Dienstag, 27. Oktober 2020

Oberwart, September 2020

Letzten Monat habe ich in Oberwart vorbeigeschaut, weil ich doch noch einmal ein 5007er-Stellwerk sehen wollte, bevor sie oder ich das Zeitliche segnen. Als ich ankam, machte sich grad der mittägliche Güterzug auf die Reise:

2016.902 der Steiermarkbahn, Oberwart, September 2020

Hier ist ein erstes Bild der Hebelbank – alle Hebel sind noch so wie 1986, als ich zum ersten Mal dort war:

Sicherungsanlage, Oberwart, September 2020

Hier ist ein Bild des Gleisplans auf dem Blockaufsatz zur Orientierung; die Pluszeichen sind die Riegelschlösser an den Weichen und Sperrschuhen, die doppelten Pfeile zeigen die Fahrmöglichkeiten auf den Hauptgleisen. Die Darstellung der Signale hat sich der Zeichner vollständig erspart:

Gleisplan, Oberwart, September 2020

Hier sieht man von der anderen Seite, wie die Anlage in der Fahrdienstleitung steht:

Sicherungsanlage, Oberwart, September 2020

Ganz rechts ist der Hebel für das Einfahrsignal Z aus Richtung Rechnitz, das auch schon 1986 kein Vorsignal hatte, und daneben den beiden fernbedienbaren Weichen, die für Verschubzwecke mit den großen Madnerhebeln auch freigegeben werden können:

Sicherungsanlage, Oberwart, September 2020

Für die Weichen 51 und 53 in Nebengleise gibt es Hebelersatzschlösser, wie auch für die Weiche 6 am anderen Ende von Gleis 7 und die Sperrschuhe ins Gleis 2 und 4a:

Sicherungsanlage, Oberwart, September 2020

Auf der linken Seite gibt es den Doppelsteller für das Einfahrsignal A von Friedberg und daneben einen Hebel für das zugehörige Vorsignal a; und daneben einen Einfachhebel für das einflügelige Einfahrsignal B und dann noch für das Vorsignal b – das letztere gibt es aber gar nicht mehr, und am Hebel fehlt auch die Kette:

Sicherungsanlage, Oberwart, September 2020

Den Doppelhebel für das Signal A habe ich noch aus der Nähe aufgenommen; rechts daneben kann man grade noch den ketten- und funktionslosen Vorsignalhebel erkennen:

Einfahrsignalhebel A, Oberwart, September 2020

Auf den Blockfeldern allerdings erkennt man, dass der Bahnhof gar kein Abzweigbahnhof mehr ist: Die Strecke nach Oberschützen ist eine Anschlussbahn – den zugehörigen Sperrschuh zeige ich (mehr oder weniger) im nächsten Posting; und die Strecke Richtung Rechnitz endet ein Stück weiter in Rotenturm, wo die Holzwagen i.d.R. beladen werden:

Blockfelder, Oberwart, September 2020

Die Blockfelder sind Wechselstrom-Gleichstrom-Felder, und wie auf vielen kleinen Bahnhöfen in Österreich gibt es keine Gleisisolierung zur Auslösung, sondern an der Außenwand des Bahnhofs Schlüsselschalter:

Schlüsselschalter für Fahrstraßenauflösung, Oberwart, September 2020

1986 sahen sie so übrigens aus:

Schlüsselschalter für Fahrstraßenauflösung, Oberwart, 27.9.1986

Hier ist noch einmal der Blockaufsatz mit dem handgezeichneten Plan der Gleise und Weichen und davor einer Handvoll Hilfssperren:

Blockaufsatz, Oberwart, September 2020

Die folgenden Bilder zeigen die Fahrstraßenknebel und die Beschriftungen dahinter:

Sicherungsanlage, Fahrstraßenknebel, Oberwart, September 2020


Sicherungsanlage, Fahrstraßenknebel, Oberwart, September 2020


Sicherungsanlage, Fahrstraßenknebel, Oberwart, September 2020


Sicherungsanlage, Fahrstraßenknebel, Oberwart, September 2020

Seitlich am Schieberkasten ist das übliche Schloss für die Bahnhofssperre montiert:

Sicherungsanlage – Bahnhofssperre, Oberwart, September 2020

Auf der vordersten Unterstützung des Schieberkastens ist das Firmensymbol der Südbahnwerke zu sehen, das diese Teile nach den staatlichen Regelzeichnungen gegossen hat:

Sicherungsanlage, Oberwart, September 2020

Hier sind noch zwei etwas chaotische Bilder von der Rückseite des Apparats:

Sicherungsanlagenrückseite, Oberwart, September 2020


Sicherungsanlagenrückseite, Oberwart, September 2020

Diese Überwachung für die zwei Schranken Richtung Rechnitz ist neben der Eingangstür an der Wand montiert – sie wird aber nicht mehr lange gebraucht: Siehe die Bilder im nächsten Posting:

Schrankenüberwachung, Oberwart, September 2020

Nach diesen Innenaufnahmen hab ich mich auf den Weg zu den Signalen gemacht:

Strecke Richtung Rechnitz, Oberwart, September 2020

Hier sieht man schon das Signal:

Einfahrsignal Z und Drahtnachziehhebel, Oberwart, September 2020

Und hier ist es von vorne ...
Einfahrsignal Z, Oberwart, September 2020

... der Geschwindigkeitsanzeiger ist nur mit gutem Willen zu entziffern. Andererseits weiß jeder der hier Fahrenden, was gemeint ist:

Geschwindigkeitsanzeiger, Oberwart, September 2020

Die folgenden Bilder zeigen ein paar Details des Signals:

Sicherheitshebel, Einfahrsignal Z, Oberwart, September 2020


Einfahrsignal Z, Oberwart, September 2020


Drahtzugrollen, Einfahrsignal Z, Oberwart, September 2020

Knapp hinter dem Signal ist der Kilometer 42, der Antwort auf alle Fragen gibt:

Kilometerstein und Hektometertafel, Oberwart, September 2020

Am Weg zurück habe ich bei der EK am Bahnhof den Drahtzug zum Signal aufgenommen, gut versteckt im grünen Gras:

Straßenunterführung für Drahtzug, Oberwart, September 2020

Und hier ist die Einfahrt von der Rechnitzer Seite:

Weichen 51 bis 54, Oberwart, September 2020

Die folgenden Bilder zeigen die Weichen aus diversen Blickwinkeln:

Weiche 54, Oberwart, September 2020


Weiche 54, Oberwart, September 2020

Als einzige Weiche hat sie hölzerne Mittelschwellen:

Weiche 54, Oberwart, September 2020

Die folgenden Weichen sind etwas komisch nummeriert und angeordnet: Zum einen ist die Weiche 52 weiter draußen als die Weiche 53. Außerdem aber ist der Stellbock samt Weichensignal der Weiche 52 nicht direkt neben der Weiche, sondern "ein Gleis weiter" montiert; und das, obwohl neben dem Weichenantrieb genügend Platz ist:

Weiche 53, 52, 51 (v.l.), Oberwart, September 2020

(Ja, man kann den Stellbock auch auf derselben Seite wie den Weichenantrieb anordnen – siehe z.B. dieses alte Bild aus Aspang):

Weiche 2, Ausfahrsignal H2-5, Aspang, 25.9.1986

In "geographischer Reihenfolge" folgt nun also die ferngestellte Weiche 52:

Weiche 52, Oberwart, September 2020

Weiche 52, Oberwart, September 2020

Ein kurzes Stück weiter führt die Weiche 53 ins Ladegleis 2:

Weiche 53, Oberwart, September 2020

Und zuletzt geht die schlüsselgesperrte Weiche 51 ins Abstellgleis 7:

Weiche 51, Oberwart, September 2020

Hier sind die Weichen noch einmal aus der Gegenrichtung zu sehen:

Weichen 51, 52 und 54, Oberwart, September 2020

Genau gegenüber dem Bahnhofsgebäude stützt eine nicht sehr lange Mauer den Hang ab. Die Drahtrollenständer für die Drahtzüge zum nördlichen Bahnhofskopf sind an dieser Mauer befestigt. Auf dem folgenden Bild sieht man hinter der Abdeckung der Umlenkrollen den schon tief eingesunkenen Kilometerstein 0 für die Strecke nach Oberschützen:

Drahtrollen bei km 42,9, Oberwart, September 2020

1986 schaute der Anfangsstein noch ein wenig weiter heraus:

Kilometerstein 0, Oberwart, 27.9.1986

Hier sind ein paar weitere dieser Ständer zu sehen:

Drahtrollen bei km 42,9, Oberwart, September 2020

Drahtzugleitungen bei km 42,9, Oberwart, September 2020

Drahtrollen bei km 42,9, Oberwart, September 2020


Drahtrollen bei km 42,9, Oberwart, September 2020

Kurz drauf verlaufen die Drahtzüge schon im Grünen:

Drahtzugrollen, Oberwart, September 2020

Und an dieser Stelle mache ich einmal Schluss – weitere Bilder kommen in einem nächsten Posting.

Kommentare:

  1. Man könnte auch noch erwähnen, dass in Oberwart grundsätzlich nur ein einziger Fahrdienstleiter seinen Dienst versieht. Ganz wenige Schichten werden durch einen anderen Fahrdienstleiter versehen um bei Verhinderung des "einzigen" Kollegen den Betrieb trotzdem aufrecht erhalten zu können

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  2. Hallo Herr Müller,
    danke für diese detailierte Beschreibung von Oberwart.
    Frage zur Bedienung der beiden Sperrschuhe. An der Hebelbank ist nur 1? Hebelersatzschloss für die beiden Sperrschuhe im Gleis 2 und 4a erkennbar. Mit 1 Sperrschuh ist mir der Ablauf klar: Mit dem Schlüssel aus der Hebelbank den Sperrschuh aufsperren und ablegen, dann mit dem freigegebenen Weichenschlüssel aus dem Sperrschuh die Weiche aufsperren und umstellen. Kann man in Oberwart die Sperrschuhe nur einzeln aufsperren und muß dann bei einem Gleiswechsel von Gl.2 auf Gl.4a oder umgekehrt den einen Sperrschuh wieder zusperren bevor der andere aufgesperrt werden darf? Oder können beide Sperschuhe aufgesperrt werden um einen uneingeschränkten Verschub zwischen Gl.1, Gl.2 u. Gl.4a zu ermöglichen?
    Viele Grüße
    Horst .

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    1. Sehr gute Frage - ich hab in der (älteren) Weichentabelle einmal nachgeschaut, und das ist tatsächlich eine "Dreifachabhängigkeit". Im 2. Teil habe ich nun eine entsprechende Erklärung ergänzt!

      H.M.

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