhalt anzeigen: Am vorherigen Bild ist für dieses Signal keine Taste zu sehen, sondern nur für das V1:

Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Hier sieht man die Überwachung dieser Anlage:

Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Auch untertags rollten auf den Schnellbahngleisen nicht nur Schnellbahnzüge:

1042.707 mit Güterzug, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Die folgende "lange Lok" der Baureihe 4010 aus einem Triebwagen und dem zugehörigen Steuerwagen habe ich leider nur sehr unscharf abgebildet:

4010.06 als Lp (Leerpersonenzug) 86365, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Die nächsten zwei Aufnahmen zeigen das kleine Stellwerksgebäude:

Abzweigung Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Abzweigung Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Im Weichenposten 1 befand sich das folgende Trommelschlüsselwerk, auf dem zwei Blockfelder die Verbindung zum Signalstellwerk herstellten. Die Lampen auf dem sehr schematischen Gleisplan zeigten an, welche Fahrstraße von dort angefordert wurde:

Trommelschlüsselwerk und Blockapparat, WP1, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Am Schlüsselwerk waren die Weichen interessanterweise in der Reihenfolge 1, 3, 2, 4 angeordnet. Vielleicht hat das damit zu tun, dass 2 und 3 die Teile einer Kreuzungsweiche waren:

Trommelschlüsselwerk, WP1, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Trommelschlüsselwerk und Blockapparat, WP1, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Der Weichenposten war ein minimalistisches Zweckgebäude vor den Gründerzeithäusern im Hintergrund:

Weichenposten 1, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Das Ladegleis war schon lange außer Betrieb:

Haltescheibe, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Neben der Weiche 61 ins Ladegleis stand schon die erste Vorsignaltafel für das Einfahrvorsignal von Simmering Aspangbahn:

Weiche 61, Weichenposten 2, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Im Gegensatz zum anderen Weichenposten war das Gebäude des Weichenpostens 2 von einer besonderen Stellwerksform:

Weichenposten 2, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

Und es scheint, als ob ich hier nicht ins Stellwerk hineindurfte – denn ich habe nur zwei Fotos von der Seite des Trommelschlüsselwerks gemacht. Eines ist so unscharf, dass ich es hier nicht zeige. Das andere sieht man hier:

Trommelschlüsselwerk, WP2, Wien Aspangbahnhof, 29.11.1986

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