Donnerstag, 9. Juli 2026

Unfälle, bewirkt über Sicherungsanlagen - wenn der Blitz einschlägt

Ein in der Anfangszeit des elektrischen Telegraphen wohl nicht seltenes Ereignis beschreibt die Augsburger Abendzeitung kurz und bündig:

München, 18. Juli [1846].
Bei dem gestrigen Gewitter wurden die drei dem hiesigem Bahnhofe zunächst befindlichen Bahnwärter vom Blitz beschädigt, der sich an dem Draht, mit welchem die Zeichen gegeben werden, fortleitete.
(Quelle: Walter aus Bayern im Historischen Forum von Drehscheibe online)
Wir befinden uns in den frühesten Entwicklungsphasen des elektrischen Telegraphen; Gauß und Weber und dann Steinheil hatten seit den frühen 1830ern, also etwas mehr als zehn Jahre vor dem Unfall, erst die nötigen theoretischen Grundlagen und praktischen Erfindungen gemacht: Die Telegraphentechnik wurde also relativ schnell in die Praxis übernommen, weil – vor allem durch die Eisenbahnen – ein großer Bedarf nach sicherer Kommunikation bestand. 1846, also – erst – im Jahr des angeführten Unfalls, hat Steinheil sich mit dem Problem der Blitzableitung befasst und eine Art von Kondensator angegeben, wo die Blitzspannung von über die Platten zu einer Erdleitung überschlagen kann; das teilt zumindest E.Schubert in seinem Buch "Die Sicherungswerke im Eisenbahnbetriebe" aus dem Jahr 1888 auf S.36 mit. Vermutlich hatte die im Zeitungsbericht erwähnte Telegraphenanlage noch keine solchen Ableitungen eingebaut, zum Schaden der armen drei Bahnwärter.

Ganz haben wir dieses Problem offenbar aber noch immer nicht gelöst – Einschläge in Sicherungsanlagen können auch in modernen Zeiten unangenehm sein. Ein solches Ereignis habe ich 1986 selbst miterlebt. Ausgerechnet dieses Stellwerk in Süßenbrunn wurde dann im Jahr 2009 vollständig durch einen Brand im Relaisraum vernichtet, den ein Blitzschlag ausgelöst hatte. Monatelang musste der Betrieb mit händischen Sperren und Hilfsstellwerken abgewickelt werden, bis dann gegen Jahresende ein neues ESTW in Betrieb ging.

7 Kommentare:

  1. Ich glaube da ist in der Verlinkung versehentlich der Beitrag von Straßhof hineingerutscht

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    1. Das war natürlich nur als Test gedacht, ob überhaupt jemand das liest ... ;-) - nein, natürlich übersehen, danke! - gleich korrigiert.

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  2. Marcus Reitermayr18. Juli 2026 um 08:41

    Naja, im Falle Süßenbrunn war das Problem an sich gelöst, der Kupferpreis aber leider recht hoch - die Erdungskabel waren perdu und der Blitz suchte sich einen anderen Weg...

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    1. Stimmt - diese Kupferdiebstahls(ur)sache ist mir tatsächlich entfallen. Kann man die Verwendung von zugänglichen Kupferkabeln mittlerweile als Entwurfsfehler einer Stellwerksanlage sehen? - hm ...

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  3. Spannend ist dagegen die Störung am vergangenen Wochenende (17.-19.07.2026): ein Zug hat auf der Neubaustrecke im Bereich Enns-Asten die Oberleitung abgeräumt, im Nachgang fand die Hochspannung einen Weg ins ESTW, was letztlich zur Aufgabe desselben geführt hat.
    (Anmerkung: Erdungskabel sind mittlerweile nicht mehr aus Kupfer und damit auch nicht mehr so begehrt)

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    1. Der Weg "Hochspannung ins ESTW" interessiert mich - man betreibt ja schon einiges an Aufwand, damit das nicht passiert. Vielleicht kann man Details dazu dann und wann mal in einem SUB-Bericht nachlesen.

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  4. Marcus Reitermayr7. Oktober 2026 um 11:24

    Zwei Fälle, in denen die Sicherungsanlage indirekt betroffen war, also nicht das Stellwerk an sich abgefackelt wurde:
    -) Ende August wurde zu Testzwecken die Oberleitung im Bereich Praterstern eingeschaltet (Floridsdorf - Praterstern war zu diesem Zeitpunkt baustellenbedingt gesperrt). In einem Kabelschacht fing daraufhin ein Fahrleitungskabel zu brennen an
    -) am 03.10.2026 hat mutmaßlich ein Eichkätzchen im Bf. Götzendorf einen Kurzen gezogen, daufhin Erdschluss und Brand in einem Kabelkanal

    In beiden Fällen brannten auch in der Nähe liegende Kabel des Sicherungsdienst (Stand der Technik?), zum Glück nicht die Stellwerke selbst. Bei der Schnellbahn wurde die Totalsperre quasi vorgezogen und mit der ohnehin monströsen Sommersperre kombiniert, im Falle Götzendorf gab es einige Tage eingeschränkten Betrieb (Eichkätzchen tot).

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