Montag, 15. Dezember 2014

Doppelte Doppelsperrschuhe: Steyr, 1987

Steyr habe ich schon 1979 einmal besucht, allerdings damals nur eine Aufnahme gemacht. Acht Jahre später habe ich mich zu einigen Aufnahmen mehr bequemt.

In der Fahrdienstleitung stand noch immer das EM55-Befehlsstellwerk, dessen rechter Teil für Weichen und Fahrstraßen Richtung St.Valentin zuständig war, während der linke Teil als Befehlswerk an das mechanische Stellwerk 2 auf der Kleinreiflinger Seite diente:

Befehlsstellwerk, Fdl, Steyr, 7.8.1987

In den Jahren seit meinem letzten Besuch war links ein Stellpult für fünf Ersatzsignale für die Hauptsignale des Stellwerk 2 ergänzt worden (für das Signal A gab es offenbar schon immer ein Ersatzsignal, weil entsprechende Tasten und ein Zählwerk in das Gleisbild integriert sind). Allerdings sieht man an den Beschriftungen über den Signalsymbolen, dass nur das Ersatzsignal am Signal Z von hier aus bedient wurde:

Fdl, Steyr, 7.8.1987

Interessant ist die Darstellung zweier doppelter Gleissperrschuhe, von denen gleich Fotos kommen. Hier sieht man das Symbol des Sp5, der Sp2 an der Mittelweiche 31 ist gleich dargestellt. Was aussieht wie eine abgeschnittene Kreuzung, soll tatsächlich den Sperrschuh symbolisieren, der in der Weiche liegt:

Detail des Gleisbildes, Fdl, Steyr, 7.8.1987

Bevor wir uns die Sperrschuhe in der freien Natur ansehen, sind hier noch zwei Bilder aus der Fahrdienstleitung. Am ersten sieht man die Schieber des elektromechanischen Stellwerks:

Schieberkasten des EM55, Fdl, Steyr, 7.8.1987

Das zweite zeigt zwei Schlosskonstruktionen. Leider habe ich ihren Zweck damals nicht notiert, aber wenn ich raten müsste, würde ich sagen:
  • Unten befindet sich ein kleines Zentralschloss (auch wenn es untypisch drei Schlüssel in einer Reihe hat) für eine Anschlussbahn. Die Schlüssel darin sind mit W2M (Weiche 2 Münichholz?) und SK2 (Steyr Kugellager?) beschriftet, der dritte Schlüssel ist wohl der "Gruppenschlüssel", weil über dem Schloss Sk.|Mü steht, wenn ich das richtig erkenne.
  • Darüber ist ein aufwendig gebautes Abhängigkeitsschloss, das den "Gruppenschlüssel" aus dem Zentralschloss einschließt, in desen Schild STK1|MÜ eingeschlagen ist. Es ist elektrisch (unten sichtbare Kabelzuleitung!) und vielleicht auch mechanisch mit dem Stellwerk verbunden.
  • Links oberhalb befinden sich direkt am Schieberkasten zwei weitere Schlösser, die direkt mit Schiebern zusammenwirken. Das linke Schloss trägt die Aufschrift "Sp2", über dem rechten steht "Steyrw1":

Schlossabhängigkeiten am EM55, Fdl, Steyr, 7.8.1987

Am nächsten Bild sieht man der ersten der beiden Doppelsperrschuhe. Die Konstruktion geht "um ein paar Ecken", um das Sperrsignal direkt von der Grenzmarke zu erreichen:

Doppelsperrschuh, Steyr, 7.8.1987

Am Stellwerk 2 stand eine typische Anlage der Bauart 5007:

Blockapparat und Hebelbank, Stw.2, Steyr, 7.8.1987

Ob die Befehlsfelder und das Ff-Feld hier tatsächlich auch Wechselstromfelder waren (was einen Motorinduktor oder die Verwendung von 16Hz-Strom im Befehlswerk erfordert hätte) oder Wechselstrom-Gleichstromfelder, die sich vom Befehlswerk her mit einem Impuls entblocken ließen, weiß ich leider auch nicht:

Blockapparat, Stw.2, Steyr, 7.8.1987

Über den alten Schaltschränken befand sich die ebenfalls altertümliche Signalanzeige. Auf diesem Gleisplan ist der doppelte Sperrschuh etwas "lebensechter" dargestellt:

Gleisplan mit Signalanzeige, Stw.2, Steyr, 7.8.1987

Das Stellwerksgebäude war ziemlich lang (zu lang, würde ich sagen, wenn man sich am Foto oben anschaut, wie viel Platz noch neben der Hebelbank war):

Stellwerk 2, Steyr, 7.8.1987

Und hier sehen wir den anderen Doppelsperrschuh – er sperrt gerade die 1041.009 ein:

1041.009 ist eingesperrt, Steyr, 7.8.1987

Zuletzt ein Bild des ziemlich kahlen und langweiligen Bahnhofsgebäudes:

Bahnhof, Steyr, 7.8.1987

Kommentare:

  1. Kleine Korrektur zum DrS: Die ERT ist die Einzelrücknahmetaste. Sie dient zur Rücknahme einer Verschubstraße oder einer nur teilweise zustande gekommenen Fahrstraßeneinstellung.
    MFG M. Aigner

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    1. Großen Dank - ich reparier den Text, sobald ich zuhaus bin!

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