Freitag, 30. März 2012

Sicherungsanlagen in Himberg und Gramatneusiedl

Am 25.2.1983 war ich in Himberg und in Gramatneusiedl.

Auch mit dem neuen ÖBB-Symbol, einem sehr sehr stilisierten Flügelrad vulgo "Pflatsch", sieht meine Freundin blendend aus:

1042.646 als Lz 85666, Himberg, 25.2.1983

In Himberg stand die Fahrdienstleitung nahe dem Wiener Bahnhofsende, daher wurden die Weichen und Signale auf dieser Seite von der Fahrdienstleitung aus bedient. Richtung Bruck an der Leitha, wo ein Stellwerk stand, waren hingegen übliche Befehlsfelder vorhanden. Noch ein Unterschied der beiden Richtungen: Richtung Bruck a.d.Leitha (Nickelsdorf) gab es noch einen Felderstreckenblock, Richtung Wien (Süd) schon einen ZG.

Hier sieht man den rechten Teil der Anlage in der Fahrdienstleitung, mit den Befehls- und Streckenblock Richtung ungarische Grenze:

Befehlswerk und Hebelbank, Fdl, Himberg, 25.2.1983

Links waren die lokalen Fahrstraßenfestlegefelder und die zugehörigen Fahrstraßenknaggen. Übrigens sieht man, wie auch schon beim Befehlswerk+Stellwerk in Oberdrauburg, dass im 5007er
  • die Fahrstraßenknaggen für lokale Fahrstraßen im oberen Schieberkasten eingebaut sind – unten liegen dann die Weichenhebelwellen.
  • Fahrstraßenknaggen für das Befehlswerk sind dagegen im unteren Teil des Schieberkastens eingebaut:

Blockapparat, Himberg, 25.2.1983

An der hinteren Wand befand sich die Signalanzeige- und stelltafel, mit (in der Mitte) der Haltgruppentaste und der Signaltaste sowie (links und rechts auußen) den Signaltasten für Einfahrsignal (STA) und Ausfahrsignale (STH). Eigentlich müsste es noch zwei Tasten für das Ersatzsignal am Einfahrsignal A geben, samt einem Zählwerk (die weiße Lampe ist dafür beim Signal A in der Anzeigetafel jedenfalls vorhanden!); und eine oder zwei Tasten für die Festlegung des Vorsignals; und eine oder zwei Tasten für die Rückblockung des ZG-Streckenblocks – alle die sehe ich nicht. Es gibt aber eine Taste neben der STA, deren Beschriftung auch nicht mehr lesbar ist; und eine rote Tastenabdeckung daneben: Dahinter kann sich irgendwas von diesen fehlenden Teilen verbergen ...

Und während auf den Bildern vom Blockapparat alle Fahrstraßen aufgelöst waren, also keine Zugsfahrten stattfanden, sehen wir nun plötzlich zwei Durchfahrten "stehen":
  • Die freigestellten Signale Z und H1 ermöglichen eine Fahrt von Nickelsdorf Richtung Wien.
  • Die freigestellten Signale A (samt seinem Vorsignal a) und eines der Ausfahrsignale R – welches, sieht man in der Fdl nicht, aber er weiß es natürlich aufgrund des Befehls, den er abgegeben hat! – samt dessen Vorsignal r am Signal A/r ermöglichen eine Fahrt von Wien in Richtung Nickelsdorf:

Signalanzeigetafel, Fdl, Himberg, 25.2.1983

Auf dem letzten Bild aus der Fahrdienstleitung sieht man wunderschön die eine Seite eines "Madner-Hebels". Vielleicht mach ich irgendwann eine Animation, damit man sieht, wie sich der schräge grüne Hebel zum Schieberkasten beim Umstellen bewegt – ist ein wenig trickreich!

Hebelbank, Fdl, Himberg, 25.2.1983

Auf zum Stellwerk! Der Blockapparat hat die üblichen Felder für eine zweigleisige Strecke mit Felderstreckenblock:
  • Befehlsempfang same Tastensperre (mit Doppeltaste) sowie Fahrstraßenfestlegung je Richtung;
  • Dazu ganz links das Endfeld des Streckenblocks von Nickelsdorf.
Außerdem haben wir hier noch ein Zustimmungsfeld für eine Anschlussbahn (die Zustimmung kommt aus der Fahrdienstleitung):

Blockapparat, Stw.2, Himberg, 25.2.1983

Hier sieht man Signalanzeige- und -stelltafel über dem Blockapparat, einige Weichenhebel sowie ganz rechts einen kleinen Teil des Gleisanzeigers:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.2, Himberg, 25.2.1983

Und damit's auch was Fahrendes zu sehen gibt, hier eine 2067 im Verschub:

2067.90 als Reserve, 25.2.1983, Himberg


Auf der Rückfahrt bin ich dann noch in Gramatneusiedl kurz eingekehrt. Leider gibt's davon nur vier dunkle Aufnahmen eines nach damaligen Maßstäben mittelgroßen Rankapparats – heute wäre das eine Großanlage.

Update August 2014: In einem neueren Posting gibt es nun Bilder von den Stellwerken und vom Zusammenwirken der Blockfelder auf diesem Bahnhof!

Richtung Himberg haben wir Felderstreckenblock (wissen wir schon vom vorherigen Besuch dort), Richtung Nickelsdorf wieder einen Zeichengabe-(ZG-)Block. Auf der Anzeigetafel gab es auch Richtung Himberg "Blockpfeile", sie wiederholen aber nur die Information der Blockfelder:

Befehlswerk und Rankapparat, Fdl, Gramatneusiedl, 25.2.1983

Das nächste Bild zeigt die Signalanzeige- und -stelltafel über dem Blockwerk ... und was sehen wir hier? Massenweise freistehende Signale! Schauen wir einmal genauer: Wieviele Fahrten kann man in Gramatneusiedl maximal zugleich stellen? Einfach:
  • Eine Durchfahrt von Nickelsdorf nach Wien Süd, also: Einfahrt von Nickelsdorf, Ausfahrt nach Wien Süd macht zwei Fahrten.
  • Eine Durchfahrt in der Gegenrichtung von Wien Süd nach Nickelsdorf: Noch einmal zwei Fahrten.
  • Eine Fahrt von oder nach Wampersdorf (Richtung Wiener Neustadt), also noch eine Fahrt.
Macht summa summarum fünf Fahrten.

Und was sehen wir hier?

In allen drei Richtungen sind Ausfahrtsignale auf frei gestellt! Zusätzlich ist der ZG von Wien noch rot, das Einfahrsignal von Wien aber auf Halt, also ist der von dort kommende Zug dort schon im Bereich der Bahnhofseinfahrt:

Signal- und blockanzeige- und -bedientafel, Fdl, Gramatneusiedl, 25.2.1983

Am Befehlsblockwerk sehen wir, dass tatsächlich alle fünf Fahrten gestellt sind:

Am rechten Teil, Richtung Wiener Neustadt und Nickelsdorf,
  • ist ganz links eine Knagge für die Ausfahrt nach Wr. Neustadt umgelegt; und darüber das Ba-Feld weiß und das Fa-Feld grün, also Befehl abgegeben und Fahrstraße festgelegt;
  • sind beide Knaggen für Fahrten Richtung Nickelsdorf umgelegt; und darüber beide Ba-Felder weiß und beie Fa-Felder grün – auch beide Befehle abgegeben und beide Fahrstraßen festgelegt:

Befehlswerk und Rankapparat, Fdl, Gramatneusiedl, 25.2.1983

Am linken Teil, Richtung Wien Süd, sind ebenfalls beide Knaggen für Fahrten von/nach Wien Südbf. umgelegt. "Von Wien" sind die Felder leider nicht gut erkennbar – sie sind vielleicht schon wieder in Grundstellung geblockt, das Fa-Feld schaut eher weiß als grün aus. "Nach Wien" ist das Hb-Feld entblockt (das entspricht bei einem Felder-Streckenblock der Befehlsabgabe), und das Fa-Feld ist grün = die Fahrstraße ist hier ebenfalls festgelegt. Das geblockte A-Feld (Anfangsfeld) zeigt die Belegung des Blockabschnitts an – es wird erst wieder weiß, wenn in Himberg der Stellwerker sein E-Feld (Endfeld) blockt und damit anzeigt, dass der Zug den Blockabschnitt vollständig verlassen hat:

Befehlswerk und Rankapparat, Fdl, Gramatneusiedl, 25.2.1983

Fünf Fahrten auf einmal: Voller Betrieb an diesem Freitag, dem 25.2.1983.

Das war's von einem kurzen Trip auf der Ostbahn. Gleispläne von sporenplan.nl gibt's dazu hier und hier.

Kommentare:

  1. (Den folgenen Kommentar von Thomas B. habe ich versehentlich gelöscht - ich hänge ihn noch einmal an:)

    Hallo Herr M.
    Wenn ich's richtig verstanden habe dient ein Madner-Hebel dazu, eine Weiche links oder rechts fernzustellen oder für Ortsbedienung freizugeben. Also drei Stellungen. Da würde mich nicht nur die Bewegung des "schrägen grünen Hebels" interessieren, sondern auch jene des Drahtzuges zum Weichenantrieb und noch mehr: wie der Hebel überhaupt zu bedienen war. (Steht das sonstwo schon in Ihren vielen Blog-Seiten?)
    Grüsse aus der Schweiz, wo es das m.W. mechanisch nicht gegeben hat.
    Thomas B.

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    1. Mhm - dafür müsste ich eigentlich eine Animation machen - ist einiges an Aufwand, vielleicht nehme ich mir im Urlaub in ein paar Wochen wieder einmal die Zeit dafür ...

      Hier nur kurz ein Versuch in Worten:

      a) Bedienung des Hebels: Das Hebeleisen nicht fest mit der Kettenrolle verbunden, sondern wird durch Anziehen der Handfalle damit gekuppelt. In der Grundstellung steht das Hebeleisen nach unten. Umstellen der Weiche:
      a1) Handfalle ziehen=einkuppeln,
      a2) Hebel nach oben stellen=erste 180°,
      a3) Handfalle loslassen=entkuppeln,
      a4) Hebeleisen "leer" nach unten stellen,
      a5) Handfalle wieder ziehen=wieder einkuppeln,
      a6) Hebel noch einmal nach oben stellen=zweite 180° der Kettenrolle.
      a7) Handfalle auslassen.

      b) Der "schräge grüne Hebel" (zum Verschlusskasten):
      Bei a1) bewegt er sich (vorne) nach unten - die Handfallenstange zieht ihn dorthin.
      Bei a2) bewegt er sich gar nicht (wie bei allen 5007er-Hebeln), weil die Nase an der Handfallenstange exakt auf der Hebel-Drehachse steht.
      Bei a3) bewegt er sich wieder ein Stück nach unten.
      (Die Bewegung a1)...a3) ist wie bei allen Hebeln - meine [leider schlecht aufgelöste] Animation in diesem Posting zeigt diese Bewegung.
      Bei a4) bewegt sich der kleine Hebel ebenfalls nicht! - die Nase an der Handfallenstange steht nun zwar nicht wie bei a2) am Drehungsmittelpunkt, stattdessen fährt sie dem Bogen in der Kulisse am kleinen Hebel nach!
      Bei a5)...a7) spielen sich noch einmal dieselben Bewegungen wie bei a1)...a3) ab. Der kleine Hebel bewegt sich als noch einmal um den gleichen Winkel nach unten.
      Insgesamt macht der kleine Hebel also vier Schritte, bei a1), a3), a5) und a7).

      c) Schieberkasten: Nur in den Endstellungen des kleinen Hebels sind dort die Verschlusstücke soweit angehoben oder gesenkt, dass sie Fahrstraßenschieber freigeben können. In allen anderen Stellungen gilt die Weiche als "nicht in Endlage".

      d) Weichenantrieb: Der Antrieb besteht zwei Rollen. Die eine Rolle wird direkt vom Drahtzug angetrieben. Sie bewegt sich bei a2) und a4) jeweils um (glaube ich etwa) 120°. Die zweite Rolle ist mit den Weichenzungen verbunden. Sie wird über zwei Anschläge von der ersten Rolle mitgenommen, wobei diese Anschläge einen Abstand von ca. 120° haben. Daher passiert folgendes:
      dA) Weiche in linker Endstellung: Rolle2 wird an ihrem einen Anschlag von Rolle1 festgehalten.
      dB) Nach "halber Umstellung" (a2) oben) hat sich Rolle1 zum anderen Anschlag an Rolle2 hinbewegt, sonst ist nichts passiert.
      dC) Bei zweiter "halber Umstellung" nimmt Rolle1 nun den zweiten Anschlag mit und stellt die Weiche um.
      dD) Beim Zurückstellen bewegt sich zuerst Rolle1 wieder "leer", also zum ersten Anschlag.
      dE) Bei zweiter "halber Rückstellung" nimmt Rolle1 den ersten Anschlag mit und stellt die Weiche um.

      Jeweils in den "Halbstellungen", also nach dB) und dD), kann sich die Rolle2 frei bewegen - daher kann dort die Weiche manuell über das Gewicht umgestellt werden, was der ganze Sinn der Sache ist.

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  2. Vielen Dank für die detaillierte Beschreibung. Ich kann es mir etwa vorstellen. Eine Animation wäre natürlich super -- aber bitte, keinen Stress ;-)
    PS: kleiner Fehler in d). Die zweite Bewegung müsste bei a6) sein, nicht bei a4).

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    1. ... wird also noch ein bissl dauern mit Animation :-). Ad Fehlerlein - stimmt natürlich, muss a6) sein.

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