Sonntag, 1. April 2012

St.Georgen an der Gusen, Steyregg, 1983

Am 7.4.1983 habe ich einen Abstecher auf die Summerauer Bahn gemacht. Zuerst habe ich St. Georgen an der Gusen besucht, wo ich den 3836 mit einer grünen 1042 als Zuglok und einer 1141 als Nachschiebelok noch bei der Ausfahrt erwischt habe:

1042.16 + 1141.05 Nachschiebe mit 3836, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

In der Fahrdienstleitung stand ein üblicher Rankapparat, allerdings gab es hier trotz eingleisiger Strecke getrennte Fahrstraßenauflösefelder für Ein- und Ausfahrt jeder Richtung. Im folgenden Bild sehen wir eine Durchfahrt von Summerau nach Linz gestellt:

Befehlswerk, Fdl, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Auf dem Signalanzeigepult sieht man, dass das Einfahrsignal Z und eines der Ausfahrsignale H auf frei stehen, und dass aus Richtung Summerau der Block belegt ist (und dass St. Georgen einen "Achssprung" hatte, d.h. es gab kein durchgehendes Hauptgleis):

Signalpult, Fdl, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Am Stellwerk 2 habe ich auch noch drei Fotos aufgenommen. Auch am dortigen Blockapparat gibt es, entsprechend zur Fahrdienstleitung, getrennte Fahrstraßenfestlegefelder für Ein- und Ausfahrt:

Blockapparat, Stw.2, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Die Hebelbank enthält noch Weichen- und Riegelhebel:

Blockapparat und Hebelbank, Stw.2, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Das Stellpult enthält Tasten für die Signalfreistellung, zum Rückblocken sowie die ErsHaT, die Ersatzsignal-Halt-Tasten:

Signalpult, Stw.2, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

In Steyregg stand (noch bis vor kurzem) ein Mittelstellwerk, das eine in Österreich einmalige Fahrstraßenfestlegung mit "Sperrmagneten" verwendete. Das Stellwerk wurde zwei Jahre nach meinem hier dokumentierten Besuch, also 1985, auf elektrische Weichen umgebaut und mit einem neuen Stellpult von der Bauart VGS 80 versehen. Die spezielle Fahrstraßenfestlegung blieb allerdings erhalten und führte im Jahr 2007 aufgrund von Abnutzungen zu einem Beinahezusammenstoß.

Hier sehen wir noch die alte Anlage mit mechanischen Weichen und Eigenbau-Stellpult der ÖBB. Es ist interessant, sie mit den Bildern in dem Untersuchungsbericht des Beinahe-Unfalls zu vergleichen – insbesondere ist dort die Batterie von Pokalen nicht mehr vorhanden!

Hebelbank mit Sperrmagnet-Aufsatz, Fdl, Steyregg, 7.4.1983

Das Stellpult war ein relativ typisches Eigenbau-Stellpult der ÖBB, mit zusätzlichen Anzeigen für die Gleisfreimeldung:

Signalpult, Fdl, Steyregg, 7.4.1983

Im folgenden Bild sieht man eine freigestellte Einfahrt von Linz. Zwei Bilder vorher sieht man, dass die Weiche 1 in die Ablenkung gestellt und verriegelt ist – die Einfahrt findet also auf den Hausbahnsteig auf Gleis 3 statt, während das mittlere Gleis 1 von einem anderen Zug belegt ist:

Signalpult, Fdl, Steyregg, 7.4.1983

Hier sieht man – leider etwas unscharf – den Güterzug, der auf Gleis 1 einfährt:

Steyregg, 1042.568 mit 44071, 7.4.1983

Und hier fährt der kreuzende Personenzug auf Gleis 3 ein – der Güterzug steht dahinter:

1041.12 mit Personenzug, Steyregg, 7.4.1983

Zuletzt noch eine Aufnahme von einem Drahtrollenständer, vermutlich auch in Steyregg entstanden:

Steyregg, 7.4.1983

Kommentare:

  1. St. Georgen/Gusen und alle Bahnhöfe mit Stellwerken der Bauart 5007 bzw. Rankapparat:

    Die für eine eingleisige Strecke unübliche Anordnung von getrennten Knebeln für die Ein- und Ausfahrt sowie getrennten Fa- bzw. Ff-Feldern beruht darauf, daß die Strecke Linz - Budweis zweigleisig geplant, aber zunächst nur eingleisig gebaut wurde. Dabei blieb es letztlich auch, obwohl man auf einigen Abschnitten zwischen Budweis und Gaisbach-Wartberg schon den Unterbau für das zweite Gleis vorbereitet hatte.
    St. Georgen/Gusen hat übrigens den Achssprung immer noch.

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  2. Das mit der zweigleisigen Planung habe ich mir auch so gedacht - ich nehme an, in der Reichsbahnzeit wegen der Anbindung der Stahlwerke in Linz ... Eine analoge Situation gab es damals übrigens auch in Bludenz.

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  3. Der zweigleisige Ausbau wurde schon in der Monarchie geplant. Gegen Umbauten in der Reichsbahnzeit spricht auch, daß man dann wohl auch die eine oder andere "Einheit", entsprechende Stellwerksbauten oder einzelne deutsche Formsignale auf der Summerauer Strecke finden würde. Das ist aber nicht der Fall.

    Bis zur Elektrifizierung 1976 hatten die Bahnhöfe von St. Georgen/Gusen bis Summerau österreichische Endstellwerke und Formsignale, vielfach mit deutschen Flügeln. In den Bahnhöfen standen meist nur Gruppenausfahrsignale, zum Teil einflügelig. Nur Steyregg hatte ab 1968 ein Mittelstellwerk mit Lichtsignalen.

    Auch der Streckenblock wurde (abgesehen von Abzw. Gleisdreieck - Steyregg) erst spät eingeführt. Ende 1977 gingen als letzte Abschnitte Steyregg - St. Georgen/G. und St. Georgen/G. - Lungitz in Betrieb.

    Mag sein, daß es in der Reichsbahnzeit Ausbaupläne gegeben hat, umgesetzt wurden sie jedenfalls - so wie im Ennstal und auf anderen Strecken - nicht.

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  4. Betreff Zweigleisiger Ausbau: Oberste Priorität für die DR hatte der Ausbau der Strecke Passau-Haiding-(Wels) sowie der (Aus)-Bau des Vbf Wels der in Rekordzeit geschah. In weiterer Folge sollte der Achsdruck auf 20 Tonnen erhöht werden um die Erz-+ Kohlezüge mit Rh 44 bzw. 44 ÜK zu bespannen.
    Christian D.

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