Samstag, 20. September 2014

Judenburg, 1987

Auch in der Fahrdienstleitung in Judenburg stand ein Rankapparat. Und wieder ist auf der einen Seite (Richtung Thalheim-Pöls) noch ein Felderstreckenblock vorhanden, während auf der anderen Seite (nach Zeltweg) schon ein ZG eingerichtet worden war:

Befehlswerk, Fdl, Judenburg, 3.8.1987

Drei Sperrschuhe und zwei dazugehörige Mittelweichen wurden über einen einzelnen Schieber verschlossen – daher waren die drei Schlösser auch mit langen Schrauben direkt aufeinander montiert, und es war nur eine Knagge zu ihrer Freigabe nötig:

Schieberschlösser am Befehlswerk, Fdl, Judenburg, 3.8.1987

Ergänzung 15.11.2014: Hier sieht man die Schieberschlösser noch einmal herausvergrößert im Detail, sodass man die Aufschriften auf den Schlüsseln erkennen kann:

Schieberschlösser am Befehlswerk, Fdl, Judenburg, 3.8.1987

Auf dem typischen Blockapparat am Stellwerk 2 finden sich (auch wieder) zwei Zustimmungsfelder für die Fahrten auf Gleisen mit Weichen innerhalb der Ausfahrsignale – einmal ein Ze-Feld für Gleis 3 und dann noch ein Za-Feld für Gleis 6:

Blockapparat und Hebelbank, Stw.2, Judenburg, 3.8.1987

Auf der Signalanzeigetafel sieht man die innerhalb des Ausfahrsignals R6 liegende Weiche 51. Wieso für dieselbe Situation am Gleis 3 keine Zustimmungsabgabe vorhanden war (sondern nur ein Zustimmungsempfang wegen einer analogen Situation am Stellwerk 1), ist auf Anhieb unklar: Aber tatsächlich stand das Ausfahrsignal R3 sicher vor der Weiche 53, sonst hätte ein auf R5 ausfahrender Zug ja an zwei Ausfahrsignalen vorbeifahren müssen, und die Flankenfahrt aus Gleis 3 bei einer solchen Ausfahrt wäre auch nicht gedeckt gewesen

Signalanzeigetafel, Stw.2, Judenburg, 3.8.1987

Das Stellwerksgebäude war sehr ähnlich dem Stellwerk 1 in Unzmarkt:

Stellwerk 2, Judenburg, 3.8.1987

Selten gab es damals Doppeltraktionen von 1044ern – sie waren so stark, dass das aus Belastungsgründen nicht nötig war (und oft wegen der Zughakengrenzlast auch nicht möglich). Der Vorspann im folgenden Bild erspart daher nur einen Lokzug und wegen der Vielfachsteuerung auch einen Lokführer:

1044.066 und noch eine 1044, Judenburg, 3.8.1987

Auch am Stellwerk 1 war die Signalanzeigetafel wie früher montiert, hier aber offenbar nach Umbauten durch eine neuere ersetzt worden. Links vom Signal H3 sieht man die Weiche 15, die die Zustimmung an das Stellwerk 2 für Fahrten am Gleis 3 nötig macht:

Signalanzeigetafel, Stw.1, Judenburg, 3.8.1987

Am Bild des Blockapparat fehlen rechts zwei Felder, vermutlich ist der Film ins Licht gekommen, oder er war dort zu Ende. Man sieht aber zumindest die beiden Zustimmungsfeldern, die mit jenen am Stellwerk 2 zusammenarbeiten. Über den beiden Leerplätzen befanden sich zwei rote Tasten zum Haltstellen von Ersatzsignalen in Notfällen:

Blockapparat, Stw.1, Judenburg, 3.8.1987

Die Hebelbank scheint mir nichts Besonderes – auch wenn die Rückblocktaste über dem Gleisanzeiger schon sehr altertümlich ist:

Hebelbank, Stw.1, Judenburg, 3.8.1987

Und zum Schluss sieht man hier das Bahnhofsgebäude:

Bahnhof, Judenburg, 3.8.1987

Freitag, 19. September 2014

0,0‰ und andere Beklebereien von Sicherungsanlagen

Aufgrund eines Postings in einem Modellbahnforum sind mir wieder die Aufkleber "Im Dienst 0,0 Promille" eingefallen, die auf diversen Sicherungsanlagen angeklebt waren – und dann gleich die weiteren "Verschönerungen" von Blockapparaten, Blockaufsätzen, Stellpulten durch Beklebungen aller Art. Ich habe draufhin wieder einmal meine (bisherigen) Tausenden Diascans durchgeschaut, was sich da so alles findet ... ein paar nette Ergebnisse zeige ich in diesem Posting.

Zum ersten muss man sagen, dass das Ver(un)zieren von Sicherungsanlagen nicht erlaubt war: Es durften keine Beschriftungen angebracht oder gar überklebt werden, die ja womöglich die sichere Bedienung gefährdet hätten. Und im Großen und Ganzen ist diese Vorschrift auch eingehalten worden. Eine erste Ausnahme davon waren aber offenbar Aktionen der ÖBB selbst – wie eben die "0,0 Promille" –, bei denen das nicht so eng gesehen wurde. Erstaunlicherweise habe ich aber auch einige andere Beklebungen gesehen, die offenbar keinen BK und keinen Sicherungsdienst gestört haben ...

Aber beginnen wir einmal mit einem Klebezettel, der hochoffiziell auf vielen Blockapparaten angebracht war: "Unbefugten ist die Handhabung der Sicherungsanlage verboten". Hier sieht man ihn in Limberg-Maissau:

Befehlswerk, Fdl, Limberg-Maissau, 10.12.1983

Eine ältere Version dieses Zettels hat, durch einen Reißnagel "gesichert", in Lambach zumindest bis 1987 überlebt:

Stw.3, Lambach, 1987

Natürlich gab es auch andere dienstliche Mitteilungen, die mehr oder weniger haltbar auf Sicherungsanlagen angebracht wurden. Diese Mitteilung über die Lage (und "Freistellung"?) der Signalschlussstellen in Wilfleinsdorf von 1973 ist allerdings 14 Jahre später nicht mehr ganz vollständig:

Fdl, Wilfleinsdorf, 24.5.1987

Aber nun zu den 0,0 Promille – die habe ich tatsächlich des öfteren auf Fotos mitgenommen. Hier sind alle, die ich bei einer ersten Durchsicht entdeckt habe:

Prominent und sichtbar sind sie in St.Georgen a.d.Gusen, wo sie sowohl in der Fahrdienstleitung wie auch in einem Stellwerk ein Signalpult gestalteten:

Signalpult, Fdl, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Signalpult, Stw.2, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Im Schönwies klebte einer am Blockaufsatz des Befehlswerks, ...

Befehlswerk Fdl, Schönwies, 4.8.1983

... und auch einer am Blockaufsatz im Stellwerk 2:

Blockapparat Stw.2, Schönwies, 4.8.1983

Nur als genial kann man allerdings die Anordnung am Stellwerk 1 bezeichnen:

Blockapparat, Stw.1, Schönwies, 4.8.1983

Auch über einen Gleisanzeiger in Eggenburg hatte sich ein solcher Aufkleber verirrt:

Hebelbank mit Gleisanzeiger und Blockapparat, Stw.1, Eggenburg, 10.12.1983

Auf dem Schaltkasten oberhalb der Hebelbank des Blockpostens Stillfried war auch ein solcher Kleber appliziert – was insofern ironisch ist, als dass ich ausgerechnet dort in der Nähe den einzigen betrunkenen Eisenbahner in all meinen Jahren von Stellwerksbesuchen angetroffen habe:

Hebelbank und ZG, Stillfried, 24.7.1984

ZG, Stillfried, 24.7.1984

Nächster Bahnhof mit 0,0 Promille: Waidhofen an der Ybbs. Auch hier war der Platz über dem Gleisanzeiger ideal:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.1, Waidhofen a.d.Ybbs, 19.9.1986

In Mitterbach muss man den Aufkleber wie auf einem Suchbild entdecken – zwei Stücke davon kann man hier sehen:

Fdl, Mitterbach, 21.9.1986

Fdl, Mitterbach, 21.9.1986

Seebenstein zählt eigentlich nicht, weil hier die "0,0 Promille" auf einem Spind kleben – lassen wir's als "stellwerksnahe" doch zu:

Mittelstellwerk, Fdl, Seebenstein, 25.9.1986

Am Villacher Hauptbahnhof war ein solcher Aufkleber prominent in der Fahrdienstleitung über der Mitte eines Blockwerks platziert:

Befehlswerk für Stellwerk 3, Fdl, Villach Hbf, 13.2.1987

Und auch am SBW500-Doppelstellwerk 2 war einer zu finden – das Foto zeigt ihn sehr an den Rand gedrängt:

Gleisanzeiger, Stw.2a, Villach Hbf, 13.2.1987

Zwei noch: In Marchtrenk hat sich der Aufkleber am ziemlich selbstgebaut wirkenden Bedienungskästchen eines Verschubsignals gefunden:

Bedienung für Verschubsignal V76, Stw.2, Marchtrenk, 21.2.1987

Und zuletzt war in Ernsthofen das Signalpult des Befehlsstellwerks 2 damit verziert worden:

Signalpult, Stw.2, Ernsthofen, August 1987

Das sind alle "0,0 Promille"-Aufkleber, die sich auf meinen Fotos gefunden haben – aber wir schauen uns noch ein paar andere Verzierungen an!

Nachmeldung 1 vom 26.10.2014: In Urfahr befand sich ein solcher Aufkleber auf dem Gleisplan in der Fahrdienstleitung.

Eine weitere Aktion der ÖBB betraf den sicheren Weg zur Arbeit und zurück. Ein paarmal habe ich die entsprechenden Aufkleber gesehen, allerdings nur ein Foto davon gefunden:

Blockapparat, Bef.Stw.2, St.Martin am Grimming, 4.8.1987

Ebenso offiziell waren die Aufkleber, die sich zum Jubiläum "150 Jahre Eisenbahn in Österreich" verbreiteten, wie hier in Baden:

Signalpult, Baden, 19.4.1987

Ganz offiziell waren sie auch auf vielen Fahrzeugen zu finden: Neueren ...

1063.010, Innsbruck Hbf, 1987

... und älteren:

5081.016, Weizelsdorf, 1.8.1987

Ab jetzt ist es zwar theoretisch nicht mehr dienstlich, aber praktisch war die Gewerkschaft der Eisenbahner ja fast dasselbe wie die ÖBB, in damaligen Zeiten (ok, das war jetzt eine Unterstellung und Übertreibung). Auf Sicherungsanlagen waren ihre Aufkleber aber tatsächlich sehr selten vertreten. Hier ist das einzige Beispiel, das ich gefunden habe – vermutlich nicht unerwarteterweise in der Eisenbahnerstadt Villach, und dort auch am SBW500-Doppelstellwerk 2 (das Foto haben wir schon oben gesehen):

Gleisanzeiger, Stw.2, Villach Hbf, 13.2.1987

Zum Schluss muss ich jetzt noch drei definitiv nicht ÖBB-induzierte Verschönerungen zeigen: In Steyregg fand sich am Stellpult (allerdings nicht aufgeklebt) ein Hufeisen (das den Beinahe-Unfall 20 Jahre später aber auch nicht verhindern konnte):

Signalpult, Fdl, Steyregg, 7.4.1983

In Selzthal hatte es eine klassische Werbebotschaft von Coca-Cola auf die Gleistafel in der Bahnhofsfahrdienstleitung geschafft:

Selzthal, Bahnhofsfahrdienstleitung, August 1987

Und in Treibach-Althofen hatte die lokale Raiffeisenbank gleich zweimal einen Werbeträger gefunden, auf dem ihre Biene "Sumsi" mehrfach herumschwirren durfte:

Signalpult, Fdl, Treibach-Althofen, 2.8.1987

Signalpult, Stw.2, Treibach-Althofen, 2.8.1987

Als Entspannung nach diesen mehr oder weniger sinnvollen Ergänzungen von Sicherungsanlagen ganz zum Schluss aber das komplette Gegenteil – ein vollkommen leerer Blockaufsatz: Keine Taste, keine Anzeige, keine Aufschrift, einfach ... nichts befindet sich hier auf der schönen Holztafel über den Blockfeldern:

Hebelbank und Blockapparat, St.Johann-Weistrach, 16.1.1985

Sonntag, 14. September 2014

"Moderne" Sicherungstechnik auf der Mariazellerbahn: Kirchberg a.d.Pielach, 2009 (Fotos von Ph.Ringseisen)

Ich unterbreche für ein Posting meine Berichte von 1987, weil mir Philipp dankenswerterweise eine Reihe von Fotos zukommen lassen hat, die perfekt zu ein paar meiner Postings passen. Die Fotos aus Kirchberg an der Pielach (an der Mariazellerbahn) zeige ich in diesem Posting, die anderen habe ich an folgenden Stellen untergebracht:
Aber nun zu Philipps Fotos von Kirchberg a.d.Pielach:

Die Sicherungsanlage des kleinen Bahnhofs ist gar nicht so einfach aufgebaut: Sie besteht aus
  • einer kleinen EM5007-"Hebelbank" mit zwei Knaggen zum Stellen der elektrischen Spitzenweichen,
  • einem Zentralschloss für die Herstellung der Abhängigkeiten zu Fahrstraßenschlüsseln,
  • zwei Ff-Feldern zur elektrischen Festlegung der Fahrstraßen
  • sowie einer Bedien- und Anzeigepult für die Signale.
Die folgenden drei Bilder zeigen diese vier Systemteile.

EM5007-Schalterwerk und Ff-Felder, Fdl, Kirchberg a.d.Pielach, 21.4.2009 (Foto: Philipp Ringseisen)

Zentralschloss, Fdl, Kirchberg a.d.Pielach, 21.4.2009 (Foto: Philipp Ringseisen)

Signalanzeige- und -bedientafel, Fdl, Kirchberg a.d.Pielach, 21.4.2009 (Foto: Philipp Ringseisen)

Es ist ziemlich sicher, dass die Fahrstraßenfestlegefelder und die Weichenknaggen nicht direkt mechanisch abhängig waren – anders gesagt, man hätte die zwei Ff-Felder auch irgendwo anders hinstellen können. Aus dem abgesplitterten grünen Lack rund um Schlüssellöcher kann man nämlich erkennen, dass alle diese Schlösser regulär benutzt werden, und daraus ergibt sich folgender Ablauf für eine Einfahrt:
  1. Zuerst werden die beiden elektrischen Weichen mit den Knaggen passend gestellt.
  2. Danach können die entsprechenden Schlüssel unterhalb der Knaggen herausgenommen und am Zentralschloss eingesperrt werden.
  3. Wenn dort auch die passenden Schlüssel für die anderen Weichen bzw. den Sperrschuh umgesperrt sind, kann der Fahrstraßenschlüssel für die gewünschte Fahrstraße entnommen werden ...
  4. ... und im passenden Fahrstraßenfeld umgesperrt werden.
  5. Nun kann dieses geblockt werden – damit ist der Schlüssel und damit die Fahrstraße elektrisch festgelegt.
  6. Dadurch leuchtet auf der Signaltafel die entsprechende "FF"-Lampe (Fahrstraßenfestlegung) auf, und ...
  7. ... nun kann endlich (bei einer Einfahrt) das passende Einfahrsignal mit SGT (rechte Taste im roten Bereich oben) und Signaltaste (direkt neben dem Signal) auf Frei gestellt werden.
Die Zugfahrt wirft das Signal auf Halt und gibt die Fahrstraßenauflösung frei (vermutlich durch Freifahren der isolierten Spitzenweiche), sodass die jeweilige "FAT" (Fahrstraßenauflösetaste) unterhalb des Ff-Feldes aktiv wird. Mit einem Induktorimpuls kann das Ff-Feld entblockt werden, und nun geht es umgekehrt wie oben wieder in die Grundstellung zurück:
  1. Schlüssel raus aus Ff-Feld, ...
  2. ... rein in Zentralschloss, dort ...
  3. ... Weichenschlüssel raus ...
  4. ... rein unter Weichenknaggen ...
  5. ... und Weiche in Grundstellung (wenn sie nicht schon dort war).
So geht das, und es freut mich, dass ich hier nun ein Posting ganz mit Aufnahmen eines ebenfalls Stellwerksinteressierten bestreiten konnte!

Update 18.9.2014: Ein wenig weitere Info gibt's in diesem Posting im eisenbahnforum.