Samstag, 4. April 2020

Konstruktion eines mechanischen Stellwerks(modells) - Folge 4 und Folge 5: Allgemeines, ein Gleisplan und die Rahmenprojektierung

Zwei weitere Folgen meiner Videobotschaften zum Thema "Demonstrationsbau eines mechaniscen Stellwerksmodells" stehen nun auf Youtube. In der ersten geht es noch um Allgemeineres – Gedanken dazu, wieso ich grad mit Alu baue:


Interessanter ist sicher die nächste Folge, wo ich mich endlich für den Gleisplan eines ersten Demo-Bahnhofs entscheide und dann auf die (einfache) Projektierung der Rahmenbauteile stürze:



Es soll nun losgehen, mit dem Bauen!

Montag, 30. März 2020

Zwei Formsignale und ein rästelhafter Vorstandsapparat in St.Margethen, 1991

Im Frühjahr 1991 – das genaue Datum weiß ich leider nicht mehr – bin ich ein letztes Mal kurz über die Schweizer Grenze gefahren und habe in drei Bahnhöfen Sicherungsanlagen aufgenommen. Wieder war das ganz einfach, ohne irgendeine Bürokratie – vor allem in Heerbrugg.

Zuerst war ich aber in St.Margrethen. Dort standen an der Einfahrt von Lustenau her noch Formsignale – auf schweizerisch also ein Scheibensignal und ein Semaphor:

Einfahrvorsignal aus Richtung Lustenau, St.Margrethen, Frühjahr 1991

Einfahrsignal aus Richtung Lustenau, St.Margrethen, Frühjahr 1991

Sovel ich mich erinnern kann, war der Bahnhof leer – ich habe niemanden gefunden, den ich nach dem Weg zu den Stellwerken (bzw. eigentlich "Posten") fragen konnte. Daher habe ich die Posten auch nicht besucht – leider, leider, kann man im Nachhinein nur sagen – und zuerst ein Bild gegen die Schattenfronten von drei Triebfahrzeugen gemacht:

Ae 4/7, eine Re 6/6 und ein 4030, St.Margrethen, 1991

Dann habe ich mich dem Vorstandsapparat vor der Fahrdienstleitung gewidmet, eine interessante und für mich teils unverständliche Konstruktion. Als "Begleitdokument" ist der Eintrag zu St.Margethen auf der Seite www.gleisplaene-schweiz.ch hilfreich: Dort ist der Gleisplan sowie die Sicherungsanlage im Jahr 1981 dargestellt. Bis 1991 hat sich daran vor allem geändert, dass die Rangiersignale abgebaut worden sind und daher auf dem Vorstandsapparat nur mehr ein Signalhebel überlebt hat. Hier sieht man diesen Apparat einmal aus größerer Distanz:

Vorstandsapparat, St.Margrethen, Frühjahr 1991

Auf dem folgenden Bild sieht man links auf der Hebelbank einen Schieberkasten; nach dem Plan auf www.gleisplaene-schweiz.ch ist (zumindest mir) aber schon unklar, ob darin noch irgendwelche Schieber und Abhängigkeiten vorhanden waren:

Vorstandsapparat, St.Margrethen, Frühjahr 1991

Am folgenden Bild aus der Nähe sieht man mehr Details, auf die ich der Liste nach dem Bild etwas eingehe:

Vorstandsapparat, St.Margrethen, Frühjahr 1991

Nach längerem Starren auf die Beschilderung an diesen Hebeln ist mir ziemlich unklar, was sie tun. Ich riskiere einmal eine Reihe von Vermutungen, bin mir aber klar, dass ich damit weit neben der Realität liegen kann. Bilder aller Beschriftungen gibt's weiter unten:
  • Ganz rechts ist ein absolut einmaliger Stufenschalter mit (denke ich) sieben Stellungen zu sehen, mit der Aufschrift "Fahrstrassen-Freigabe". Dort sind vorwiegend Einfahrten aus allen drei Richtungen notiert, aber Richtung Au auch Ausfahrten; und die Einfahrten aus Rheineck auf Gleis 4 und 5 sind ausgekratzt oder überklebt, wieso auch immer. Interessant ist, dass es nach Au Ausfahrten "ab Geleise A II-V" gibt, aber auch "ab Geleise A V/VI" gibt: Letzteres ist eine Ausfahrt über die Weichenverbindung in der Mitte der beiden Gleise – anders kommt man vom Gleis 6 nicht Richtung Au.
  • Die zwei Hebel links davon listen, etwas detaillierter, genau dieselben Fahrstraßen auf. Das könnten prinzipiell Signalhebel sein – wären sie nicht mit grünem Hebelgriff ersehen; und gäbe es nicht den Signalhebel F1/2, der links daneben genau für das Einfahrsignal von Rheineck zuständig ist. Die Hebel könnten früher die mechanischen Abhängigkeiten zu den Rangiersignalen gehabt haben; aber auch dann ist unklar, wieso man den Hebel ganz rechts braucht – der, wenn ich's recht bedenke, vor allem den Effekt hat, dass in dem ganzen Bahnhof nur eine einzige Fahrt zugleich möglich ist ...
  • Eins weiter links haben wir nun endlich einen richtigen Fahrstraßenhebel, für die Fahrten aus Österreich. Die Freigabe erfolgte an den Posten 1, der lt. dem Plan auf www.gleisplaene-schweiz.ch den Semaphor von Lustenau her stellte. Der Plan zeigt auch oberhalb dieses Fahrstraßenhebels eine Hebelsperre (denke ich) mit dem Wort "Achskont." Das könnte sich auf die wenigen isolierten Weichen an diesem Bahnhofskopf beziehen; wobei, eher doch wohl nicht: Denn wozu sollte man nur ud ausgerechnet bei der Freigabe der Fahrstraße die Belegung dieser Weichen prüfen?
  • (Auf dem gleisplaene-schweiz-Plan sieht man außerdem, dass für den Semaphor aus Lustenau dafür ein Jüdel-Doppelhebel mit einer vorderen Umlenkrolle verwendet wurde – das muss schon damals der letzte solche Hebel auf der ganzen Welt gewesen sein ... so nah war ich dran. Nun ja).
  • Zuletzt folgt der Signalhebel aus Rheineck. Was wie ein echter Formsignalhebel aussieht – mit einem richtigen Drahtzug in den Untergrund –, stellt in Wirklichkeit ein Lichtsignal samt seinem Vorsignal. Der Drahtzug muss also im Untergrund um eine Drahtbremse gewickelt sein, und das war's dann mit der Mechanik ...
Hier sind, zum Nachvollziehen, noch Bilder all der Schildchen auf diesen Hebeln, von rechts nach links wie beschrieben:

Hebel ganz rechts, Vorstandsapparat St.Margrethen, Frünjahr 1991

Beschriftung am Hebel ganz rechts, Vorstandsapparat St.Margrethen, Frünjahr 1991

Freigabe(?)hebel für Fahrten von Rheineck, Vorstandsapparat St.Margrethen, Frünjahr 1991

Freigabe(?)hebel für Fahrten von und nach Au, Vorstandsapparat St.Margrethen, Frünjahr 1991

Freigabehebel für Fahrten von Lustenau, Vorstandsapparat St.Margrethen, Frünjahr 1991

Signalhebel F1/2 für Fahrten von Rheineck, Vorstandsapparat St.Margrethen, Frünjahr 1991

Beschriftung am Signalhebel F1/2, Vorstandsapparat St.Margrethen, Frünjahr 1991

Und das war alles von diesem rätselhaften Apparat.