Mittwoch, 13. Juni 2012

Ziersdorf und Groß Weikersdorf kurz vor der Elektrifizierung, 1983

English version of text about Ziersdorf

Im Dezember 1983 war ich auf der Franz-Josefsbahn unterwegs.

In Ziersdorf sieht man schon die Zeichen der kommenden Elektrifizierung und anderer Umbauten. Vor dem Gebäude stehen aber noch in uralter Tradition ein gelber Handwagen (Post?) und eine Gepäck-Schubkarre:

Bahnhof Ziersdorf, 10.12.1983

Die Stellwerke waren gute alte 5007er, allerdings schon mit einem ZG-Block auf der ganzen Strecke.

Hier sieht man endlich einmal auch etwas "Action". Es schaut eher stressig aus, wie der Herr Fahrdienstleiter da zugleich telefoniert und schwungvoll – die rechte Hand dreht sich wie ein Wirbelwind – den Befehl abgibt, während der ZG oben schon den Zug von Gmünd anzeigt:

Blockapparat, Fdl Ziersdorf, 10.12.1983

Am nächsten Bild ist die Durchfahrt gestellt – knapp sieht man noch das nun weiße Be-Feld. Oberhalb des Befehlswerks ist der Gleisplan aufgehängt, dem man noch ansieht, dass die Strecke einmal zweigleisig war: Das Einfahrsignal Z steht neben dem auslackierten zweiten Streckengleis, beide Einfahrsignale sind links gezeichent (stehen aber draußen natürlich rechts vom Gleis), für Gleis 1 und 2 hat man vergessen, die jeweiligen Ausfahrsignale hinzuzeichnen (die schon aufgestellt waren – eine gerade Durchfahrt auf Gleis 1 war natürlich möglich), das Gleis 3 gab's schon gar nicht mehr (siehe die Beschriftung bei den Knaggen im vorherigen Bild!), von fehlenden Rechtecken für Isolierschienen usw. gar nicht zu reden:

Blockaufsatz und Gleisplan, Fdl Ziersdorf, 10.12.1983

Stellwerk 2 war ein niedriges, einstöckiges Gebäude:

Stellwerk 2, Ziersdorf, 10.12.1983

Drinnen stand ein eher kleiner 5007er, als einzige "Zutaten" oben der ZG und daneben ein relativ neuer Summer für den Bahnschranken. Die eine im Bild sichtbare Knagge ist für die Nachtsperre des Bahnhofs:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.2 Ziersdorf, 10.12.1983

Damals schon selten war eine Pendeluhr am Stellwerk – man fragt sich, wohin diese doch sehr zuverlässigen Regulatoren heute alle verschwunden sind:

Pendeluhr, Stw.2, Ziersdorf, 10.12.1983

Bei einem "Hektometerstein" in der Nähe habe ich diesen typischen Drahtrollenträger fotografiert:

Rollenträger beim Stw.2, Ziersdorf, 10.12.1983

Eine Viertelstunde später (wie man am Regulator im Hintergrund sieht) war ich noch am Stellwerk 1:

Blockapparat, Stw.1 Ziersdorf, 10.12.1983

Hier sieht man den ganzen Stellwerksapparat, glänzend lackiert:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.1 Ziersdorf, 10.12.1983

Und hier noch einige Signale beim Stellwerk 2 (siehe dazu auch den Kommentar zu diesem Posting):

Ausfahrsignale R, Ziersdorf, 10.12.1983

Weitere Fotos vom selben Tag aus Ziersdorf habe ich nun in diesem Posting veröffentlicht, neben Bildern aus Limberg-Maissau und Eggenburg. Die neuen Bilder sind bei den jüngsten Scans aufgetaucht.

Am selben Tag war ich auch noch in Groß Weikersdorf, wo die Endstellwerke schon außer Betrieb waren. Auch hier war der Umbau für die Elektrifizierung voll im Gange:

Alte und neue Signale, Groß Weikersdorf, 10.12.1983

In der Fahrdienstleitung stand ein Mittelstellwerk vom Typ "212" – allerdings hätte hier ein VGS 80 stehen sollen. Nur hatte anscheinend AEG Lieferschwierigkeiten, sodass dieses Stellwerk von der ÖBB errichtet wurde (und dem Vernehmen nach im Frühling 1984 dann durch das VGS 80 ersetzt werden sollte – ich habe allerdings nie nachgeschaut, ob das tatsächlich passiert ist). Das Foto der Anlage habe ich anscheinend durch eine Glasscheibe geschossen:

Stellwerk, Fdl Groß Weikersdorf, 10.12.1983

Das folgende Detail zeigt oben die Fahrstraßenknaggen, darunter Knaggen für Weichen (rechts) und Verschubsignale (links). Die Weichenknaggen werden beim 212er um 90 Grad umgelegt, dazu sind die Rastscheiben um 45 Grad verdreht montiert:

Knaggen, Fdl Groß Weikersdorf, 10.12.1983

Am Schreibtisch des Fahrdienstleiters stand ein für 212er typisches ÖBB-Stellpult. Bei dieser Bauart wird einem erst bewusst, wie viele Anzeigelampen selbst für einen so kleinen Bahnhof (drei Gleise, zwei Ladegleise, zwei EKs) nötig sind und verkabelt werden müssen: Grob gezählt komme ich hier auf 170 Lampen, 40 Tasten und 10 Zählwerke, also vermutlich um die 250 Adern, die man verlegen und verlöten musste. Wie billig ist dagegen das Anzeigen so vieler Symbole auf einem Bildschirm in heutigen Zeiten ...:

Stellpult, Fdl Groß Weikersdorf, 10.12.1983

Die folgende Aufnahme habe ich damals in Absdorf-Hippersdorf gemacht – leider habe ich es letztes Jahr (2011) trotz Vorwarnung nicht mehr geschafft, die 5007er-Anlage dort noch zu fotografieren:

Riegelhebel vor der Fahrdienstleitung für eine Mittelweiche, Absdorf-Hippersdorf, 10.12.1983

(ropix hat im eisenbahnforum stark bezweifelt, dass es die Weiche 30 sei. Ich beuge mich dem Zweifel, weiß nun aber nicht, welche Weiche hier verriegelt wurde.
Ergänzung: Ein späteres Foto – das ich aber noch nicht gescannt habe – zeigt links die Beschriftung R32/34).

Kommentare:

  1. Das letzte Foto zeigt die Ausfahrsignale in Ziersdorf Richtung Gmünd und nicht Absdorf-Hippersdorf. Das Foto mit dem Riegelhebel ist aber aus Absdorf-Hippersdorf.

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    1. Hallo "anonym" -

      hier war ich mir schon unsicher. Ich dachte allerdings, dass die Ziegel im Hintergrund zur Firma Schauerhuber gehören - war die nicht in Absdorf? Allerdings ist die Lage der Weiche 51 zu den 2 zweiflügeligen Signalen wirklich viel passender für den Gleisplan von Ziersdorf ... ich hab's geändert!
      Danke für Korrekturhinweis!

      Harald M.

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  2. Das BA 212 in Groß Weikersdorf wurde bis heute noch nicht durch ein VGS ersetzt (und wird es ziemlich sicher auch nicht mehr werden)

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