Freitag, 19. Dezember 2014

Grüne Lok, Dampflok, DrS-Stellwerk: Mehr oder weniger Altertümliches in Bruck a.d.Mur, 1987

Nach einer Reihe von Bahnhöfen in Oberösterreich – zuletzt Rohr – habe ich mich ins Steiermärkische aufgemacht und dort als erstes den Personen- und den Frachtenbahnhof in Bruck a.d.Mur besucht.

Die Prinzipanlage des Trennungsbahnhofs Bruck a.d.Mur sieht man schön auf der Gleistafel in der Außenfahrdienstleitung am Bahnsteig:
  • Von rechts kommt die Strecke vom Semmering (Linksbetrieb).
  • In die Streckengleise münden dort auch zwei Gleise vom Frachtenbahnhof (Bruck a.d.Mur Fbf), auf dem dritten Gleis 1V sind ebenfalls Zugfahrten zwischen Frachtenbahnhof und Personenbahnhof möglich.
  • Links unten ist die Strecke nach Graz dargestellt, die ebenfalls im Linksbetrieb betrieben wird.
  • Links oben schließlich sieht man die Strecke nach Villach mit Rechtsbetrieb.
Auf dem Gleisbild sieht man gerade eine Durchfahrt vom Frachtenbahnhof Richtung Villach über die Gleise 1V und 6 sowie eine Ausfahrt nach Graz aus dem Gleis 1:

Bahnsteigfdl., Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Charakteristisch für Bruck waren die diagonalen Verbindungsgleise, die Ausfahrten von den Gleisen 2 bis 8 auf beide anschließenden Strecken erlaubten. Die Gleisverbindungen waren durch Schutzsignale Sch2...Sch8 gesichert, und für die Ausfahrsignale gab es sehr unübliche Bezeichnungen
  • R10V, R8V, R6V = Ausfahrsignale von den Gleisen 10...6 Richtung Villach
  • R2V/4V = Ausfahrsignal von den Gleisen 4 und 2 (über eine "Diagonalverbindung") Richtung Villach
  • R6G/8G = Ausfahrsignal von den Gleisen 8 und 6 (über die andere "Diagonalverbindung") Richtung Graz
  • R4G, R2G = Ausfahrsignale von den Gleisen 4 und 2 Richtung Graz
  • R1, R3, R5b = Ausfahrsignale von den Gleisen 1, 3 und 5b Richtung Graz – wieso hier kein "G" angehängt wurde, während R10V ein "V" bekommen hatte, ist mir nicht klar:

Bahnsteigfdl., Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

In diesen Tagen fanden die Feiern zum 130-jährigen Bestehen der Südbahn statt. In Bruck dampfte deshalb ein Sonderzug mit der wieder (für die 150-Jahr-Feiern "Eisenbahn in Österreich") hergerichteten "Licaon":

Licaon, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Als Reserve tat hier die (glaube ich) letzte grüne 1245 ihren Dienst:

Grüne 1245.521, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Vom Mittelbahnsteig aus konnte man auch das "Bahnhofsgebäude" aufnehmen (ausnahmsweise kommt hier das Bild des Bahnhofs schon etwas früher, weil ich das Ende des Postings für andere Bilder reserviert habe):

Bahnhof, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Als nächstes habe ich dann das DrS-Zentralstellwerk besucht – hier ist eine Außenaufnahme des markanten "Turmes":

Zentralstellwerk, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Das erste Bild von einer Bedienung am Zentralstellwerk habe ich leider zu dunkel erwischt:

Stelltisch, ZStw, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Hier sieht man den DrS-Gleisbildtisch schöner. Interessant sind die händisch beschrifteten "Zugnummernanzeigen", um den Standort von Loks für bestimmte Züge zu markieren ("Tfz 817", "Tfz 4401-5"). Am Gleisplan sieht man die schon oben erwähnten typischen Gleisverbindungen und auch die teils sehr hohen, über zwei Felder ausgedehnten Signalsymbole, wo ein Haupt-, Verschub- und Vorsignal zusammentreffen. Das R10V ist hier übrigens nur als R10 beschriftet:

Stelltisch, ZStw, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Gruppen- und andere Tasten sind, wie beim DrS üblich, hier etwas "zufällig" auf freien Flächen angeordnet. Hier sieht man u.a.
  • eine "HaGT N" = "Haltgruppentaste Nord" – offenbar gab es die Gruppentasten nach Bahnhofskopf getrennt;
  • eine "ERT N" = "Einzelrücknahmetaste Nord" (danke an M.Aigner, der die richtige Bezeichnung wusste und ergänzt: "Sie dient zur Rücknahme einer Verschubstraße oder einer nur teilweise zustande gekommenen Fahrstraßeneinstellung".)
  • eine Menge von Start- und Zieltasten (der Bequemlichkeit halber gedoppelt?) – etwa "v.W." und "n.W." (von und nach Wien), "v.u.n.Fbf", aber auch für die Einfahrsignale auf der Südseite "X", "Z", "Y", "W".
  • wieder einmal eine "GHT" = "Gruppenhilfstaste" zur "Verlängerung" von Start-Ziel-Bedienungen auf dem großen Tisch (siehe dazu das Posting zu Wiener Neustadt).
  • eine "WGT N" = "Weichengruppentaste Nord"
  • eine "SGT N" = "Signalgruppentaste Nord" (die "SGT S" sieht man übrigens am vorherigen Foto):

Stelltisch, ZStw, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Außerhalb des Personenbahnhofs gibt es auch noch die Brucker Schleife. Dafür gab es ein eigenes Stellpult am Schreibtisch. Links gehen hier die Strecken nach Bruck, während rechts die Strecken Richtung Graz (oben) und Villach (unten) dargestellt sind:

Stelltisch für Brucker Schleife, ZStw, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Hier sieht man noch eine Detailaufnahme dieses Stelltisches, wo gerade zwei Fahrten Richtung Bruck stehen. Etwas erstaunlich ist die flächige Darstellung der ZG-Pfeile auf der Grazer Strecke – bedeutet diese Darstellung irgendetwas besonderes? Als Firmenbezeichnung steht übrigens auf der Holzeinrahmung des Pultes klein: "WSW | SIEMENS & HALSKE GES.M.B.H. | WIENER SCHWACHSTROM WERKE".

Stelltisch für Brucker Schleife, ZStw, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Neben der Merktafel, die hier ziemlich hoch angeordnet war, befand sich, wie damals üblich, die "Wiederholungsanzeige" für die Zuganzeiger im Bahnhof:

ZStw, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Als letzter Zug ist am Zuganzeiger am Gleis 10 der "Sonderzug nach Mürzzuschlag" mit Abfahrt 15:01 zu sehen – und tatsächlich ist es jetzt kurz nach drei: Die Licaon dampft los!

Licaon, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Licaon, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Licaon, Bruck a.d.Mur, 8.8.1987

Dann machte ich mich auf den Weg zum Frachtenbahnhof.

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