Dienstag, 6. September 2016

Schweiz 1988: Semaphore in Kiesen

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Ergänzung 25.3.2020: Es gibt ein wunderbares Youtube-Video, das den Betrieb der Anlage noch vor dem Rückbau 1988 zeigt, mit Glockensignalen und Blockfeldergeräuschen und ...

Wie erwähnt, bin ich von Kerzers dann nach Kiesen gefahren, weil ich auch dort einen Semaphor gesehen hatte. Auf der Fahrt dorthin habe ich noch diese drei Bilder aufgenommen, wo auch immer:

Zugschluss, Schweiz, 18.8.1988

Bedienung für Bremsprobe- und Abfahrsignale, Schweiz, 18.8.1988

Läutewerk, Schweiz, 18.8.1988

Kiesen hatte 1988 noch die volle Signalausstattung eines Bahnhofs mit je einem Ein- und Ausfahrsignal sowie Durchfahrsignalen, aber die Gleisanlagen waren schon ziemlich zurückgebaut, wie man auf der Gleistafel – hier bei einer Durchfahrt Richtung Süden – sieht:

Gleistafel mit Signalanzeige, Kiesen, 18.8.1988

Hier ist der Gleisplan dieser kleinen Station noch einmal schematisch aufgezeichnet. Wie St.Blaise ist auch sie von einem vollen Bahnhof mit Ausweichgleis praktisch auf eine Blockstelle mit Abstellgleis zurückgebaut worden:


Die Hebelbank in Kiesen war noch vollbesetzt – natürlich waren aber die Weichenhebel der ausgebauten Weichen ausgebunden. Fünf Signalhebel gab es auf dieser Anlage, der Reihe nach für
  • den Semaphor A1/2 (samt seinem zugehörigen Lichtvorsignal A*),
  • das Durchfahrsignal Ad zum Ausfahrsignal C1/2,
  • den Semaphor B1/2 (samt seinem zugehörigen Lichtvorsignal B* am Einfahrsignal D),
  • das Lichtsignal C1/2
  • und das Lichtsignal D1/2 (samt seinem zugehörigen Lichtvorsignal D*).

Hebelbank, Kiesen, 18.8.1988

Hier sieht man die ausgebundenen Gestängeweichenhebel, an den Handfallen waren schon dauerhaft Hilfssperren angebracht:

Ausgebundene Gestängeweichenhebel, Kiesen, 18.8.1988

Diese Integra-Hebelsperre gehörte zum danebenliegenden und hier nach unten umgelegten Hebel für das Lichtsignal C:

Signalhebel für den Semaphor B1/2 und Hebelsperre, Kiesen, 18.8.1988

Hier sieht man die drei umgelegten Signalhebel für die im ersten Bild gezeigte Durchfahrt:

Hebelbank bei einer Durchfahrt, Kiesen, 18.8.1988

Hebelbank bei einer Durchfahrt, Kiesen, 18.8.1988

Und hier sieht man die Fahrstraßenhebel – fünf von den sechs waren umgelegt. Von links nach rechts sieht man hier folgende Hebel:
  • Der erste Hebel für die Fahrstraße "aI von Wichtrach auf Geleise I" ist umgelegt.
  • Auch der zweite liegt für "bII nach Wichtrach von Geleise II" (die obere Stellung "bIII nach Wichtrach ab Gelese III" hätte eigentlich auch schon abgeklebt sein müssen).
  • Der dritte Hebel, der noch für die Fahrt aus dem Ladegleis "c4 nach Uttigen ab Geleise 4" vorhanden war, steht in der Grundstellung.
  • Umgelegt ist der vierte Hebel für "cI nach Uttigen ab Geleise I", seine andere Stellung ist "cIII nach Uttigen ab Geleise III".
  • Ebenfalls umgelegt ist der Hebel für "dII von Uttigen auf Geleise II", seine andere Stellung ist die Fahrt ins ehemalige Ausweichgleis "dIII von Uttigen auf Geleise III",
  • Und zuletzt gibt es auch hier, wie in St.Blaise, einen "Durchschaltehebel" zur Herausnahme des Bahnhofs aus dem Streckenblock, der hier nach oben in die Stellung "Stellwerk und Streckenblock in Betrieb" umgelegt ist:

Fahrstraßenhebel, Kiesen, 18.8.1988

Als Streckenblock war noch ein vierfeldriger Felderstreckenblock vorhanden – alle vier Felder sind hier weiß, d.h. weder die zu- noch die ablaufenden Streckengleise sind derzeit besetzt:

Streckenblock, Kiesen, 18.8.1988

Unterhalb der Blockfelder befanden sich diese vier Blocksperren:

Blocksperren, Kiesen, 18.8.1988

Die Weichen 15 und 16 waren schon mit elektrischen Antrieben versehen, die zugehörigen Weichenhebel hatten daher Bremsbänder über den Zahnrädern. Der Hebel ganz links für die Weichenverbindung 10/11 war allerdings noch über eine Gestängeleitung mit seinen Weichen verbunden:

Weichenhebel, Kiesen, 18.8.1988

Für die Weichen gab es ein paar Sicherungen für Stell- und Überwachungsstrom:

Weichen/Signalüberwachung und Sicherungen, Kiesen, 18.8.1988

Draußen standen, wie noch auf vielen Bahnhöfen in der Schweiz, diese elektromechanischen Läutewerke zur Vorankündigung von Zugfahrten:

Läutewerke, Kiesen, 18.8.1988

Hier sieht man den kleinen Vorbau mit den Stellwerksanlagen. Diese einfach verglasten Bauten müssen im Winter fürchterlich kalt gewesen sein:

Stellwerk, Kiesen, 18.8.1988

Vom Ankunftsgebäude aus habe ich mich dann noch zum Ausfahrsignal B1/2 begeben. Auf dem Weg dorthin bin ich am Spannwerk für das Einfahrsignal A1/2 vorbeigekommen:

Spannwerk, Kiesen, 18.8.1988

Kurz später habe einen Teil des Spannwerks für das Ausfahrsignal aufgenommen:

Spannwerk, Kiesen, 18.8.1988

Und hier kommt mir einmal ein Zug entgegen:

BLS Re 4/4 171, Ausfahrsignal B1/2, Kiesen, 18.8.1988

Zurückgekehrt, habe ich den Bahnhof noch abgebildet:

Bahnhof, Kiesen, 18.8.1988

Und vor der Abfahrt habe ich noch dieses Bild vom Umstellen eines Signalhebels erhascht:

Freistellen, Kiesen, 18.8.1988

Zuletzt ratterte noch ein Güterzug durch. Wenn man das Bild sehr vergrößert, sieht man, dass auf der Hebelbank gerade alle fünf Signalhebel nach unten umgelegt waren – auf dieser Strecke war damals schon einiges los:

SBB Ae 6/6 11502, Kiesen, 18.8.1988

Sonntag, 4. September 2016

Schweiz 1988: Stellwerk Kerzers

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Das Stellwerk von Kerzers wird ja museal erhalten, die folgenden Anlagen kann man also heute noch besichtigen. Ich habe sie allerdings damals aufgenommen, als sie noch im echten Betrieb diesen Kreuzungsbahnhof zwischen BLS und SBB sicherten.

Von Kerzers gehen Strecken in folgende Richtungen aus:
  • nach Fräschels die SBB-Strecke Richtung Lyss,
  • nach Müntschemier die BLS-Strecke nach Neuchâtel,
  • in der anderen Richtung nach Ferenbalm und Gummenen die BLS-Strecke nach Bern
  • und nach Galmiz die SBB-Strecke Richtung Murten und Payerne.
Hier ist ein Gleisplan, der die Gleise für Zugfahrten und die Hauptsignale zeigt (Klick öffnet ein lesbares PDF):


Unter den Fahrstraßen finden sich neben den üblichen Ein- und Ausfahrten auch eine Ausfahrt dem Ladegleis 14 sowie die Möglichkeit, vom SBB-Gleis 1 auf die BLS-Strecke nach Ferenbalm und von dort her einzufahren:
  • Von Müntschemier auf 6,5,4
  • Nach Müntschemier ab 6,5,4
  • Von Fraeschels auf 3,2,1
  • Nach Fraeschels ab 3,2,1
  • Nach Fraeschels ab 14
  • Nach Galmiz ab 3,2,1
  • Von Galmiz auf 3,2,1
  • Nach Ferenbalm ab 1
  • Nach Ferenbalm ab 6,5,4
  • Von Ferenbalm auf 1
  • Von Ferenbalm auf 6,5,4
Die Anlage war nach meinem Wissen die letzte in der Schweiz, bei der ein Befehlswerk mechanisch mit einem abhängigen Stellwerk verbunden war. Die ersten Bilder zeigen das Befehlswerk mit den Freigabekurbeln für die Fahrstraßen. Aus dem Gleis 3 ist eine Fahrstraße Richtung Galmiz freigegeben sind, wie man am schrägen Pfeil etwa in der Mitte sieht. Durch die mechanische Gleisbelegungsanzeige ist überdies im Rechteck unter "Gleis III" eine rote Blende sichtbar:

Befehlswerk, Fahrdienstleitung, Kerzers, 18.8.1988

Hier sieht man noch einmal die freigegebene Fahrstraße aus dem Gleis 3 Richtung Galmiz:

Befehlswerk, Fdl, Kerzers, 18.8.1988

Befehlswerk, Fdl, Kerzers, 18.8.1988

Etwas "künstlerisch" habe ich hier alle Kurbeln aufgenommen:

Befehlswerk, Fdl, Kerzers, 18.8.1988

Die Gleistafel zur Anzeige von Signalstellungen ist eine spätere Zutat zur originalen Schnabel&Henning-Anlage:

Gleistafel mit Signalanzeige, Fdl, Kerzers, 18.8.1988

Detail der Gleistafel und Signalanzeigen, Kerzers, 18.8.1988

Am Stellwerk gab's Verschönerungsarbeiten – wird hier eine neue Lampe montiert, gemalert, sonstwas?

Stellwerk, Kerzers, 18.8.1988

Hier sind man die Stellwerksanlage im Überblick – links und rechts die Fahrstraßenfreigabewerke, dazwischen die Hebelbank mit den Weichen- und Signalhebeln. Ganz links und rechts befinden sich später angebaute Pulte für den Streckenblock:

Hebelbank, Kerzers, 18.8.1988

Das originale Fabriksschild von Bruchsal zeigt keine Jahreszahl – laut der Webseite des Vereins zur Erhaltung stammt die Anlage von 1896:

Fabriksschild, Kerzers, 18.8.1988

Für die Signale sind noch Hebel vorhanden, die allerdings nur mehr durch Bremsbänder umschlungen sind und die Lichtsignale über Kontakte schalten:

Hebelbank, Kerzers, 18.8.1988

Am rechten Fahrstraßenwerk sieht man die verdrehte Fahrstraßenwalze ganz links für eine Ausfahrt nach Fräschels aus Gleis 1.

Fahrstraßenhebel, Kerzers, 18.8.1988

Auch einige Weichen werden offensichtlich schon elektrisch angetrieben, weil die äußersten Hebel auch Bremsbänder haben. Der blaue Hebel ganz links ist (denke ich ...) für das Rangiersignal R, das die Kreuzung schützt:

Weichenhebel und Verschlussregister, Kerzers, 18.8.1988

Hier sieht man die Hebelbank von der anderen Seite:

Hebelbank, Kerzers, 18.8.1988

Hier sieht man hinter den Fahrstraßenhebeln die Drahtzüge zum Befehlswerk:

Fahrstraßenhebel, Kerzers, 18.8.1988

Hier ist ein Bild der Streckenblockbedienung für die Strecken nach Süden:

Blockkasten Richtung Galmiz und Gümmenen, Kerzers, 18.8.1988

Ganz vorne ist wieder der blaue Hebel des Rangiersignals zu sehen:

Hebel und Verschlussregister, Kerzers, 18.8.1988

Zuletzt sieht man hier ein Kästchen für Überwachungen von Bahnschranken rund um Kerzers:

Barrierenüberwachung, Kerzers, 18.8.1988

Im Ankunftsgebäude ist rechts die Fahrdienstleitung mit dem großen Befehlswerk zu sehen:

Bahnhof, Kerzers, 18.8.1988

Draußen habe ich einige Bilder von Weichen und Signalen aufgenommen:

Außenbogenweiche 7, Kerzers, 18.8.1988

Die Kreuzung der zwei Streckengleise:

Kreuzung, Kerzers, 18.8.1988

Rangiersignal R, Kerzers, 18.8.1988

Rangiersignal R, Kerzers, 18.8.1988

Ausfahrsignal D und Rangiersignal R, Kerzers, 18.8.1988

DKW 5, Kerzers, 18.8.1988

Doppeldrahtzüge, Kerzers, 18.8.1988

Weichenantrieb, Kerzers, 18.8.1988

Läutewerke, Kerzers, 18.8.1988

Und ganz zum Schluss noch ein Bild der fleißigen zwei Handwerker:

Stellwerk, Kerzers, 18.8.1988