Dienstag, 27. Januar 2015

Der berühmte Schranken mit Hebelbedienung und Einbindung in ein Spurplanstellwerk: Unter Purkersdorf, 1987

In Unter Purkersdorf (das man wirklich getrennt schreibt) stand bis 1987 ein Schranken, der bekannt war wie ein bunter Hund: Von Hand zu schließen (und nicht nur mit Kurbel – wir sehen gleich wie), war er über zwei Blockfelder in ein Spurplan-Stellwerk von Siemens eingebunden. Als ich ihn im August 1987 fotografiert habe, war daneben endlich eine große Unterführung gebaut worden (eine kleine gab es schon vorher), sodass der Schranken seit einiger Zeit außer Betrieb war. Technisch war die Anlage aber noch vollständig vorhanden.

Von der Nordseite her sah der Schranken damals so aus. Wie man sieht, gab es einen doppelschlägigen Schranken für den fahrenden Verkehr und daneben einen kleinen Schranken für den Gehweg:

Schranken beim Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Hier ist der kleine Schrankenbaum noch einmal aus der Nähe zu sehen. Man erkennt, dass ein üblicher Schrankenantrieb mit Kettenscheibe oder ähnlichem fehlt:

Schranken beim Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Wenn man ihn ganz aus der Nähe ansah, erkennt man, dass er über zwei simple Hebel bewegt wird, an denen die Antriebsdrähte bzw. -ketten direkt angelenkt sind:

Schranken beim Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Hier sieht man die zwei Schrankenbäume an der südlichen Zufahrt. Die Bohlen der Straßenquerung war zu diesem Zeitpunkt schon vollständig entfernt.

Schranken beim Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Hier ist der dazugehörige Schrankenposten direkt daneben zu sehen:

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Innen drin stand die folgende Anlage – ich habe sie durch die Scheiben aufgenommen, daher gibt es auf den folgenden Bildern einige Spiegelungen aus der Umgebung. Links sehen wir einen Kurbelantrieb, aus dem allerdings die Kurbel entfernt worden war. Die nach unten führende Kette geht zu den vier großen Schrankenbäumen, darüber sieht man ein unerwartetes großes Kettenrad, dessen Zweck wir uns gleich ansehen. Unter dem Blockapparat mit zwei Zustimmungsfeldern steht eine Hebelbank der Bauart 3414, an der ein einzelner Hebel angebracht ist. Mit diesem Hebel wird der kleine Schranken direkt geschlossen und geöffnet – eine ziemlich effiziente Methode für die kleinen Schrankenbäume, solange sie gut geschmiert sind. Rechts ist schließlich ein weiterer elektrischer Schrankenantrieb vorhanden, der einen weiter entfernten Schranken antrieb:

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Hier sieht man das große Kettenrad und den Blockapparat etwas näher. Im Kettenrad sieht man unten rechts der Mitte einen kleinen Bolzen: Er ist hier durch ein Loch im Kettenrad durchgeschoben und legt damit diese Rad fest, wodurch der Schranken in der geschlossenen Stellung festgelegt ist. Der Bolzen ist die Verlängerung eines Schiebers, der durch den Knebel direkt unter dem Schieberkasten bewegt wird. Und dieser Schieber wird wiederum durch jedes der beiden Blockfelder festgelegt. Durch diese Abhängigkeitskette (Za-Felder ⇒ Schieber ⇒ Kettenrad ⇒ Schranken) ist sichergestellt, dass bei geblockten Zustimmungsfeldern der Schranken geschlossen ist – und nur dann kann im Spurplanstellwerk eine Zugfahrstraße über diese EK gestellt werden:

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Auch der Hebel für die zwei kleinen Schrankenbäume wird natürlich durch den Schieber in der unteren Stellung festgelegt – eine ganz normale Abhängigkeit, wie sie sonst zwischen Fahrstraßenschiebern und Weichenhebeln verwendet wird:

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Hier sind weitere Fotos dieser außergewöhnlichen Anlage, die allerdings keine neuen Details mehr zeigen:

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Schrankenposten 19, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Vom Schrankenposten bin ich zur Fahrdienstleitung marschiert, von der aus das SpDrS bedient wurde. Hier sieht man diese Anlage, während gerade drei Fahrstraßen eingestellt sind:

SpDrS, Fdl, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Kurz später sind die Fahrstraßen im westlichen Bahnhofsbereich wieder aufgelöst:

SpDrS, Fdl, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Bedient wurde die Anlage im Regelbetrieb von diesem Stellpult. Interessanterweise gab es hier keine Zehnertastatur für eine numerische Befehlseingabe, daher mussten alle Stellelemente für den Regelbetrieb – etwa auch für die Weicheneinzelbedienung – über die vorhandenen Tasten gestellt werden können:

SpDrS, Fdl, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Hier sieht man einige Detailaufnahmen von der Panoramatafel:

SpDrS, Fdl, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Wieso das Ausfahrsignal H4 hier abgedeckt ist (und am Stellpult mit einer Hilfssperre versehen ist), ist mir nicht klar:

SpDrS, Fdl, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

SpDrS, Fdl, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Und wie war nun der besondere Schranken eingebunden? "km 179.3" hat mich in diesem Thread im EBFÖ darauf aufmerksam gemacht: Ganz in der Nähe der Einfahrsignalsymbole aus Richtung St.Pölten sind Transparente angebracht, die die Zustimmung vom Schrankenposten 19 her anzeigen. Das folgende Bild ist aus dem ersten Überblicksbild oben herauskopiert und -vergrößert und daher entsprechend unscharf. Man sieht die beiden Transparente rechts oben und unten und jeweils darunter die Taste, mit der (zusammen mit einer Gruppentaste) die Zustimmung zurückgegeben werden konnte – was natürlich zu diesem Zeitpunkt vermieden werden musste, weil ja niemand mehr die Zustimmung beim Schrankenposten abgeben konnte. Aber vielleicht hatte man die Drähte zu den Tasten auch schon abgezwickt ...

Einfahrsignale Z und Y mit Zustimmungsanzeige vom Schrankenposten 19, SpDrS, Fdl, Unter Purkersdorf, 16.8.1987

Kommentare:

  1. Hallo, eine kleine Anmerkung zur Erinnerungseinrichtung in Kirchstetten.
    Eine Erinnerungseinrichtung ist nicht sicherheitsrelevant, sie ist nur eine Unterstützung für den Bediener. Warum das damals so fliegend verdrahtet wurde, kann ich mir leider auch nicht erklären. Normalerweise reicht dafür der Schalter links vom Schrankenantrieb.
    Grüße M. Aigner

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    1. Mhm - "sicherheitsrelevant" ist kein guter Ausdruck von mir. Was gemeint ist, ist "mit Sicherheitsaspekten verknüpft" und insofern "Unfällen vorbeugend", was bei einem potentiellen Unfall auch betrachtet werden würde, wie man an den Berichten der Versa sehen kann - auch für solche Anlagen erwartet man gewisse Standards.
      H.M.

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