Mittwoch, 13. November 2019

Rätselhafte Signalhebel und die Details eines Spannwerks in Rapolano Terme

English version of this posting
Ergänzung 22.12.2019: Bis gestern war meine Erklärung samt den Skizzen hier falsch; jetzt sollte aber alles stimmen!
Ergänzung 1.1.2020: Solche "Kompensatoren" gab es offenbar nicht nur in Italien – ein Plan in Hans G. Wäglis "Hebel, Riegel und Signale" zeigt eine solche Einrichtung auf dem Lageplan eines Schweizer Bahnhofs von 1885!
Rapolano Terme ist ein kleiner Bahnhof nahe Asciano, dessen Ausfahrt in einer weiten Kurve um den höhergelegenen Ort liegt. Die Signalisierung war minimal: Auf der beiden Seiten gab es Semaphore als Einfahrsignale, auf einer Seite auch noch ein Signal, das wie ein Ausfahrsignal angeordnet war, aber keines war, und darüber hinaus muss es noch ein viertes Signal gegeben haben, alles zusammen mit einer sonderbaren Anordnung der "Bedienstellen" (Stellwerke will ich nicht sagen). Der Bahnhof war mehr oder weniger kurz vor einem Umbau auf Lichtsignale und fernbediente Weichen – diese waren schon installiert, aber noch nicht in Betrieb. Die folgenden Bilder zeigen noch die alten mechanischen – und eben interessanten – Sicherungsanlagen.

Das folgende Bild ist eine Skizze der Gleisanlagen, Signale und ihrer Bedienstellen. Den einen Semaphor (2), den ich fotografiert habe, habe ich fest eingezeichnet. Alle anderen Semaphore, die ich nicht gesehen und nicht fotografiert habe, von denen ich aber Signalhebel dokumentiert habe, sind mit strichliertem Mast eingezeichnet. Zwei von ihnen, die als Einfahrsignale dienten, waren sicher vorhanden:
  • Den einen auf der Seite Sinalunga (Chiusi) habe ich mit * bezeichnet, weil sein Signalhebel – den wir gleich sehen werden – keine Nummer trug.
  • Ein weiterer befand sich hinter der Straßenbrücke auf der Seite Asciano, er hatte einen Hebel mit Nummer 1.
Zuletzt muss es einen weiteren Sempahor als Deckungssignal in größerem Abstand gegeben haben, dessen Signalhebel – woanders aufgestellt – ebenfalls mit 1 bezeichnet war.

Die Bedieneinrichtungen habe ich als kleine Stellwerke eingezeichnet: Im Bahnhof selbst standen zwei Signalhebel, je einer für jedes Einfahrsignal. Darüberhinaus gab es ein kleines "Stellwerk" neben einem Bahnübergang, wo sich ebenfalls zwei Signalhebel befanden – die Hebel sieht man alle auf folgenden Bildern, und ich denke, dass meine Zuordnung zu den Signalen stimmen könnte.

Zuletzt habe ich noch die zwei Spannwerke für die Temperaturkompensation, die ich tatsächlich fotografiert habe, ergänzt und sie in eckigen Klammern Signalen zugeordnet. Ziemlich sicher gab es auch für die anderen beiden Signale – das Deckungssignal 1 aus Richtung Sinalunga und das Einfahrsignal 1 aus Richtung Asciano – solche Spannwerke, weil auch deren Hebel "drahtnachlassend" waren, aber eingezeichnet habe ich sie nicht:

Gleis- und Signalplan von Rapolano Terme um 1990

Aber sehen wir uns nun die Anlagen im einzelnen an.

Das erste Foto ist von der Ausfahrt des Triebwagens, der uns von Asciano nach Rapolano Terme gebracht hat. Links sieht man die neuen Ausfahrsignale auf einem Ausleger, im Hintergrund ein Signal, das wie ein Ausfahrsignal aussieht, weil es an der entsprechenden Stelle steht. Am Streckengleis verlässt der Dieseltriebwagen unter einer kleinen Rauchwolke den Bahnhof:

Ausfahrt eines Aln663, neue Ausfahrsignale und alter Semaphor, Rapolano Terme, Mai 1990

Nach der Ausfahrt des Zuges steht der Semaphor noch lange in Freistellung. Wäre das ein richtiges Ausfahrsignal, könnte es längst vom Fahrdienstleiter auf Halt gestellt werden: Deshalb, und weil es im Bahnhof auch keinen Signalhebel für dieses Signal gibt, meine ich, dass es kein Ausfahrsignal, sondern ein Deckungssignal für einige Bahnschranken ist, die sich hinter der langgezogenen Kurve rund um den höhergelegenen Ort befinden:

Semaphor steht noch auf Frei, Rapolano Terme, Mai 1990

Nach einiger Zeit geht der Semaphor nun doch auf Halt – der Zug ist nun wohl beim Schrankenposten vorbei, der die Deckungssignale bedient:

Semaphor geht auf Halt, Rapolano Terme, Mai 1990

Semaphor, Rapolano Terme, Mai 1990

Hier sieht man den Signalarm aus der Nähe. Wie in Britannien werden auch die italienischen Formsignale nur mit einem einzelnen Zugdraht freigestellt:

Semaphor, Rapolano Terme, Mai 1990

Schon beim ersten Blick hinter dem Triebwagen her haben wir die neuen Signale gesehen; hier ist nun ein Weichenantrieb für den kommenden Fernstellbetrieb zu sehen. Er ist zwar schon fest an der Weiche montiert, aber weder die Stellstangen noch die Riegelstangen sind eingebaut, wie man an den vier freiliegenden Augen sieht:

Neuer Weichenantrieb, noch nicht eingebunden, Rapolano Terme, Mai 1990

Beim Bahnübergang im Bahnhofsbereich, direkt vor dem Deckungssignal, sieht man einerseits den alten, mechanischen Antrieb, davor aber auch schon den neuen elektrischen und auch dazugehörige Blinklichter. Am neuen Antrieb fehlen aber noch die roten Punkte auf dem Löffelrad:

Alter und neuer Schrankenantrieb, Rapolano Terme, Mai 1990

Ich habe mich dann auf den Weg zurück zum Bahnhof gemacht und dabei einen alten Ladekran aufgenommen. Das Bild hatte aus irgendeinem Grund einen weißen, voll belichteten Streifen, den ich im Diarahmen mit einem schwarzen Filmstück abgedeckt habe. Leider ist dieses Stück irgendwann vor dem Scannen verrutscht – das Ergebnis ist nun schlechter als ohne die Abdeckung – nun ja. Der Kran ist übrigens immer noch vorhanden – auf Satellitenaufnahmen des Bahnhofs und auf Google Street View kann man ihn schön erkennen, wie er dort nutzlos herumsteht:

Alter Ladekran, Rapolano Terme, Mai 1990

Das folgende Bild zeigt einerseits den Kurbelantrieb für den Schranken, den wir gerade gesehen haben, andererseits den Hebel für das Einfahrsignal aus Richtung Sinalunga. Der Hebel ist hier in der verschlossenen Grundstellung zu sehen – der Gewichtshebel ist mit einer kleinen Kette und einem Verschlussstück in dem Schloss am Signalbock festgelegt. Sehr interessant ist, dass das Signal offensichtlich durch Nachlassen des Signaldrahtes freigestellt wird – das ist ja nun wirklich "ein starkes Stück" für eine Sicherungsanlage: Denn es bedeutet ja, dass ein Drahtriss ebenfalls zur Freistellung führt! Wie kann so eine Konstruktion nur erlaubt sein? Wir werden weiter unten sehen, dass das Problem nicht ganz so gravierend ist, wie man glauben könnte – aber eine wasserdichte Konstruktion ist das eher nicht. Am Schrankenantrieb sieht man oben zwei rote Ringe, was m.W. bedeutet, dass der Schranken offen ist:

Schrankenantrieb und Einfahrsignalhebel aus Richtung Sinalunga, Rapolano Terme, Mai 1990

Hier ist derselbe Hebel von der anderen Seite aufgenommen:

Einfahrsignalhebel aus Richtung Sinalunga, Rapolano Terme, Mai 1990

Zum Vergleich ist hier noch einmal das Bild der Signalhebels aus Albano Laziale, wo der Signaldraht beim Umlegen gezogen wird. Beim Vergleich der zwei Hebel sieht man, dass der Hebelarm (d.h. der Abstand der Drahtanlenkung von der Hebelachse) in Albano nur etwa halb so groß wie in Rapolano – es muss also irgendwo eine Untersetzung 2:1 stattfinden (wenn man annimmt, dass die Semaphore immer denselben Drahtweg zum Freistellen benötigten):

Signalhebel, Albano Laziale, Mai 1990

Wie funktioniert das aber mit dem Signal? – dort wird ja der Arm auf jeden Fall durch einen Draht in die Freistellung gezogen! Ich machte mich auf, das Geheimnis zu lösen, indem ich mich auf den Weg zum Signal machte ...

Am Weg dorthin traf ich dann auf das Spannwerk. Ich kenne keine Beschreibung seiner Funktion, aber ich denke, dass man diese prinzipiell aufgrund der einfachen Konstruktion schon herausfinden kann.

Spann- und Ausgleichswerk des "Ausfahrsignals", Rapolano Terme, Mai 1990

Das folgende Diagramm zeigt die prinzipielle Anordnung eines solchen Spannwerks zwischen Signalhebel (links) und Signal (rechts). Wenn man oben am Hebel zieht, wird das (rot gezeichnete) Seil nachgelassen. Am Spannwerk dreht das Gewicht dadurch die Doppelrolle im Uhrzeigersinn, wodurch das blau gezeichnete Seil zum Spannwerk gezogen wird und es damit den Signalflügel nach unten in die Freistellung zieht:


Beim Rückstellen des Signalhebels wird über das rote Seil die Doppelrolle am Spannwerk gegen den Uhrzeigersinn zurückgedreht und damit das Gewicht nach oben gehoben. Das blaue Seil wird dadurch nachgelassen, und der Signalflügel kann (durch ein nicht eingezeichnetes Gegengewicht) in die waagrechte Haltstellung gehoben werden. Das Gegengewicht am Signalhebel hilft bei der Rückstellung, das schwere Gewicht am Spannwerk nach oben zu heben.

Hier sieht man die Doppelrolle aus der Nähe. Links oben kommt das Seil vom Signalhebel, nach oben geht das Seil zum Zuggewicht, und rechts geht das Seil zum Signal. Vor dem Spannwerk läuft der Draht eines anderen Signals (nämlich des Einfahrsignals) vorbei, er hat mit dieser Konstruktion nichts zu tun.

Spann- und Ausgleichswerk, Rapolano Terme, Mai 1990

Tatsächlich ist das Seil, das im Diagramm rot dargestellt ist, unterbrochen – man sieht das an folgendem Detailausschnitt. Offenbar ist das Seil über einen verschiebbaren Hebel angelenkt, der wohl bei einem Seilriss auf irgendeine Art auskuppelt, sodass das Signal von selbst auf Halt fällt. Wie das genau funktioniert, lässt sich aber aus meinen wenigen Bildern nicht herausfinden:

Spann- und Ausgleichswerk, Rapolano Terme, Mai 1990

Wegen der gegenläufigen Bewegung der zwei Drähte kann das Spannwerk auch als Ausgleich der temperaturbedingten Seilausdehnung oder -verkürzung dienen, wenn es an der passenden Stelle aufgestellt wird. Auf den Bildern erkennt man, dass die zwei verbundenen Rollen ein Durchmesserverhältnis von etwa 1:2 haben, wie auch auf der Skizze oben gezeichnet. Die folgende Skizze zeigt die Anordnung im Drittelpunkt zwischen Signal und Hebel, wodurch sich Längenänderungen bei gleichmäßiger Erwärmung genau ausgleichen:


Auf meinem weiteren Weg entlang des großen Bogens um Rapolano Terme herum bin ich auf ein weiteres solches Spannwerk gestoßen. Es ist in die Drahtzugleitung vom Bahnhof zum Einfahrsignal aus Richtung Sinalunga eingeschaltet:

Spann- und Ausgleichswerk, Rapolano Terme, Mai 1990

Schließlich habe ich beim Kilometer 214.101 den Schrankenposten erreicht, an dem einerseits zwei Schrankenkurbeln standen. Bei beiden sind oben weiße Ringe zu sehen – die Schranken sind geschlossen, ein Zug ist zu erwarten:

Schrankenkurbeln am Schrankenposten, Rapolano Terme, Mai 1990

Daneben gab es hier auch zwei Signalhebel. Der linke, mit der Nummer 1, ist mit einem Deckungssignal aus Richtung Sinalunga verbunden und steht hier in Grundstellung, d.h. das Signal steht auf Halt. Der rechte bedient das "Ausfahrsignal" im Bahnhof, und er ist umgelegt, d.h. das Signal steht in Freistellung:

Signalhebel am Schrankenposten, Rapolano Terme, Mai 1990

Und hier kommt auch schon der Triebwagen vom Bahnhof herunter zum Schrankenposten und weiter nach Sinalunga:

Aln668 3212, Rapolano Terme, Mai 1990

Leider bin ich von dort die – m.E. kurze – Distanz zum Einfahrsignal aus Richtung Sinalunga nicht mehr gegangen, was ewig schade ist ...

Nach meiner Rückkehr habe ich das Bahnhofsgebäude aufgenommen, mit einigen abgestellten Wagen im Hintergrund (die ich hochgradig ignoriert habe, wie auch die Personenwagen auf dem Gleis daneben):

Bahnhofsgebäude, Rapolano Terme, Mai 1990

Hier sieht man nun den letzten Signalhebel, nämlich den für das Einfahrsignal aus Richtung Asciano:

Einfahrsignalhebel 1 aus Richtung Asciano, Rapolano Terme, Mai 1990

Einfahrsignalhebel 1 aus Richtung Asciano, Rapolano Terme, Mai 1990

Weil's so schön aussieht, habe ich das durchgehende Gleis Richtung Asciano mit der Straßenbrücke weit im Hintergrund auch aufgenommen. Ganz klein sieht man die neuen, noch dunklen Ausfahrsignale:

Strecke Richtung Asciano, Rapolano Terme, Mai 1990

Und hier sehen wir ein letztes Mal den Antrieb für den Schranken im Bahnhofsbereich direkt vor dem "Ausfahrsignal". Weiße Ringe bedeuten wieder, dass er geschlossen ist:

Schrankenkurbel, Rapolano Terme, Mai 1990

Zuletzt ist hier der Signalhebel für das Einfahrsignal * umgelegt – unser Zug kommt, der uns zurück nach Siena gebracht hat. Davon gibt's aber keine Bilder mehr:

Schrankenantrieb und Einfahrsignalhebel aus Richtung Sinalunga, Rapolano Terme, Mai 1990

Dienstag, 12. November 2019

Signale und Weichen in Asciano

English version of this posting

Von Siena aus sind wir an einem Tag nach Asciano und Rapolano Terme gefahren. Hier sind die Fotos aus Asciano.

Asciano hatte noch "semafori" als Einfahrsignale, und zwar genauer "segnali semaforici di seconda categoria", die mit einer 2 am Signalflügel gekennzeichnet waren. Für diese Signale war als Vorsignalisierung nur eine gelbe Rautentafel aufgestellt:

Vorsignaltafel, Asciano, Mai 1990

Einfahrsignal, Asciano, Mai 1990

Nur im Vorbeifahren habe ich das Spannwerk des Einfahrsignals aufgenommen – wir werden uns diese Konstruktion in nächsten Posting genauer ansehen:

Spann- und Ausgleichswerk, Asciano, Mai 1990

Asciano ist ein Abzweigbahnhof, daher gibt es drei Einfahrsignale. Das folgende Bild zeigt die Kurbeln, mit denen sie freigestellt werden können. Das Signal 2 aus Richtung Chiusi (markiert mit CH) steht noch auf frei ("via libera", also "freie Bahn"). Die anderen zwei Kurbeln sind mit "SI" für Siena und "GR" für Grossetto an der Küstenlinie bezeichnet:

Signalkurbeln, Asciano, Mai 1990

Ganz klassisch gibt der Fahrdienstleiter mit einer grünen Kelle den Abfahrtsbefehl:

ALn663 1107, Asciano, Mai 1990

Bei der folgenden Bender'schen Weichenlaterne leuchtet die Lampe auf einen Reflektor, der das Licht auf die gekrümmte rote Fläche zurückwirft, die dann rötlich leuchtet. Um die Lampe austauschen zu können, ist der Reflektor oben an zwei Scharnieren aufgehängt:

Ortsbediente Weiche mit Weichensignal, Asciano, Mai 1990

An einer anderen Weiche im Gleis daneben habe ich die Mechanik an den Weichenzungen aufgenommen. Bemerkenswert ist der von unten nach oben um den Schienenfuß greifende Hakenverschluss:

Stell- und Riegelstangen einer ortsbedienten Weiche mit Spitzenverschluss, Asciano, Mai 1990

Stell- und Riegelstangen einer ortsbedienten Weiche mit Spitzenverschluss, Asciano, Mai 1990

Offenbar an einem Ausfahrsignal habe ich diese weitere ortsbediente Weiche aufgenommen, bei dem man die Seite des Weichensignals mit dem Richtungspfeil für die Fahrt in die Ablenkung sieht:

Weichenantrieb mit Weichensignal, Asciano, Mai 1990

Ein Kleinwagen stand vor einem Wasserturm im Bereich einer Bahnmeisterei. Links sieht man diverse schrottreife Bauteile:

Wasserturm und ein "Kleinwagen", Asciano, Mai 1990

Hier aus der Nähe eines der Schrottobjekte, ein alter Schrankenantrieb:

Alter Schrankenantrieb, Asciano, Mai 1990

Direkt am Bahnsteig stand dieses Signal, von dessen Bauart ich einige auch in Südtirol gesehen habe. War es ein Abfahrsignal (wozu aber hätte dann der Fahrdienstleiter weiter oben die Kelle benötigt?), oder waren es ökonomisch in der Nähe der Fahrdienstleitung nachgerüstete "Bahnsteig-Ausfahrsignale"? Interessant ist, dass es daneben offenbar auch mindestens ein richtiges Ausfahrsignal gab, das auf dem Weichenfoto weiter oben zu sehen ist:

Abfahrsignal, Asciano, Mai 1990

Zuletzt sieht man hier ein Bild des Bahnhofsgebäudes, des Güterschuppens und – auf beiden Bahnsteigen – der Signale für die Abfahrten:

Bahnhof, Asciano, Mai 1990

Montag, 11. November 2019

Loks um Foligno, Orte, Perugia, Siena

English version of this posting


Die folgenden Bilder zeigen einige Eisenbahnfahrzeuge in der Gegend von Foligno, Perugia und Orte:

E646 145, Giuncano, Mai 1990

245.0004, Orte, Mai 1990

Jeep auf Schienen, Orte, Mai 1990

E.105 und E.107 der Ferrovia Centrale Umbra (FCU) in Perugia, Mai 1990

Keine gute Aufnahme der Rangierlok, aber die Herren da oben sind's wert gezeigt zu werden:

Verschublok (245?), Foligno, Mai 1990

E636 009 und eine E626, Orte, Mai 1990

E424 350, Orte, Mai 1990

Schließlich sind wir von Foligno kommend in Siena eingetroffen, von wo es meinerseits nur ein Eisenbahnbild gibt:

D345 100x, Siena, Mai 1990

Montag, 14. Oktober 2019

Weichen in Foligno, 1990

English version of this posting

Hier sind ein paar Fotos aus Foligno, wo wir vier oder fünf Tage in einer Pension verbracht haben:

Schrankenantrieb, Foligno, Mai 1990

Elektrische Weichen haben in Italien schon lange Innenverschlüsse, d.h., dass die Weichenzungen innerhalb der Weichenantriebs in ihrer Lage fixiert werden. Das erfordert natürlich, dass der Antrieb sich gegenüber den Backenschienen nicht verschieben darf – eine Befestigung nur auf Weichenschwellen, wie das in Deutschland und bis jüngst auch in Österreich üblich war, ist daher nicht ausreichend, sondern es müssen stabile Formeisen die Backenschienen mit dem Antrieb verbinden:

Elektrischer Weichenantrieb, Foligno, Mai 1990

Das folgende Bild zeigt dagegen eine Weiche ganz ohne Spitzenverschluss. In der sichtbaren Stellung legt ein Schloss die Zungen fest, in der anderen Stellung muss die Weiche langsam befahren werden:

Weiche ohne Spitzenverschluss, Foligno, Mai 1990

Hier ist das Schloss an der rechten Backenschiene zu sehen:

Weichenschloss, Foligno, Mai 1990

Die jeweils links der Gleise angebrachten Ausfahrsignale waren, wie häufig in Italien, auf Auslegern oder Signalbrücken angebracht. Die Dreiecke zeigen eine Ausfahrt mit reduzierter Geschwindigkeit an:

Ausfahrsignale, Foligno, Mai 1990

Und zuletzt ein Bild einer typisch italienischen BoBoBo-Lok:

E636 038, Foligno, Mai 1990

Freitag, 20. September 2019

Fröhliches Foto mit einem italienischen elektromechanischen Stellwerksapparat - Ciampino, 1990

English version of this posting

Hier ist eines der fröhlichsten Fotos, die ich je in einer Fahrdienstleitung aufgenommen habe:

Stellwerk, Fahrdienstleiterin, Ciampino, Mai 1990

Das Stellwerk ist ein elektromechanisches, auf italienisch als "ACE" bezeichet: "apparato centrale elettrico", oder genauer – nach der Einführung von Drucktastenstellwerken – "apparato centrale elettrico a leve individuali", also "elektrischer Zentralapparat mit Einzelhebeln", abgekürzt allerdings als "ACELM" = "apparato centrale elettrico a leve manuali", weil "ACELI" für Drucktastenstellwerke mit Fahrstraßeneinlauf verwendet wird. Die Bezeichnung "Centralapparat" war und ist übrigens in vielen Sprachen für "zentralisierte" Hebelbänke für das Stellen von Weichen – egal ob mechanisch oder später elektrisch – üblich, z.B. auch im Schwedischen oder früher auch auf deutsch.
 
Die Hebelfarben auf dieser italienischen Hebelbank sind laut dieser italienischen Seite:
  • schwarz für Weichen- und Riegelhebel;
  • blau für Fahrstraßenhebel;
  • rot für Hauptsignale;
  • gelb (oder eigentlich orange) für Vorsignale.
Hier ist auf der Hebelbank ("banco di manovra") eine Einfahrt von Velletri auf das Gleis I am Hausbahnsteig eingestellt – ganz rechts sieht man die umgelegten Hebel für Einfahr- und Einfahrvorsignal:

Stellwerk, Ciampino, Mai 1990

Hier ist die Signal- und Gleisanzeige zu sehen. Die Belegdarstellung erfolgt hier noch durch ein nicht ausgeleuchtetes Gleis (wie das etwa auch bei den alten Stellwerken der Wiener Stadtbahn Fall war) (der technische Vorteil dieser alten Lösung, dass nicht durch ausgefallene Anzeigelampen oder Stromversorgungen einen Freisein des Gleises vorgegaukelt werden konnte. Durch Batterieversorgung und redundante Lampen – mindestens zwei – konnte man aber auf die auffälligere Darstellung der Gleisbesetzung durch leuchtende Lampen übergehen).

Interessanterweise ist genau diese Tafel auch heute noch in den offiziellen Schulungsunterlagen der RFI (Rete Ferroviaria Italiana, also des italienischen "EIU" oder Eisenbahninfrastrukturunternehmens) für diese elektromechanischen Anlagen auf S.36 abgebildet:

Gleis- und Signalanzeige, Ciampino, Mai 1990

Das waren leider schon alle Aufnahmen aus der Fahrdienstleitung von Ciampino. Zuletzt gibt es hier nur noch ein Bild des Ausfahrsignals DN am Hausbahnsteig:

Ausfahrsignal, Ciampino, Mai 1990

Montag, 16. September 2019

Ein wenig über italienische Formsignale in Albano Laziale, 1990

English version of this posting

Hier kommt nun ein Posting, das ein wenig von der alten italienischen Formsignaltechnik zu enträtseln versucht. In etwas späteren Postings wird das auf weiteren Fotos dann noch etwas klarer, aber wir sehen uns einmal die Bilder an, die wir hier haben.

Direkt nach unserer Ankunft in Rom sind wir "einfach so" nach Albano gefahren – ein netter Abendausflug. Irgendwo auf der Strecke habe ich dieses Signal aufgenommen:

Signal auf der Strecke nach Albano Laziale, Mai 1990

Und hier sind wir schon im Endbahnhof der Strecke. Aus Gründen, die ich nicht weiß, stand hier am Gleisende ein haltzeigendes Formsignal – natürlich war es mit keinem Signalhebel verbunden, sondern stand immer auf Halt. Es sieht zwar in Albano so aus, als ob die Strecke irgendwann einmal weitergegangen wäre – zwischen den Häusern ist eine bogenförmige Trasse frei, und man sieht auf dem folgenden Bild auch, dass die Oberleitung über das Ende des Gleises hinaus weitergeht. Tatsächlich kann es hier aber höchstens vor langen Zeiten ein Umsetzgleis für Loks gegeben haben; aber vielleicht war damals dieses Signal vorgeschrieben, um die Straßenquerung dahinter zu schützen.

Ergänzung 5.10.2019: Rossano hat in einem Kommentar erklärt, dass die Strecke doch einmal weiterging, nämlich bis Campoleone an der (alten) Hauptstrecke von Rom nach Neapel – dieser Teil war aber schon 1927 (oder 1935?) eingestellt worden.

1990 war das Signal jedenfalls nur mehr als Gleisabschluss in Verwendung:

Gleisabschlussignal, Albano Laziale, Mai 1990

Albano hatte aber auf der anderen Seite einen "segnale semaforico" als Einfahrsignal. Leider habe ich dieses Signal bei der Einfahrt nicht aufgenommen, sondern nur den Signalhebel, den man hier sieht. Rechts neben der Rolle ist der Handfallenhebel zu sehen, der durch einen Schlüssel aufgesperrt werden kann. Danach kann der große Hebel an seinem abgewinkelten Griff nach unten gezogen und so das Signal freigestellt werden:

Signalhebel, Albano Laziale, Mai 1990

Für das folgende Bild bin ich ganz nach vorne gegangen, um den Triebwagen aufzunehmen, der uns hierher gebracht hat – aber viel interessanter ist, dass man darauf eine Besonderheit der italienischen Drahtführung erkennen kann (von der später noch ein paar Fotos kommen). Links neben dem Lampenmast sieht man nämlich einen "unerwarteten" Betonpfeiler aus dem Boden wachsen – wozu ist er da?

Triebwagen, Albano Laziale, Mai 1990

Hier ist der Pfosten ein wenig herausvergrößert, und man kann erkennen, dass hier ein Drahtseil aus dem Boden kommt und am oberen Ende über eine Umlenkrolle führt:

Führung des Signaldrahtes, Albano Laziale, Mai 1990

Hier ist diese Umlenkrolle noch einmal herausvergrößert und die Drahtführung farblich markiert:
  • Vorne läuft der Draht über diese Umlenkrolle (orange),
  • führt dann frei hängend waagrecht in etwa vier Meter Höhe zu einem weiteren Umlenkmasten (gelb),
  • wo er schlussendlich wieder nach unten umgeleitet wird (rot).
Nicht aufgenommen habe ich die weitere Umlenkrolle, die den Draht dann von dort nahe am Boden zum Signalhebel führt.
Man sieht an dieser Konstruktion, dass es in Italien üblich war, die Signalstelldrähte im Bereich der Bahnsteige weit oberhalb des Bodens zu führen; und sie erst weiter draußen in oder nahe dem Erdboden anzubringen. Wieso das so war, weiß ich nicht – und wir werden auf einigen folgenden Aufnahmen sehen, dass die meisten der Drähte später nach unten in Kanäle verlegt worden waren. Hier in Albano war aber 1990 die alte Konstruktion noch vorhanden:

Führung des Signaldrahtes, Albano Laziale, Mai 1990

Als letztes Bild, ohne besonderen Wert, gibt es hier noch eine Aufnahme von einem Umstellgewicht an einer EKW:

EKW, Albano Laziale, Mai 1990

Sonntag, 15. September 2019

Einige Loks in Italien, 1990

English version of this posting

Ich denke, ab hier zeige ich von unserer Italienreise jeweils abwechselnd in einem Posting ziemlich unkommentiert einige Fahrzeuge, im darauffolgenden Posting dann italienische Signal- und Sicherungsanlagen mit einigen Erläuterungen. Hier also einige Fahrzeugbilder – leider bin ich bei einer ganze Reihe unsicher, wo sie aufgenommen wurden.

Die erste Maschine hat eine elegante Nummer:

FS E656 565, Bozen

Bauzug um Leifers(?), Mai 1990

Wie in Österreich standen auch in Italien in den 1980ern und noch in den 1990ern alte Dampfloks herum. Da die entsprechenden Werkstätten und das Fachwissen längst verschwunden waren, können das nur Überbleibsel aus der alten Zeit gewesen sein – ob mit einen gewissen Zweck (geplante museale Aufstellung oder sogar Aufarbeitung oder aber die berüchtigte "strategische Reserve", also Schrotthaufen, die man einem Feind gegebenenfalls vor seine Panzerzüge werfen würde) oder einfach nur vergessen, weiß ich nicht:

Deposito locomotive di Verona (Heizhaus Verona), Mai 1990

Deposito locomotive di Verona (Heizhaus Verona), Mai 1990

Stellwerk, Mirandola(?), Mai 1990

E656 306 und E447 093(?), Bologna, Mai 1990

FS E646 079, Firenze S.M.N.(?), Mai 1990

FS E636 414, Firenze S.M.N.(?), Mai 1990