Mittwoch, 29. August 2012

Abstecher nach Lindau, 1985

Mit diesem Posting beginne ich die Dokumentation eines viertägigen Besuches im August 1985 von einem Dutzend Bahnhöfen in Vorarlberg und an der Arlbergbahn. Bevor ich mich Sicherungsanlagen widmete, machte ich einen Abstecher nach Lindau, wo sich die Loks dreier Bahnverwaltungen sammelten (und sammeln):

218 302 vor D2163, Lindau, 10.8.1985

1110.522 vor D546, Lindau, 10.8.1985

Die Re4/4, die nach Lindau fuhren, hatten auf einem Stromabnehmer eine breite Palette für den 40cm-Zickzack der ÖBB, auf dem anderen eine schmale für den 20cm-Zickzack der SBB:

Re 4/4 11201 vor Ex269, Lindau, 10.8.1985

Der folgende Zug hat nur einen Waggon (dahinter steht ein weiterer, nicht angekuppelter Zug), und bei der Fahrt damit habe ich eine etwas ungute Geschichte erlebt: Dieser Zug war eine Verbindung zwischen irgendeinem Schnellzug, der in Lindau ankam, und einem weiteren, der von Bregenz wegfuhr. Eine Familie mit zwei Kindern, einem Bub und einem Mädchen, war unterwegs, um diesen zweiten Zug zu erwischen – mit ziemlich viel Gepäck. Der Zug fuhr aus Lindau aus und hielt dann kurz in Lochau-Hörbranz. Vom Schaffner hatten sie erfahren, dass der nächste Halt Bregenz sei. Vor Bregenz bremste der Zug langsam bis zum Stillstand – das Einfahrsignal zeigte Halt. Alle vier schoben ihre Koffer zur Tür, wir anderen Fahrgäste schauten etwas perplex zu, weil doch noch zwei oder drei Minuten Zeit war bis Bregenz. Und dann öffnete der Vater die Waggontüre, und als erster stieg der Bub aus – er sprang natürlich eher auf den Bahndamm hinunter, und das mit einem Koffer! Genau in diesem Moment ging das Signal auf Frei, und der Zug fuhr an. Ich kann mich noch an das Bild erinnern, wie der Junge mit seinem Koffer am Bahndamm immer kleiner wurde, die Eltern in Hysterie verfielen und wir anderen mit offenem Mund dasaßen. Ich weiß nicht mehr, was danach passiert ist – ich hoffe, sie haben trotz Stress ihren Zug erreicht und dann einen entspannten Urlaub gehabt ...

1020.41 vor 5689, Lindau, 10.8.1985

218 469+442 setzen sich vor Ex269, Lindau, 10.8.1985

In Bregenz war dieser alte Apparat als Fahrverschub angekommen:

1180.08, Bregenz, 10.8.1985
1180.08, Bregenz, 10.8.1985

Und kurz davor eine 1110 mit einem "Pers":

1110.04 mit Personenzug, Bregenz, 10.8.1985

Dienstag, 28. August 2012

Donauhochwasser, August 1985

In Wien war Anfang August die Donau über die Ufer getreten. Am Abend des 8.August habe ich einige Bilder an der Donauuferbahn aufgenommen:

Wien Donauuferbahnhof, Donauhochwasser, Wien, 8.8.1985

Wien Donauuferbahnhof, Donauhochwasser, Wien, 8.8.1985

Wien Donauuferbahnhof, Donauhochwasser, Wien, 8.8.1985

Die folgenden Bilder zeigen die Ausfahrsignale des Donaukaibahnhofs bei diesem Hochwasser (siehe Kommentar – weit im Hintergrund sieht man auf zwei Bildern den Donauturm)

Donauhochwasser, Wien Donaukaibahnhof, 8.8.1985

Donauhochwasser, Wien Donaukaibahnhof, 8.8.1985

Donauhochwasser, Wien Donaukaibahnhof, 8.8.1985

Hier sieht man die Überschwemmung im Bereich der Reichsbrücke:

Donauhochwasser, Wien, 9.8.1985

Donauhochwasser, Wien, 9.8.1985

Bruchstücke aus Villach, 1985

Anfang August bin ich von Lienz über Villach und Wien nach Vorarlberg gefahren – warum einfach, wenn's kompliziert geht. In Villach habe ich kurz den Westbahnhof besucht:

1010.08 + 1043.05 vor 41932, Villach Westbf., 7.8.1985

Signalanzeige- und -Stellpult, Fdl, Villach Westbf., 7.8.1985

In der Fahrdienstleitung stand ein großer Rankapparat. Richtung Rosenbach und Tarvis gab es nur Ba-Felder. Leider war ich nie am dazugehörigen Stellwerk, daher weiß ich nicht, warum die Fa-Felder fehlen – war es ein elektromechanisches Stellwerk?

Ergänzung 2.1.2015: Stimmt nicht – 1987 war ich auf allen Stellwerken des Bahnhofs, auch am 42733 des Stellwerk 4.

Befehlswerk, Fdl, Villach Westbf., 7.8.1985

Der Apparat war übrigens hellgrün lackiert, im Gegensatz zu fast allen anderen Befehlswerken:

Befehlswerk, Fdl, Villach Westbf., 7.8.1985

Ein interessantes Doppel – so wie's aussieht, sind hier beide Loks in Betrieb: Die 2062 hat das Spitzen-A-Signal eingeschaltet, und bei der 1043 ist regelkonform der hintere Stromabnehmer aufgebügelt:

2062.19+1043.12, Villach Westbf., 7.8.1985

Montag, 27. August 2012

Turmuhrwerke

Weil mein Blog ja "Von Stellwerken und anderen Maschinen ..." heißt, erlaube ich mir einmal, ein paar "andere Maschinen" vorzustellen. Die Aufnahmen sind auf einem Urlaub in der nördlichen Toskana entstanden.

In Lucca steht als einziger mittelalterlicher Turm der Torre delle Ore:

Torre delle Ore, Lucca, August 2012

Zum Betrachten steht dort das alte Uhrwerk. Ich war leider nicht oben, sondern nur meine Kinder + Frau, daher kann ich es nur vom folgenden Foto beschreiben. Interessant ist, dass dieses Werk aus dem Jahr 1754 ein Rechenschlagwerk enthält – damals waren in Turmuhren praktisch nur Schlossscheibenschlagwerke im Einsatz.

Das Werk ist ungeschmiert, und sowohl auf unserem Bild wie auf jenen, die ich im Internet gefunden habe, hängt das Pendel immer senkrecht (Ausnahme: Aufnahme in der italienischen Wikipedia); außerdem ist der Rechen "eingefallen", d.h. das Werk müsste eigentlich zu schlagen beginnen. Wegen all dieser Punkte ist es sicher nicht mehr in Betrieb.

Einige Details des Uhrwerks sind in der italienischen Wikipedia erklärt, unter anderem, dass "römische Stunden" mit ein bis sechs Schlägen geschlagen werden. Das erklärt auch den kurzen Rechen, der nur für ein bis sechs Schläge ausreichen muss. Auf der Aufnahme in der Wikipedia (wo das Werk noch läuft, weil das Pendel ausschlägt) ist erkennbar, dass die Stundenstaffel deswegen aus zwei halben Schnecken besteht.

Torre delle Ore, Lucca, August 2012

Angetrieben wurde das Werk, wie bei Turmuhren bis heute üblich, mit Steingewichten:

Torre delle Ore, Lucca, August 2012

Die Fallhöhe der Gewichte war ziemlich groß – und ihr Gewicht auch, deshalb sah man wohl diesen Fangkorb vor:

Torre delle Ore, Lucca, August 2012

In Cardoso läuft im Glockenturm bis heute ein relativ modernes mechanisches Uhrwerk. Ein altes Werk mit Spindelhemmung – vermutlich das vorher verwendete Werk – ist an der Wand aufgehängt, hier habe ich's mit Blitz von schräg oben fotografiert. Dieses Werk hatte ein Schlossscheibenschlagwerk, man sieht die Schlosscheibe auf der Rückseite des Werks:


Das "neue" Werk dient nur dazu, Stundenschläge auszuführen, es gibt kein außen sichtbares Zifferblatt. Als wir den Glockenturm besucht haben, war leider kein Licht eingeschaltet, deshalb habe ich nur Blitzaufnahmen gemacht und im Finstern auf die Einzelteile gezielt. Hier ist das ganze Werk zu sehen:


Der Schlag dieses Uhrwerks ist übrigens so:
  • Stundenschlag fünf Minuten vor der vollen Stunde;
  • Stundenschlag zur vollen Stunde;
  • ein weiterer, einzelner Schlag zur halben Stunde.
Wie diese mehrfache Auslösung funktioniert, habe ich im Finstern nicht feststellen können – und auf den Fotos sieht man es auch nicht (oder doch?). Hier sieht man den Rechen, interessanterweise mit getrennten Zahnungen für die Sperrklinke (oben) und den Schöpfer (unten). Der "Fühlhebel" des Rechens ist unten sichtbar, hinter dem Zifferblatt liegt die Staffel:

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Das folgende ist der Antrieb des Schlagwerks. Rechts ist die Antriebswelle, in der Mitte das Rad mit den "Hebnägeln". Unten quer liegt, mit einer Kröpfung um die Aufzugswelle, der Hammerhebehebel, an dem rechts (außerhalb des Bildes) irgendwo ein Drahtzug zum Hammer im Stockwerk darüber befestigt ist. Das Firmenschild ist von den Fratelli Terrile aus Genova-Recco; die Firma gibt's anscheinend noch immer:

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Hier sieht man den Antrieb des Schlagwerkes von oben. Die Eingriffe von der Antriebswelle bis zum Windfang lassen sich hier einfach verfolgen:

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Auf der Rückseite ist die Pendelaufhängung (oben die Pendelfeder, unten die Gabel) und links daneben der Windfang für das Schlagwerk (mit einem Freilauf):

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Hier sieht man die Stiftenhemmung – wegen ihrer Robustheit, einfachen Bauweise und Genauigkeit (sie ist eine ruhende Hemmung) die meistverwendete Hemmung "moderner" (mechanischer) Turmuhrwerke:

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Der mittlere Teil der Schlagwerksmechanik:

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Dieser Winkelhebel ist wohl für den Drahtzug für den Halbstundenschlag:

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Und zum Schluss noch einmal das ganze Werk:

Turmuhrwerk Cardoso, August 2012

Sammelsurium, Sommer 1985

Hier ein Sammelsurium von Bildern aus dem Sommer 1985. Die ersten zwei sind (für mich) nur deswegen interessant, weil darauf einer "Einser-Lok" abgebildet ist:

2043.01, Klagenfurt, Juni 1985

2043.01, Klagenfurt, Juni 1985

Meine Lieblings-1042er mit Flügelrad und Metallziffern wurden damals schon selten. Hier ist eine zu sehen:

1042.599, Wien Süd, Juli 1985

Und hier gleich noch eine! Auf der Aufnahme steht zwar ein Datum, aber kein Ort:

1042.623 mit Güterzug, irgendwo um Villach, 29.7.1985

Vielleicht am selben Tag war ich am Turm in Spittal – davon gibt es nur dieses eine Bild:

1043.10 mit Gütererzug, Spittal-M., Juli 1985

In Lienz wurde im Juli die 52.3816 unter Dampf gesetzt:

52.3816 unter Dampf, Lienz, Juli 1985

Und irgendwann um die gleiche Zeit habe ich zwei 2043er erwischt:

2043.66+43 vor Personenzug, Lienz, Juli 1985

2043.66+43 vor Personenzug, Lienz, Juli 1985

Die Halte- und Ladestelle Mittewald a.d.Drau hatte, wieso auch immer, zwei Deckungssignale. Ich denke, dass dies hier die Hebelbank dazu ist:

Hebelbank, Mittewald a.d.Drau ?, Juli 1985

Kaponig, 1985

Irgendwann bin ich in Kaponig (was Obervellach hieß, bis die Seilbahn außer Betrieb gesetzt wurde und dadurch der Bahnhof vom Ort Obervellach aus praktisch nicht mehr zu erreichen war) gewesen. Die Bergweiche von Mallnitz her steht in die Ablenkung, damit eventuell entlaufende Wagen vom Streckengleis abgelenkt werden (sie krachen dann am anderen Ende wegen der Schutzweiche gegen einen Prellbock und stürzen wahrscheinlich über den Hang hinab – so wie zwei Loks im Jänner 1980 in Penk):

DrS-Stellwerk, Fdl, Kaponig, 2.8.1985

DrS-Stellwerk, Fdl, Kaponig, 2.8.1985

Bahnhof, Kaponig, 2.8.1985

Eine 1044 kam mit einem Lokzug, dem ein (schadhafter?) Wagen der Autoschleuse durch den Tauerntunnel beigegeben war:

1044.33 als Lz 89533, Kaponig, 2.8.1985

Wiesenschwang-Oberndorf, 1985

Der Blockposten samt Ausweichanschlussstelle Wiesenschwang-Oberndorf liegt zwischen Kitzbühel (das ich 1983 besucht habe) und St.Johann in Tirol. An sich ist stand dort ein einfacher vierfeldriger Streckenblock, mit zwei Zustimmungsfeldern für die beiden Anschlussbahnen. Allerdings gab es zusätzlich zu diesen Feldern noch eine "Zustimmungssperre" je Richtung. Laut meinem Tagebuch musste dieses Feld vor jeder Signalfreistellung geblockt werden und wurde dann beim Eingehen des Rückblocks – also wenn das A-Feld entblockt wurde – mitentblockt. Hier sieht man links die Grundstellung (dass das Zs-Feld weiß ist, ist leider kaum zu erkennen), rechts ist gerade ein Zug auf die Tastensperre "gestiegen" und hat sie entblockt:

Blockapparat, Wiesenschwang-Oberndorf, 27.7.1985

Der Stellwerker hat nun den Vorblock abgesetzt, dadurch ist das Anfangsfeld geblockt = rot und das Ts-Feld wieder in der Grundstellung:

Blockapparat, Wiesenschwang-Oberndorf, 27.7.1985

Hier sieht man denselben Zustand, oben die Signalanzeige und -bedienung über Tasten:

Blockapparat und Bedienungspult, Wiesenschwang-Oberndorf, 27.7.1985

Hier nocheinmal die Signalanzeige und -bedienung. Die Tasten sind von links nach rechts:
  • SGT = Signalgruppentasten
  • STZ = Signaltaste für Signal Z
  • STA = Signaltaste für Signal A
  • HaGT = Haltgruppentaste
und rechts außen die GT (Gruppentaste) für die Schrankenüberwachung, die zusammen mit der WUT(Weckerunterbrechungstaste) oben drüber den Störungswekcer abstellt:

Bedienungspult, Wiesenschwang-Oberndorf, 27.7.1985

Außerhalb des Gebäudes stand ein Fliehkraftantrieb für einen nahen Schranken:

Wiesenschwang-Oberndorf, 27.7.1985

Und hier noch das ganze Gebäude mit dem Blocksignal A (nicht A1!):

Wiesenschwang-Oberndorf, 27.7.1985