Donnerstag, 23. Januar 2014

Das Museumsstellwerk in St.Albans, 2013

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St.Albans liegt knapp nördlich von London an der "Midland Main Line" nach Sheffield. Dort steht ein hervorragend restauriertes und betreutes Museumsstellwerk, die St.Albans South Signal Box – einmalig, weil es genau dort verblieben ist, wo es ursprünglich erbaut wurde:

St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Die meisten museal erhaltenen Stellwerke können aus Sicherheitsgründen nicht so nahe an den Gleisanlagen verbleiben und müssen daher versetzt werden. Hier stellte aber ein abgebautes Ladegleis den nötigen Abstand her, sodass das Stellwerk noch immer auf die vier vielbefahrenen Gleise von und nach London blickt:

Zugeinfahrt auf der Nahverkehrsstrecke (Slow Line), St.Albans, 25.8.2013

Hebel und Zug, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

In einem kleinen Garten neben dem Stellwerk steht eine Reihe von erhaltenen Signalen. Einige davon haben ihre eigenen Stellhebel oder sind sogar an das Stellwerk angeschlossen:

Museumssignale, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Doch nun sind wir im Stellwerk mit seinem "Midland tumbler frame" – weiter unten folgen ein paar Bilder des sehr speziellen Verschlussregisters. Hier sieht man die ganze Hebelbank, und ganz am Ende, neben dem Eingang, steht Rob, der uns gleich einiges darüber erklären wird:

Hebelbank und Rob, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Das Gleisbild zeigt den alten Gleisplan der Bahnhofsgleise. Seither sind alle Weichen in St.Albans verschwunden und auch die Ladegleise am unteren Rand, die von den Weichen 27B und 27A ausgehen – dort, wo das Stellwerk steht:

Gleistafel, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Hier sieht man die Hebelbank von der anderen Seite, mit einer Menge von Spiegelfeldern ("signal repeaters") unterhalb des Blockaufsatzes:

Hebelbank – alle Hebel in Grundstellung, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Rob begann uns zu erklären, wie die nötigen Schritte bei der Durchfahrt eines Zuges ablaufen. Hier folgt ein Ausschnitt aus seiner Erklärung (die einen komplexen Simulator verwendet, der die Aktionen der benachbarten Stellwerke und der Züge simuliert):



Hier sieht man die Weichen samt Verriegelung sowie die Signale, die für eine Fahrt Richtung London auf der "Fast Line" gestellt werden müssen:
Die Fahrtrichtung nach London heißt in England durchgängig "up", daher ist das also eine Fahrt auf der "Up Fast Line". Entsprechend sind auch die Signale Richtung London benannt: "Up Fast Distant" ist das Einfahrvorsignal 7, "Up Fast Home Signal" ist das Einfahrsignal 8, "Up Fast Starter" das Ausfahrsignal 11 direkt hinter dem Bahnsteig und schließlich "Up Fast Advanced Starter" das Blockdeckungssignal 12. In der Gegenrichtung heißen die entsprechenden Signale "Down ...", und auf den Nahverkehrsgleisen steht "Slow" statt "Fast". Andere übliche Gleis-(oder eher Strecken-)bezeichnungen sind "Goods" für Güterzugsgleise oder "Loop" für Ausweichgleise.


Und auf diesem Bild sieht man, wie genau diese Hebel umgestellt sind:

Hebelbank – Durchfahrt auf der "Up Fast Line" gestellt, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Der Simulator lässt den Zug nun durch das Stellwerk "fahren":

Der Simulator lässt einen Zug fahren, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Hier sieht man noch einmal die umgelegten Hebel für die Zugfahrt nach London – nur das Vorsignal Nr.7 ist schon zurückgestellt worden. Im Hintergrund sieht man die "Wire adjusters", durch die die eindrähtigen Signalzüge für weiter entfernte Signale wegen der Temperaturausdehnung gekürzt oder verlängert werden können (wegen der Eindrahtbedienung von Signalen kennen englische Stellwerke keine Spannwerke; siehe dazu auch diesen Thread im englischen signalbox-Forum):

Hebelbank und Signaldraht-Regulatoren, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Hier sieht man, wie der Simulator zugleich drei Züge durch das Stellwerk fahren lässt:

Der Simulator fährt mit drei Zügen, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Zugfahrt auf der "Up Slow Line", St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Signal Nr.10 ist der "Advanced Starter" für die "Slow Line" Richtung London (man könnte dieses Signal vielleicht "Blockdeckungssignal" nennen). Rob stellt es hier gerade zurück auf "Halt" ...

Zurückstellen des Blockdeckungssignals 10, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

... und erklärt uns dann andere Fahrten:

Rob erklärt ..., St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Rob erklärt ..., St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Unterhalb dieses Blockinstruments sieht man einen "Welwyn crank". Damit kann ein Zug in einen als besetzt gemeldeten Abschnitt gelassen werden (i.d.R. wegen einer technischen oder Betriebsstörung, durch die der Abschnitt gar nicht von einem Zug besetzt wurde). Im Wesentlichen ist die "Welwyn-Kurbel" – benannt nach ihrer Einführung nach einem schweren Unfall in Welwyn Garden City im Jahr 1935 – ein "aktives Zeitverzögerungselement": Der "Signalman", also der Fahrdienstleiter, muss manuell mehr als hundert Umdrehungen zur Auflösung der Belegung machen, wobei er sich hoffentlich überlegt, was er da gerade anrichtet:

Blockinstrumente und ein "Welwyn crank", St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Hier sieht man ein Bild des ganzen Blockaufsatzes – Details zu den Instrumenten erkläre ich hier nicht, weil das ein ganzes Buch füllen würde (und ich auch bei weitem nicht alles weiß)::

Blockaufsatz, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Die folgenden zwei Hebel mit ihren schwarz-weißen Pfeilen sind typisch englisch: Es handelt sich um "Detonator"-Hebel, mit denen – vor allem bei nebligem Wetter – mit einer eigenen Mechanik Knallkapseln auf die Schienenköpfe gelegt werden konnten. Die entsprechenden Hebel der "Down Lines" (also der von London wegführenden Streckengleise) tragen übrigens nach unten weisende Pfeile:

Knallkapsel-Hebel, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Knallkapsel-Hebel, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Im unteren Geschoß des Stellwerks befinden sich die Winkelhebel, an die die Signaldrähte oder Gestängeleitungen zu den Weichen angeschlossen waren:

Winkelhebel im Erdgeschoß, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Hier folgen einige Bilder des auch in England exotischen "tumbler locking bed", was sich etwa mit "Wackler-Verschluss-Register" übersetzen lässt. Die Logik eines Tumbler-Frames ist genau gleich wie beim viel üblicheren "tappet frame" (den ich ein wenig an diesem "ground frame" in Wansford und ausführlicher in einem späteren Posting erkläre) – es handelt sich also wie bei allen englischen mechanischen Stellwerken um ein Kaskadenstellwerk. Die mechanische Ausführung ist aber grundverschieden: In "tappet frames" werden Schubkeile ("wedges") durch abgeschrägte Einschnitte an Verschlussbalken ("tappets") bewegt, wodurch andere "tappets" und die damit verbundenen Hebel festgelegt werden. In einem "tumbler frame"
  • sind die "tappets" durch Achsen ersetzt, die von den Hebelfallen um etwa 30° verdreht werden;
  • sind die Einschnitte durch kleine Hebel auf diesen Achsen ersetzt;
  • gibt es statt der Schubkeile ("wedges") geschlitzte Zug- und Schubstangen, die von den kleinen Hebeln bewegt werden und sie andererseits zum Verschluss in ihrer Bewegung behindern.
Mehr erkläre ich dazu einmal nicht – die folgenden Bilder und Videos sollen einen Eindruck von dieser Verschlusslogik bieten:

Mechanik eines "tumbler frame", St.Albans Signal Box, 25.8.2013







Mechanik eines "tumbler frame", St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Die elektrischen Drähte, die hier am Boden herumliegen, gehören nicht zum eigentlichen Stellwerk, sondern sind nur Verbindungen zu dem Simulator, den ich weiter oben erwähnt habe:

Mechanik eines "tumbler frame", St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Wie gesagt, steht das Museumsstellwerk von St.Albans direkt an der Midland Main Line – hier sieht man die Kombination einiger Hebel mit Zügen:

Hebel und Zug, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Hebel und Zug, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Die "fast line", also die Gleise der Fernstrecke, läuft mit einem durchgehenden großen Radius durch den Bahnhof, während die Nahverkehrsgleise der "slow line" lange gerade Bahnsteige haben – dafür sind die Radien bei der Ein- und Ausfahrt natürlich enger:

Bahnhof, St.Albans, 25.8.2013

Seit kurzem stehen auf der Fernstrecke neue Signalnachahmer ("signal repeaters"), die bei freizeigendem Hauptsignal einen grünen Hintergrund zeigen (wenn das Hauptsignal auf "Vorsicht" steht, also gelbes Licht zeigt wegen eines folgenden Haltsignals, wird weiterhin weißer Hintergrund angezeigt):

Zug auf der "Down Fast Line", St.Albans, 25.8.2013

Zug auf der "Down Fast Line", St.Albans, 25.8.2013

Signalnachahmer, St.Albans, 25.8.2013

Ein Mitglied des Museumsvereins hat aufwendig ein Modell eines "tappet frames" gebaut, an dem man die Logik einer solchen Mechanik erklären kann. Allerdings dürfte auch an diesem schönen Modell dem "durchschnittlich Interessierten" nicht klar werden, woher man eigentlich weiß, wie man die "wedges" anordnet, sodass die Hebel sich korrekt gegenseitig verschließen:

Vorführ-Hebelbank, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Verschlussregister der Vorführ-Hebelbank, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Verschlussregister der Vorführ-Hebelbank, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Verschlussregister der Vorführ-Hebelbank, St.Albans Signal Box, 25.8.2013

Und hier ist ein letztes Bild der großartig erhaltenen "St.Albans South Signal Box":

St.Albans South Signal Box, 25.8.2013

Mittwoch, 22. Januar 2014

London Underground und Overground, 2013

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Hier sind ein paar Bilder von einem Regentag in London.

Ein Signal steht auf Frei für einen Zug der London Overground in Kensington Olympia:

Signale Richtung West Brompton, Kensington Olympia, 24.8.2013

Hier kommt der Zug. Links wartet ein Zug der District Line der London Underground auf die Abfahrt. Man sieht, dass die Overground ihren Strom von einer seitlich angeordneten Stromschiene bezieht, während die Underground zwei Stromschienen verwendet, eine neben und eine zwischen den Fahrschienen. Der Grund für diese extrem seltene Anordnung ist, dass damit "vagabundierende Rückströme" im Erdreich verhindert werden, die zu extremer Korrosion (Rost) an allen Arten von Metallrohren in der Nähe der U-Bahn führen können:

Underground (aber nicht unter der Erde) und Overground, Kensington Olympia, 24.8.2013

Die Signale der Overground in Kensington Olympia sind "Searchlight-Signale" mit nur einer Optik:

Signal VC 696 Richtung West Brompton, Kensington Olympia, 24.8.2013

Hier ist das Gleisende hinter dem Zug der Underground:

Underground Richtung High St.Kensington, District Line, Kensington Olympia, 24.8.2013

Gleisende, District Line, Kensington Olympia, 24.8.2013

"Frei" Richtung Shepherds's Bush, aber "Halt" beim darauffolgenden Signal:

Signale Richtung Shepherds's Bush, Kensington Olympia, 24.8.2013

Ein Zug kommt an:

Overground, Kensington Olympia, 24.8.2013

Overground, Kensington Olympia, 24.8.2013

Und zum Schluss zwei Bilder des Signals NL1047 in Willesden Junction, mit einem leuchtenden Routenanzeiger, der hier "feather" (Feder) genannt wird:

Signal NL1047, Willesden Junction, 24.8.2013

Signal NL1047, Willesden Junction, 24.8.2013