Mittwoch, 8. August 2012

Eine außergewöhnliche Behelfsanlage: Wampersdorf, 1984

Am Ende dieser einen Woche, in der ich im Akkord niederösterreichische Bahnhöfe besucht habe, bin ich nach Wampersdorf gefahren.

Schon der Gleisplan dieses Bahnhofes ist sehr speziell: Der Bahnhof besteht eigentlich aus drei getrennten Bahnhofsteilen zu je zwei Gleisen. Die Gleise 2, 1 und 3 hatten Schüttbahnsteige mit befestigten Kanten, während 101 und 103 die Reste von später errichteten langen Ausweichgleisen waren – Reste deswegen, weil sie 1984 schon gekürzt waren. Interessant ist insbesondere das Gleis 3, das nur auf der Gramatneusiedler Seite durch ein Hauptsignal abgeschlossen war. Es diente in der Regel als Wendegleis für den Pendeltriebwagen zwischen Gramatneusiedl und Wampersdorf und war deshalb auch extrem kurz:

Gleisplan Wampersdorf, 29.7.1984

Bei der Aufnahme des folgenden Bildes stand ich mit dem Rücken zur Weiche 21, links sieht man die Gleise 2 und 1 mit dem Aufnahmegebäude, rechts die kurzen Gleise 3 und 5:
Wampersdorf, 29.7.1984

Der Bahnhof war 1984 schon im Umbau begriffen, weil die Strecke von Wiener Neustadt über Ebenfurth und Wampersdorf bis Gramatneusiedl als Zufahrtstrecke zum Klederinger Verschiebebahnhof zweigleisig ausgebaut wurde. Eigentlich wurde Wampersdorf dabei nicht so sehr umgebaut, als viel mehr südlich des bisherigen Bahnhofs neu gebaut. Das war auch der Grund für die neu errichteten südlichsten Weichen 57 und 58 und den "komischen" Gleissperrschuh Sp2 – das linke Gleis war damals noch Baugleis.

Die Sicherungsanlage des Bahnhofs war eine Behelfsanlage unter Verwendung von drei Trommelschlüsselwerken. Jedes dieser Trommelschlüsselwerke entsprach einem der drei Bahnhofsteile. Alle Signalbedienungen wurden direkt in der Fahrdienstleitung vorgenommen. Die "Stellwerke" waren daher nur Weichenposten, die die Weichen auf telefonischen ("fernmündlichen") Auftrag stellten und verschlossen und dies über Blockfelder an die Fahrdienstleitung meldeten. Nun konnte es hier prinzipiell zwei Möglichkeiten geben, wie die Weichenstellung an die Fahrdienstleitung gemeldet werden konnte:
  • Erste Möglichkeit: Schon im Weichenposten wurden "logisch" die Weichenstellungen zu Teilfahrstraßen zusammengefasst, und nur der Verschluss dieser Teilfahrstraße wird an die Fahrdienstleitung gemeldet. Diese Logik wurde beim WP3 verwendet (und wurde damals in Penzing von den WP3 und WP4 benützt; wird noch heuer, im Jahre 2012, in gleicher Weise auch in Statzendorf angewendet).
  • Zweite Möglichkeit: Jede einzelne Weichenstellung wird an die Fahrdienstleitung gemeldet, und erst dort findet eine Zusammenfassung zu Fahrstraßen statt. Dieses Verfahren wurde für die Weichenposten 1 und 2 angewandt, was folgenden, sehr unüblichen Blockapparat in der Fahrdienstleitung erklärt: Für die meisten Weiche gab es zwei Zustimmungsfelder, mit denen der Weichenposten die Stellung an die Fahrdienstleitung meldet. Für die Weiche 1 am WP1 waren das beispielsweise die Blockfelder Ze W1+ und Ze W1–. Für die Weiche 12, die nur in der Grundstellung Zugfahrstraßen zuließ, gab es natürlich nur das eine Zustimmungsfeld Ze W12+:

Blockapparat, Fdl., Wampersdorf, 29.7.1984

Die Weichenschlüssel, die durch die Zustimmungsfelder freigegeben wurden, konnten dann in das entsprechende Trommelschlüsselwerk gesteckt werden. Aus dem Schlüsselwerk konnte dann wie üblich ein Signalschlüssel entnommen werden, mit dem man wiederum über ein Schlüsselschalterwerk das jeweilige Signal freistellen konnte. Die Schalterwerke waren oberhalb der Trommelschlüsselwerke montiert.

Hier sieht man Trommelschlüsselwerk und Schalterwerk für den südlichen Bahnhofsteil mit den Gleisen 101 und 103:

Trommelschlüsselwerk und Signalschalter, Fdl., Wampersdorf, 29.7.1984

Allerdings gab es da noch zwei zusätzliches Probleme:
  • Zum einen mussten innerhalb jedes Bahnhofsteils feindliche Fahrstraßen ausgeschlossen werden, die nicht schon aufgrund verschiedener Weichenstellungen unmöglich waren. Dazu gehörten z.B. Gegeneinfahrten auf dasselbe Gleis, aber auch z.B. gleichzeitige Einfahrten auf Gleis 1 und Gleis 2, weil sich die Schutzwege mit der jeweils anderen Einfahrt überlappten. Es waren also weitere Ausschlüsse innerhalb eines Trommelschlüsselwerks nötig.
  • Zum anderen musste es auch Abhängigkeiten zwischen den Bahnhofsteilen und damit den Trommelschlüsselwerken geben. Z.B. durfte nicht zugleich im südlichen Bahnhofsteil das Signal Sch101 freigestellt werden, wenn zugleich etwa auch E5 freigestellt war – auch hier konnten die Weichenstellungen solche Gegenfahrten nicht ausschließen.
Wie wohl nicht anders zu erwarten, wurden beide Probleme mit ... Schlüsseln gelöst!
  • Für die Auswahl aus mehreren feindlichen Fahrstraßen gab es innerhalb jedes Trommelwerks eigene "Fahrtausschlussschlüssel", die wie "fiktive Weichen" den Ausschluss herstellten. Diese Schlüssel waren relativ phantasielos mit a, b, c usw. bezeichnet. In meinem Tagebuch steht, dass z.B. der Schlüssel a im Trommelschlüsselwerk Richtung Inzersdorf bei Sperrung im oberen Schloss ("Minusstellung") die "innere" Fahrten von Gleis 101 oder 103 in Gleis 1 ermöglichte, während er im unteren Schloss ("Plusstellung") die Fahrt von Inzersdorf in Gleis 2 freigab. Ob das so stimmt, bezweifle ich – es wäre schon sehr unsystematisch –, aber nachprüfen kann ich es jetzt nicht mehr.
  • Für die Folgeabhängigkeiten zwischen den Bahnhofsteilen gab es "Zustimmungsschlüssel" mit Bezeichnung ZE.... Sie wurden von einem Trommelwerk wie ein Signalschlüssel freigegeben; und sperrten dadurch dort eine Teilfahrstraße. Dann konnten sie in einem anderen Trommelwerk wie ein Weichenschlüssel eingesetzt werden, ermöglichten dadurch dort die Einstellung der zweiten Teilfahrstraße und erlaubten so schlussendlich, dass ein Signal freigestellt werden konnte.
Ich denke, an diesem Punkt hilft nur mehr eine Skizze weiter. Hier ist mein Versuch, die Schlüsselbewegungen zwischen den drei Trommelschlüsselwerken grob zu beschreiben. Ein interessantes Detail: die Schlösser für die Weiche 21 waren über alle drei Trommelwerke verteilt!

Schlüsselabhängigkeiten, Fdl. Wampersdorf, 29.7.1984

Das folgende Bild zeigt die Schlösser des dritten Trommelschlüsselwerks im Detail. Links ist an der Trommel eine Fahrstraße eingestellt, und zwar "nach Meidl. Gl.1 aus Gl.101" mit folgenden Einträgen
  • Minuslage, gekennzeichnet durch ein kleines Dreieck (Weichenschlüssel für die Minuslage haben einen dreieckigen Griff): h
  • Pluslage, gekennzeichnet durch ein kleines Quadrat: Weichen 21 und 22 sowie "Ze1" (sollte eigentlich ZE1 mit großem E heißen).
Der ZE1 stellt sicher, dass die Weichen 1 und 2 zur Fahrt über das Gleis 1 festgelegt sind. Aufgrund dessen können nun die Signalschlüssel H1 aus dem ersten und Sch101 aus dem dritten Trommelwerk entnommen werden und diese Signale auf frei gestellt werden:

Trommelschlüsselwerk, Wampersdorf, 29.7.1984

Die zwei anderen Trommelschlüsselwerke samt Signalschalterwerken sieht man auf diesem Bild – links jenes für die Gleise 3 und 5, rechts für die Gleise 1 und 2.

Trommelschlüsselwerke, Fdl., Wampersdorf, 29.7.1984

Hier sieht man beide Apparate noch einmal einzeln abgebildet. Jedes der drei Signalschalterwerke hatte übrigens oben noch ein kleines Bedienungskästchen für das Ersatzsignal des jeweiligen Einfahrsignals:

Trommelschlüsselwerk, Fdl., Wampersdorf, 29.7.1984

Trommelschlüsselwerk, Fdl., Wampersdorf, 29.7.1984

Von den Weichenposten habe ich nur den mittleren, also WP2 besucht. Weit im Hintergrund sieht man das Planum für die neuen Bahnhofsgleise:

Weichenposten 2, Wampersdorf, 29.7.1984

Auf dem folgenden Bild sieht man die Sicherungsanlage im WP2. Tatsächlich gab es (nur) hier fernbediente Weichen, weil dieser Weichenposten neben der ortsbedienten Weiche 2 auch die Weichen 11, 12, 21 und 22 stellte, die nicht alle in Fußmarschdistanz lagen:

Hebelbank und Blockapparat, Weichenposten 2, Wampersdorf, 29.7.1984

Was auf den ersten Blick wie ein ziemlich übliches 5007er-Stellwerk aussieht, entpuppt sich bei genauem Hinsehen ebenfalls als eine ziemlich provisorische Anlage: Die Blockfelder entsprechen jenen aus der Fahrdienstleitung – sie übertragen eben die Stellungsinformation je einzelner Weiche. Der Schieberkasten ... existiert nicht. Man sieht auch, dass die Verbindungshebel von den Weichenhebeln zum Schieberkasten im Nichts enden:

Hebelbank und Blockapparat, Weichenposten 2, Wampersdorf, 29.7.1984

Stattdessen ist an jedem Hebel ein zusätzliches Hebelschloss angebracht, aus dem je nach Stellung der Weiche ein Schlüssel entnommen werden kann. Dieser Schlüssel wird dann im Blockwerk aus dem vorigen Foto umgesperrt, wonach das entsprechende Blockfeld geblockt werden kann:

Weichenhebel für die W22, Weichenposten 2, Wampersdorf, 29.7.1984

So – das war's mit der Erklärung dieser doch ziemlich außergewöhnlichen Anlage. Man glaubt nicht, welche Maschinen man aus einigen Blockfeldern und Trommelschlüsselwerken zusammenbauen kann! Zuletzt noch ein Bild des Aufnahmegebäudes, das damals nur noch kurze Zeit existieren würde:

Bahnhof, Wampersdorf, 29.7.1984

Drei Bahnhöfe der Pressburger Bahn, 1984

Von Wolfsthal aus habe ich drei Bahnhöfe auf der Pressburger Bahn besucht. Zuerst war ich in Fischamend:

Stellwerk und Signal H3, Fischamend, 28.7.1984

(Anmerkung: Mein Tagebuch behauptet, dass die Fotos aus Maria Ellend seien. Aber die Signalanzeigetafel zeigt als Nachbarbahnhöfe Wien Flughafen und Maria Ellend, also kann's nicht dort sein).

Hebelbank und Blockapparat, Fischamend, 28.7.1984

In den Anfangszeiten standen diese Stellwerke übrigens nur in Holzverschlägen, wie man im Foto hinter diesem Link sieht. Fischamend war allerdings schon auf Lichtsignale umgestellt. Für ihre Bedienung war oberhalb des Blockapparats eine kleine Anzeige- und Stelltafel aufgesetzt worden:

Blockapparat und Signalanzeige- und -stelltafel, Fischamend, 28.7.1984

Der nächste Bahnhof auf meiner Fahrt war Regelsbrunn:

Regelsbrunn, 28.7.1984

Die Hebelbank des Mittelstellwerks war voll bestückt mit Hebeln für Formsignale und zwei Madnerhebeln für die zwei Weichen. Als Ausfahrsignale waren Gruppenausfahrsignale installiert, allerdings konnte es wegen der nur zwei Hauptgleise keine Verwechslungen geben: Einflügelig frei = Ausfahrt aus aus Gleis 1, zweiflügelig frei = Ausfahrt aus Gleis 3.

Regelsbrunn, 28.7.1984

Zur Auflösung der Fahrstraßenfestlegung gab es keine Isolierschienen, sondern es waren wie in vielen kleinen Bahnhöfen vor dem Stellwerk Auflösetasten (mit einem Induktor) angebracht:

Regelsbrunn, 28.7.1984

Zuletzt habe ich noch ein einzelnes Foto des SpDrS60-Stellwerks in Wien Flughafen geschossen:

Stellwerk, Fdl, Wien Flughafen, 28.7.1984

Aus irgendeinem Grund konnte ich noch einen Blick in den Basa-Raum werfen (Basa = "Bahnselbstanschlussanlage", das ist das bahninterne Telefonnetz, das vollständig unabhängig vom öffentlichen Telefonnetz vorhanden ist):

Fernmelderaum – ITT Basa Minimat, Wien Flughafen, 28.7.1984

Und zuletzt sieht man hier noch den 4030.218, den wir vorher schon in Wolfsthal gesehen haben, in diesem Bahnhof:

4030.218, Wien Flughafen, 28.7.1984

Dienstag, 7. August 2012

Das kleinste Stellwerk mit Weiche, das es geben kann?

Wolfsthal ist seit langem der Endpunkt der "Pressburger Bahn", die ja bis in die 1940er Jahre tatsächlich bis nach Bratislava fuhr:

Wolfsthal, 28.7.1984

Die Signal- und Sicherungsanlagen. die damals in Wolfsthal standen, sind wohl das Minimale, was man für einen vollständig ausgerüsteten Bahnhof braucht:
  • Eine fahrstraßenabhängige Weiche
  • Ein Einfahrsignal
  • Ein (Gruppen-)Ausfahrsignal
  • Ein Blockfeld (das Fahrstraßenfestlegefeld, ein Wechselstrom-Gleichstrom-Feld, das vom Zug wieder aufgelöst wird)
Wohl deshalb habe ich im Stellwerk auch nur ein Foto gemacht:

Hebelbank und Blockapparat, Wolfsthal, 28.7.1984

Und hier wartet ein 4030er auf seine Rückfahrt nach Wien:

4030.218, Wolfsthal, 28.7.1984

Laaer Ostbahn und ein 3414 in Mistelbach, 1984

Nachdem ich an diesem Tag schon Pirawarth und Groß Schweinbarth sowie den Blockposten Silberwald besucht hatte, waren einige Bahnhöfe der "Laaer Ostbahn", also der nördlichen Strecke der Ostbahn mein Ziel. Die Strecke war damals schon modernisiert, die alten 3414er Stellwerke alle abgebaut.

In Wolkersdorf stand eine ITT-Spur (SpDrL), die folgende Betriebsstellen umfasste:
  • Links oben die Abzweigung Seyring (Block Gerasdorf 2), wo die zweigleisige Strecke zu einer eingleisigen wurde,
  • links unten der Block Gerasdorf 3 bei Obersdorf-Pillichsdorf,
  • rechts unten der Bahnhof Wolkersdorf,
  • und schließlich rechts oben der Bahnhof Schleinbach.

Stellwerk, Fdl, Wolkersdorf, 26.7.1984

Hier noch eine Detailaufnahme von Wolkersdorf:

Stellwerk, Fdl, Wolkersdorf, 26.7.1984

Und hier sieht man eine Fahrt in Richtung Wien:

Stellwerk, Fdl, Wolkersdorf, 26.7.1984

In Neubau-Kreuzstetten war nach dem Umbau ein VGS80 errichtet worden:

Stellwerk, Fdl, Neubau-Kreuzstetten, 26.7.1984

Stellwerk, Fdl, Neubau-Kreuzstetten, 26.7.1984

Neubau-Kreuzstetten, 26.7.1984

In Mistelbach schließlich war ein Stellwerk der Bauart errichtet, die damals informell 212 hieß und nun EM5007 heißt. Für die Weichenbedienung und Fahrstraßenfestlegung war der 5007er-Apparat zuständig:

Hebelbank und Blockwerk, Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Auf der linken Seite sind wie üblich oben die Fahrstraßenknaggen angeordnet, dabei auch die Knagge NB1 für den Nahbedienungsbereich. Darunter sind die Knaggen für die Weichen (die von senkrecht auf waagerecht umgelegt werden) und für Gleissperren (die wie üblich in eine 45°-Stellung gelegt werden). Die Funktion der zwei Knaggen VK B1 und VK B2 ist mir allerdings nicht klar:

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Auf der rechten Seite sehen wir hier ebenfalls die Fahrstraßen- und Weichenknaggen. Erstaunlicherweise ist hier die Knagge NB2 für den Nahbedienbereich 2 unten angeordnet – ich dachte immer, dass Nahbedienbereiche praktisch dasselbe wie Fahrstraßen sind, d.h. sie legen Weichenknaggen in Grundstellung fest und erlauben das Blocken eines NBF-Feldes. Hier zeigt sich, dass eine NB-Knagge auch unten angeordnet sein kann. Die Funkion der Knagge VK B3 ist mir leider wieder unklar:

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Am Schreibtisch des Fahrdienstleiters steht das Stell- und Anzeigepult für Signale, EKs und den Streckenblock. Es war ein ÖBB-gebautes Pult. Hellblau sind (wohl) die Gleise mit Gleisfreimeldung gezeichnet:

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Zuletzt bin ich zu Fuß zum Mistelbacher Lokalbahnhof marschiert:

Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Und – am Lokalbahnhof stand noch ein ganz altes Signalstellwerk der Bauart 3414! Das Verschubsignal vom Staatsbahnhof herunter war schon ein Lichtsignal, das über einen Schlüssel freigestellt wird. Dazu wird der Schlüssel unten aus dem Schloss herausgenommen und oben im Schaltkasten umgesperrt. Ganz am oberen Rand des Fotos sieht man noch die halbe blaue Haltlampe der Signalanzeige. Die Hebel für Z und z stehen nach oben, also ist gerade eine Einfahrt aus Richtung Hohenau gestellt:

Signalstellwerk, Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Hier sieht man dieselben Signalhebel in Halt- bzw. Vorsichtsstellung, mit der interessanten Mechanik, durch die der nach unten zu ziehende Steigbügelgriff auf die Fahrstraßenmechanik einwirkt:

Signalstellwerk, Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Für die sicherungstechnische Abhängigkeit zwischen Weichen und Signalen war nicht einmal ein Zentralschloss vorhanden, sondern nur einfache Schlüsselbretter. Es müssen (wie ropix angemerkt hat – siehe den Link am Ende dieses Postings) drei gewesen sein, aber ich habe nur eines davon fotografiert. Und soviel ich mich erinnern kann, waren bei der Einfahrt, für die vorher Z freigestellt war, keine Weichenschlüssel aufgehängt. Ich habe dann noch eine vorsichtige Frage gestellt, ob das nicht eigentlich ... darauf hab ich eine etwas flapsige Antwort erhalten, dass das schon so in Ordnung sei. Nun ja.

Schlüsselbrett für Fahrten von/nach Hohenau, Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Hier zum Schluss noch ein Bild, das die "Gemütlichkeit" dieses Bahnhofs zeigt:

Bahnhof Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Update: ropix hat im eisenbahnforum einen kurzen Kommentar und zwei Fotos eingestellt, die zeigen, dass das 3414 am Lokalbahnhof zumindest 2011 noch in Betrieb war (wenn auch nur mehr als ein Schatten früherer Zeiten) – sicher das letzte solche Stellwerk auf der ganzen Welt!

Sonntag, 5. August 2012

Sechsfeldriger Streckenblock in Silberwald, 1984

Der Blockposten Silberwald zwischen Strasshof und Gänserndorf war der einzige sechsfeldrige Streckenblock, den ich je gesehen habe, und meines Wissens auch der letzte in Österreich. 1984 war er schon lange auf Lichtsignale umgestellt, die mit Knaggen bedient wurden. Für die Hauptsignale gibt es übrigens drei Anzeigelampen – ganz oben grün, darunter rot, und darunter, gekennzeichnet mit "Nr", die Anschaltung des Notrot:

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Die folgenden drei Bilder zeigen den Ablauf einer Zugfahrt Richtung Bernhardsthal.
ropix hat im eisenbahnforum.de festgestellt, dass die Bilder in der falschen Reihenfolge waren – das ist nun korrigiert.
Der zurückliegende Bahnhof (in diesem Fall Strasshof) hat sein Anfangsfeld geblockt, dadurch wurde das Endfeld hier in Silberwald entblockt und zeigt nun mit der roten Blende den "Vorblock" an. Etwas später (oder auch schon vorher) stellt der Blockwärter mit der Signalknagge das Blocksignal auf frei – man sieht oben die grünen Leuchten:

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Wenn der Zug kommt, löst er die Tastensperre aus, die dadurch weiß wird. Zugleich fällt das Signal auf Halt zurück:

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Nach Beobachtung des Zugschlusses (um sicherzustellen, dass der ganze Zug in Silberwald eingetroffen ist!) stellt der Blockwärter die Signalknagge zurück und kann nun mit der Dreifachtaste alle drei Blockfelder blocken:
  • Das Anfangsfeld gibt dabei den Vorblock nach Gänserndorf an das dortige Endfeld (sichtbar am achten Foto in diesem Posting) ab und zeigt rot.
  • Die Tastensperre ist wieder in die Grundstellung (schwarz) geblockt.
  • Das Endfeld ist weiß, zugleich ist auch das entsprechende Anfangsfeld in Strasshof entblockt worden und ermöglicht so dort eine weitere Ausfahrt.
Hier sieht man übrigens, dass das Blocksignal für die Gegenrichtung schon auf frei gestellt werden konnte, obwohl das Endfeld von Gänserndorf – ganz am linken Rand ist noch ein wenig davon sichtbar – noch nicht entblockt ist, also noch kein Vorblock von Gänserndorf eingegangen ist.

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Wenn der Zug in Gänserndorf eingefahren ist, wird dort am Stellwerk das Endfeld geblockt und dadurch hier in Silberwald das Anfangsfeld wieder entblockt. Dadurch stehen alle Felder wieder in der Grundstellung.

Pirawarth und Groß Schweinbarth, 1984

Pirawarth besaß zwei 12SA-Stellböcke nur für Einfahrsignale – einen für die durchgehende Strecke von Gänserndorf über Groß Schweinbarth und Pirawarth nach Mistelbach, einen weiteren für das Einfahrsignal aus Richtung Zistersdorf. Sie waren in einem Holzanbau in der Mitte des ziemlich großen Bahnhofsgebäudes untergebracht.

Zur Orientierung der Bahnen im Weinviertel hilft dieser Übersichtsplan bei sporenplan.nl erheblich.

Stellwerk, Pirawarth, 26.7.1984

Am folgenden Bild sieht man eine freigestellte Einfahrt von Groß Schweinbarth: Der linke Vorsignalhebel für das Vorsignal a steht nach oben, und beim Signalhebel für A sieht man, dass das Gewicht der Sperrklinke etwas höher steht und dadurch hinten die Fahrstraßenschubstange verschließt. Einige genauere Erklärungen zu diesen Verschlüssen habe ich den Postings zu meinem 12SA-Stellwerk niedergeschrieben:

Signalstellwerk, Pirawarth, 26.7.1984

Ein weiterer kleiner Stellbock war für das Einfahrsignal Y aus Richtung Zistersdorf vorhanden:

Pirawarth, 26.7.1984

Die Weichen waren alle ortsbedient und schlüsselgesperrt. Die Abhängigkeit zu den Signalen wurde über ein Zentralschloss hergestellt. Auf dem Zentralschloss steht übrigens statt "Groß Schweinbarth"
  • auf den Fahrstraßenschildchen "Groß Schweinbart" – ohne h;
  • bei den Schildchen neben den Fahrstraßenschlüsseln "Schweinbarth" – ohne "Groß".
Der Platz war wohl zu knapp. Rechts neben dem Zentralschloss sind die Steckplätze für die Gleisbelegung – allerdings hat sich im Regelbetrieb offenbar niemand darum gekümmert, hier die Gleisbesetzung zu dokumentieren: Zu diesem Zeitpunkt war das Gleis 4 nämlich besetzt!

Pirawarth, 26.7.1984

Etwas unscharf fotografiert, wartet hier auf Gleis 4 der 5042.14 auf seine Fahrt nach Zistersdorf und Drösing (soweit ich mich an den Fahrplan erinnern kann):

5042.14, Pirawarth, 26.7.1984

Zuletzt noch ein leider unterbelichtetes Foto, das etwas mehr vom Bahnhof zeigt. Das Stellwerk befindet sich rechts unterhalb des weißen Kamins:

Pirawarth, 26.7.1984

In Groß Schweinbarth war, wie man an der Lage von Gleis 1 am Gleisplan oberhalb des Zentralschlosses sieht, die durchgehende Strecke eigentlich die von Gänserndorf nach Mistelbach. Trotzdem war das Einfahrsignal von Stammersdorf mit A bezeichnet, jenes von Gänserndorf mit B:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Auch hier gab es nur ein Stellwerk für Einfahrsignale, diesmal allerdings von der Bauart 5007. Blockfelder, insbesondere Fahrstraßenfestlegefelder, waren keine vorhanden, sodass die Signale frei gestellt werden konnten:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Die zwei nebeneinanderstehenden altösterreichischen Einfahrsignale A und B waren bekannt – auch im Hager ist ein Foto von dieser Stelle enthalten. Nicht regelkonform fehlt hier übrigens beim Signal A schon die Gaskartusche für die untere Farbscheibe:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Hier sieht man die zwei Signale noch einmal bei der Einfahrt eines Zuges:

5145.04+6546.04 als 7312, Groß Schweinbarth, 26.7.1984

In Groß Schweinbarth waren längere Zeit auch Museumsfahrzeuge abgestellt – hier ein dreiachsiger Postwagen, der eher wie ein Nachbau aussieht und bei dem ich nicht weiß, in wessen Eigentum er stand:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Mit dem 7315 bin ich zurück nach Gänserndorf gefahren. In Groß Schweinbarth bekam er eine 2143 beigestellt:

2143.46+2050.01 vor 7315, Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Sehr übermotorisiert sind wir dann bis Gänserndorf gefahren ...

2143.46+2050.01 vor 7315, Gänserndorf, 26.7.1984

... wo sich die 2143 nach irgendwohin aus dem Staub gemacht hat. Allerdings hatte auch eine alleinige 2050 eigentlich zu viele PS für diesen Zug:

2050.01 vor 7315, Gänserndorf, 26.7.1984