Dienstag, 23. Juni 2015

Einfacher Bahnhof kompliziert: Hohenau, 1988

Bis zum Zug nach Zistersdorf würde noch ziemlich viel Zeit vergehen – ich konnte aber vorher nach Hohenau zurückfahren und dort Sicherungsanlagen aufnehmen. Hohenau ist eigentlich ein einfacher Abzweigbahnhof mit (damals) 16 Hauptgleisen. Ich habe hier einen Gleisplan skizziert, der die damaligen Anlagen darstellt – wobei ich mir beim Gleis 4 nicht sicher bin, ob es tatsächlich an beiden Enden angeschlossen war:


Hier sieht man das zugehörige Befehlswerk in der Fahrdienstleitung. Der Blockapparat enthält eigentlich nur übliche Felder:
  • Jeweils zwei Ba- und Fa-Felder für die Nordbahn Richtung Wien-Nord und Richtung Bernhardsthal,
  • ein Fa-, aber auch nur ein Ba-Feld (Sparschaltung) Richtung Korneuburg
  • sowie drei Ze-Felder vom Weichenposten für Mittelweichen:

Befehlswerk, Fdl, Hohenau, 9.4.1988

Wenn man allerdings auf die Fahrstraßenknebel schaut, wird es verwirrend – offenbar aus "historischen Gründen" werden nicht einfach die Gleise ausgewählt, sondern es gibt da zwei "Gruppen", die ich oben im Gleisplan markiert habe. Von rechts nach links sieht man hier folgende Wahlmöglichkeiten:
  • Von Bernhardsthal sind hier Einfahrten möglich in die Gleise 6, 19(!), 1, 3, 7, 9 und 11, außerdem ist oberhalb ein Knebel für das Gleis 13 angebracht. Offensichtlich war der Schieber für Gleis 4 auf einen für Gleis 19 ersetzt worden, und ein weiterer Schieber für Gleis 13 war im oberen Schieberkasten ergänzt worden. Etwas unspezifisch ist über der 9 noch "Gr.1" notiert. Bis auf die Gleise 13 und 19 sind Fahrten in die "Gruppe 2" hier nicht möglich.
  • Umgekehrt sind auch nach Bernhardsthal Fahrten aus denselben Gleisen möglich.
  • Nach Wien sind Fahrten von 6, 4, 2, 1 und dann der Gruppe 1, also 3, 7, 9, 11 möglich. Darüberhinaus gibt es aber weiter links noch Knebel für die Gleise der Gruppe 2, die in folgender Reihenfolge angeordnet sind: 13, 19(!), 21, 23, 25, 27 und dann erst 15 und 17. Diese Knebel werden für alle Fahrten am südlichen Ende der Gruppe 2 verwendet, für die Auswahl des Streckengleises gibt es daneben 2 Knebel zur Auswahl "von" bzw. "nach Korneuburg" und "von" bzw. "nach Wien Nord".
  • Von Wien sind Fahrten auf 6, 2 (4 fehlt!), 1 und dann wieder die Gruppe 1, also 3, 7, 9, 11 möglich sowie, wie gerade beschrieben, in die Gruppe 2.
  • Nach Korneuburg konnte nur von der Gruppe 1 und Gruppe 2 ausgefahren werden – eine Ausfahrt etwa aus den durchgehenden Hauptgleisen war nicht möglich!
  • Und ebenso konnte von Korneuburg nur in die Gleise ab 3 eingefahren werden.

Knebel am Befehlswerk, Fdl, Hohenau, 9.4.1988

Den linken Blockapparat habe ich samt den Knebeln darunter noch einmal getrennt aufgenommen:

Befehlswerk, Fdl, Hohenau, 9.4.1988

Am Blockaufsatz sieht man die Signal- und Blockanzeigen sowie die Bedienung der Ersatzsignale:

Befehlswerk, Fdl, Hohenau, 9.4.1988

Am Stellwerk 2 stand diese relativ große, aber sonst ganz normale Hebelbank:

Hebelbank, Stw.2, Hohenau, 9.4.1988

Hier ist der Gleisanzeiger zu sehen, mit den Fahrten, die wir uns schon am Befehlswerk angesehen haben:

Gleisanzeiger, Stw.2, Hohenau, 9.4.1988

Auch Blockapparat und Signalbedienung und -anzeige sind wie üblich:

Blockapparat und Signalanzeige, Stw.2, Hohenau, 9.4.1988

Ein Schrankenantrieb stand direkt hinter dem Arbeitstisch:

Schrankenantrieb und Arbeitsplatz, Stw.2, Hohenau, 9.4.1988

Und hier sieht man das gepflegte Stellwerksgebäude:

Stellwerk 2, Hohenau, 9.4.1988

Meinen Weg vom Stellwerk 2 zum Stellwerk 1 habe ich über die Zugförderung genommen – den Weichenposten habe ich dabei umgangen (vielleicht war er auch an diesem Samstag nicht besetzt):

1046.005, 5047.001, 1042.701, Zugförderung, Hohenau, 9.4.1988

5047.001, 1042.701, 1063.019, Zugförderung, Hohenau, 9.4.1988

Alter Lokschuppen, Hohenau, 9.4.1988

5044 und 2143, Hohenau, 9.4.1988

Am Stellwerk 1 waren einige Weichen ortsbedient und schlüsselgesperrt, einige weitere mechanisch fernbedient, eine ganze Reihe aber schon elektrisch gestellt:

Sicherungsanlage, Stw.1, Hohenau, 9.4.1988

Hebelbank, Stw.1, Hohenau, 9.4.1988

Der Blockapparat hat außer den Feldern, die mit dem Befehlswerk korrespondieren, ein zusätzliches NBF-Feld, also eine Nahbedienungsfreigabe für einige der elektrisch gestellten Weichen. Von den Knebeln für die Verschubsignale ist jener für das Signal VH2, also das Verschubsignal am Ausfahrsignal H2, umgelegt:

Blockapparat, Stw.1, Hohenau, 9.4.1988

Hier sieht man eine Reihe von Fahrmöglichkeiten am Gleisanzeiger (herauskopiert aus dem ersten Bild dieser Sicherungsanlage). Der Verschluss der Fahrstraßen ist offenbar zweigeteilt, mit einem "E"(infahr)- bzw. "A"(usfahr)-Teil, der für mehrere Gleise einer Gruppe gleich ist, und dann den getrennt zu stellenden Weichen für ein bestimmtes Gleis. Ganz überzeugt bin ich von dieser meiner Hypothese aber nicht – für die Gruppe 2 würde ich sie sofort akzeptieren, aber hier sind die E und A offenbar auch für die Gruppe 1 angeschrieben:

Ausschnitt aus Fahrstraßen am Gleisanzeiger, Stw.1, Hohenau, 9.4.1988

Am Signalpult sieht man die Leuchte für das Verschubsignal VH2, dessen umgelegten Knebel man zwei Bilder weiter oben erkennen konnte:

Signalanzeigepult, Stw.1, Hohenau, 9.4.1988

Dieses Bild zeigt noch einmal das Signalanzeigepult aus dem vorherigen Bild, nun zwar scheußlich, aber dafür viel lesbarer aufgehellt.

Signalanzeigepult, Stw.1, Hohenau, 9.4.1988

Und zuletzt ein Bild auch dieses Stellwerks, davor ist die Weiche 13 zu sehen:

Stellwerk 1, Hohenau, 9.4.1988

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