Dienstag, 26. April 2016

Schweiz 1988: Bernina und retour, Stellwerke in Thusis und Reichenau-Tamins

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Ergänzung 15.5.2016: Ich habe Hanspeter Thönis Kommentar nun direkt in den Text eingearbeitet, der dadurch lesbarer ist.

Am nächsten Tag sind wir von Davos aus über die Albula und dann mit der Berninabahn nach Poschiavo und zurück gefahren. Hier sind mehr oder weniger kommentarlos Fotos davon:

Spitzenweiche 1, Davos Platz, 14.8.1988

Zweimal zu nahe und zu unscharf:

RhB 623, Davos Platz, 14.8.1988

RhB 607, Davos Platz, 14.8.1988

Filisur:

RhB Be1 511, Filisur, 14.8.1988

RhB 706, Filisur, 14.8.1988

Handgestellte Weiche 18, Filisur, 14.8.1988

Viele RhB-Weichen hatten damals offenbar schon Klammerverschlüsse – bei der folgenden Weiche (deren Nummer ich nicht weiß – jedenfalls steht sie anders als die Weiche 18) war aber ein typischer Schweizer Mittelverschluss vorhanden:

Zungenverschluss, Filisur, 14.8.1988

RhB, 14.8.1988

RhB, 14.8.1988

Bahnhof Preda, 14.8.1988

In Österreich war diese Bauform der DKW-Signale schon in den 1930er Jahren weitgehend durch die "Cauer'schen Signale" ersetzt worden:

DKW, Pontresina, 14.8.1988

Mehr als solche Schnappschüsse gibt's von der Fahrt über die Bernina leider nicht:

Schneepflug, Pontresina, 14.8.1988

Einige Züge über die Bernina hatten an diesem Sonnentag offene Aussichtswagen:

Berninabahn, 14.8.1988

Berninabahn, 14.8.1988

Berninabahn, 14.8.1988

Berninabahn, 14.8.1988

Berninabahn, 14.8.1988

Die Stellböcke der Weichen auf der Höhe des Berninapasses waren alle auf Podesten am Abhang aufgestellt – war das vorteilhaft bei meterhoher Schneelage?

Ospizio Bernina, 14.8.1988

Von der berühmten Kurve, wo sich der Berninabahn ins Puschlav hinunterstürzt, gibt es dieses Foto mit falscher Beleuchtung:

Alp Grüm, Berninabahn, 14.8.1988

70‰ Gefälle:

Berninabahn, 14.8.1988

Auch bei der Einfahrt in Poschiavo sieht man das extreme Gefälle dieser Bahn:

Poschiavo 14.8.1988

Hier steht schon, etwa eine Stunde später, der Gegenzug:

Poschiavo 14.8.1988

Schrecklich abgesägt hab ich den Traktor Ge2/2 161 aufgenommen:

RhB 161, Poschiavo 14.8.1988

Auf der Rückfahrt haben wir auch die Aussichtswagen genossen:

Berninabahn, 14.8.1988

Berninabahn, 14.8.1988

Berninabahn, 14.8.1988

Wieder die enge Wende vor Alp Grüm:

Berninabahn, 14.8.1988

Und dann hat uns ein langer Zug nach Thusis gebracht:

Landwasserviadukt, 14.8.1988

Thusis hatte ein älteres örtliches Stellwerk – das letzte auf der ganzen Rhätischen Bahn, soviel ich mich dunkel erinnere, das nicht durch ein Drucktastenstellwerk ersetzt worden war.

Hanspeter Thöni: Das Stellwerk in Thusis ist eigentlich kein Stellwerk, sondern ein 'Blockkasten'. Beim Einbau des Streckenblocks wurden solche Kästen in vielen Stationen eingebaut, welche kein Stellwerk hatten. Ursprünglich gab es in diesem Kasten keine Weichensteuerung. Später wurden dann meistens die beiden für Kreuzung benutzten Weichen elektrifiziert und die Steuerung nachträglich in den Kasten eingebaut:

Schalttafel des Stellwerks, Thusis, 14.8.1988

Der folgende Ausschnitt zeigt das Bedienfeld, sodass man die Aufschriften etwas besser lesen kann. Offenbar wurden von der Schalttafel aus nur die Spitzenweichen gesteuert. Die Spitzenweiche Richtung Sils (also Richtung Albula) war dabei offenbar einmal als W21 (die Festlegeanzeige im oberen Teil), einmal auf einem Überklebeschildchen als W24 (unten über der Weichentaste) bezeichnet.

Die beiden unterschiedlichen Weichennummern müssen nicht falsch sein. Soweit ich weiss, ist die Anzeige oben ist keine Festlegeanzeige, sondern eine 'Belegt-Anzeige' der Weiche. Diese wurde von Anfang an benötigt, um die Blockvorgänge zu steuern und die Signale wieder auf Halt zu stellen. Die erste Weiche wurde daher isoliert. Da die elektrifizierte Kreuzungsweiche nicht zwingend die erste Weiche sein muss, kann das hier durchaus stimmen.
 

Einer dieser Blockkästen ist übrigens bei mir zu Hause auf der Modellbahn in Betrieb:


Schalttafel des Stellwerks, Thusis, 14.8.1988

Am Bahnsteig war eine weitere Anzeige montiert, die unter Messgeräten für die Fahrdrahtspannung der beiden angrenzenden Strecken (beide Messgeräte zeigen 11,5 kV) Anzeigen für die Weichenstellung enthielten. Der Drehschalter rechts könnte zum Stellen der Weichen am südlichen Bahnhofskopf gedient haben – allerdings leuchten die Lampen dort gar nicht! – eigentlich ist mir die Anzeige und Bedienung hier nicht klar. Unterhalb der Weichenanzeige befindet sich eine teils rückgebaute Steuerung für zwei Blinklichtanlagen.

Interessant ist auch das Thermometer rechts mit Minimum- und Maximum-Anzeige: Kleine Metallstifte, die auf dem Quecksilber aufschwimmen, aber im Glasröhrchen sich ein wenig verklemmen, zeigen den Minimalwert (links im Alkohol, der die "untere Hälfte" des Ausdehnungsmediums bildet) und den Maximalwert (rechts oberhalb des Quecksilbers). Unterhalb des Thermometers hat jemand schön mit Schreibmaschine die Höchsttemperatur dokumentiert: "Höchsttemperatur: 28. Jul 1983 nachm. 15 Uhr" ... nur leider habe ich den Temperaturwert nicht mehr am Foto mitgenommen:

Weichenanzeige, Thusis, 14.8.1988

Von Reichenau-Tamins aus wurden alle Bahnhöfe auf den Strecken bis Chur, Thusis und Disentis gesteuert. Hier sieht man die Anlage mit der elegant aufgebauten Panoramatafel. Am Fahrdienstleitertisch davor befinden sich die zwei Bedienpulte für die Doppelspur-Strecke nach Chur auf der linken Seite und die zwei eingleisigen Strecken nach Thusis und Disentis rechts. Ganz rechts sieht man noch einen Teil des Stellpults für den Bahnhof Reichenau-Tamins:

Fernsteuerung der Zugleitung Reichenau-Tamins, 14.8.1988

Der folgende Ausschnitt zeigt, dass an diesem Sonntag in allen Bahnhöfen der automatische Betrieb eingeschaltet ist. In Versam-Safien hat sich ein Zug Einfahrt und Ausfahrt auf Frei gestellt:

Fernsteuerung der Zugleitung Reichenau-Tamins, 14.8.1988

Das Bedienpult für die Strecken ist sehr effizient angeordnet: Für jeden Bahnhof gibt es eine Stationstaste im Gleisbild, darunter sind in einer Reihe Tasten für die Auslösung aller nötigen Funktionen. Der Reihe nach sind das von links nach rechts:
  • Auf der Seite Chur jeder Station Signalsperrung ein/aus, Einfahrt, Stellen der Spitzenweiche, Ausfahrt
  • Öffnen und Schließen für bis zu drei Schrankenanlagen ("Barrieren")
  • Weichenheizung
  • Zeitschalterumgehung (wozu? – die Zeitschalterumgehung ist wahrscheinlich die Umgehung der Schaltuhr für die Signale. Es war früher gang und gäbe, die Signale in langen Zugspausen (z.B. in der Nacht) auszuschalten)
  • "Kreuzung einführen" und "Kreuzung aufheben" (Der RHB Automatikbetrieb verhindert nicht nur das Einstellen der Durchfahrt, sondern ist in der Lage, die komplette Kreuzung selbsständig auszuführen. Bei aktivierter Kreuzung passiert folgendes:
    1. Dem ersten Zug wird die Einfahrt in das dem Aufnahmegebäude näherliegende Gleis gestellt (keine schienenfreien Zugänge).
    2. Nach der Einfahrt des ersten Zuges wird dem zweiten Zug die Durchfahrt in das dahinterliegende Gleis gestellt.
    3. Nach Einfahrt des zweiten Zuges wird dem ersten Zug die Ausfahrt gestellt.
    4. Die Kreuzung wird danach ausgeschaltet und muss, sofern wieder eine Kreuzung stattfinden soll, wieder eingeschaltet werden.
    Die Taste "Kreuzung aufheben" wurde also nur dann gebraucht, wenn eine geplante und bereits eingewählte Kreuzung nicht stattfinden sollte
    )
  • Betriebsumschaltung (von automatisch auf manuell und zurück?)
  • Aufschneidung (offenbar "Quittierung" einer solchen), Notauflösung und Nothalt.
  • Auf der Seite Thusis oder Disentis auch noch einmal Ausfahrt, Weicheneinzelstellung, Einfahrt und Signalsperrung ein/aus.
Weitere Bedienmöglichkeiten gibt es nicht – insbesondere enthält die Anzeigetafel überhaupt keine Tasten (man vergleiche das mit österreichischen DrS- und SpDrS-Stellwerken!). Hilfssignale (entsprechend österreichischen und deutschen Ersatzsignalen) waren offenbar nirgends vorgesehen: Im Falle von Störungen mussten über Zugfunk Befehle diktiert werden:

Fernsteuerung der Zugleitung Reichenau-Tamins, 14.8.1988

Zuletzt hier noch ein Bild des Stellpultes für den Bahnhof Reichenau-Tamins. Links ist die Doppelspur-Strecke nach Chur zu erkennen, rechts die weit vor dem Bahnhof liegende Verzweigung der Strecken nach Thusis und ins Oberland. Auf dem Integra-Stelltisch waren die Einzelstelltasten an den Rand des Stellpultes verbannt, im Gleisbild befanden sich nur Tasten für das Stellen von Fahrstraßen. Interessant ist auch das Gerät im Hintergrund, das früher natürlich auf jedem Bahnhof vorhanden war:

Bedienpult des Stellwerks Reichenau-Tamins, 14.8.1988

Eine letzte Fahrt hat uns an diesem Tag dann bis nach Disentis gebracht, wo wir direkt über dem Bahnhof ein Zimmer bezogen haben.

Kommentare:

  1. Das Stellwerk in Thusis ist eigentlich kein Stellwerk sondern ein 'Blockkasten' Beim Einbau des Streckenblocks wurden solche Kästen in vielen Stationen eingebaut welche kein Stellwerk hatten. Ursprünglich gab es in diesem Kasten keine Weichensteuerung. Später wurden dann meistens die beiden für Kreuzung benutzten Weichen elektrifiziert und die Steuerung nachträglich in den Kasten eingebaut. Die beiden unterschiedlichen Weichennummern müssen nicht falsch sein. Soweit ich weiss ist die Anzeige oben ist keine Festlegeanzeige sondern eine 'Belegt-Anzeige' der Weiche. Diese wurde von Anfang an benötigt, um die Blockvorgänge zu steuern und die Signale wieder auf Halt zu stellen. Die erste Weiche wurde daher isoliert. Da die elektrifizierte Kreuzungsweiche nicht zwingend die erste Weiche sein muss, kann das hier durchaus stimmen.
    Einer dieser Blockkästen ist übrigens bei mir zu Hause auf der Modellbahn in Betrieb.

    Die Zeitschalterumgehung ist wahrscheinlich die Umgehung der Schaltuhr für die Signale. Es war früher gang und gäbe, die Signale in langen Zugspausen (z.B. in der Nacht) auszuschalten.

    Zur Kreuzung ein/aus: Der RHB Automatikbetrieb verhindert nicht nur das Einstellen der Durchfahrt sondern ist in der Lage, die komplette Kreuzung selbsständig auszuführen. Bei aktivierter Kreuzung passiert folgendes:
    1. Dem ersten Zug wird die Einfahrt in das dem Aufnahmegebäude näherliegende Gleis gestellt (keine schinenfreie Zugänge).
    2. Nach der Einfahrt des ersten Zuges wird dem 2. Zug die Durchfahrt in dahinterliegenden Gleis gestellt.
    3. Nach Einfahrt des 2. Zuges wird dem ersten Zug die Ausfahrt gestellt.
    4. Die Kreuzung wird danach ausgeschaltet und muss, sofern wieder eine Kreuzung stattfinden soll, wieder eingeschaltet werden.
    Die Taste Kreuzung aus wurde also nur dann gebraucht, wenn eine geplante und bereits eingewählte Kreuzung nicht stattfinden sollte.

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    1. Vielen Dank für fachkundige Ergänzungen. Ich lasse meinen Text obe so stehen, habe aber einen Verweis auf den Kommentar ergänzt!

      H.M.

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