Freitag, 14. September 2012

SpDrL mit Blockfeldern in Dornbirn, 1985

In Dornbirn stand eine ITT-Spur, der ich zwei Fotos spendiert habe:

SpDrL, Fdl, Dornbirn, 14.8.1985

SpDrL, Fdl, Dornbirn, 14.8.1985

Neben der Spur stand ein alter Blockapparat, über den die Zustimmung für die Anschlussbahn Zumtobel mit dem benachbarten Bahnhof Hohenems ausgehandelt wurde. In der Anschlussbahn konnte sich offenbar ein Zug "einsperren" (was man nun als Ausweichanschlussstelle bezeichnet) – allerdings weiß ich nicht mehr genau, wie die Schlüssel- und Blockabhängigkeiten genau funktionierten (wahrscheinlich keine besondere Magie – muss man sich einfach nur durchdenken):

Dornbirn, 14.8.1985

Nur auf einen Sprung habe ich in der Fahrdienstleitung in Hohenems auf der anderen Seite vorbeigeschaut, wo ein klassisches 5007er Befehlswerk für einen viergleisigen Bahnhof stand. Getrennt davon stand rechts daneben das Zustimmungsabgabefeld Richtung Dornbirn für die Anschlussbahn Zumtobel:

Hohenems, 14.8.1985

Donnerstag, 13. September 2012

Minimales aus dem Montafon, 1985

Drei Aufnahmen von der Montafonerbahn: Das Stellwerk im Kreuzungsbahnhof St.Anton hatte ein minimale Hebelbank der Bauart 5007 mit zwei Weichen und den dazugehörigen dreistelligen Riegelhebeln, war aber mit zwei Lichtsignalen für die Einfahrten ausgestattet. Die Knaggen haben eine unübliche Anordnung: Die Fahrstraßenknaggen befinden sich im unteren Teil des Schieberkastens, während die Signalknaggen oben liegen – üblicherweise ist es genau umgekehrt:

St.Anton im Montafon, 15.8.1985

Hier sieht man, leider sehr unscharf, links die Signalanzeige. Was das Kästchen rechts ist, weiß ich leider nicht mehr, und man erkennt es auf dem unscharfen Bild nicht – könnte es die Anzeige für eine elektrische Fahrstraßenfestlegung sein?

St.Anton im Montafon, 15.8.1985

Schlussendlich noch ein Bild der 178.84 der MBS vom selben Tag:

MBS 178.84, Schruns, 15.8.1985

Mittwoch, 12. September 2012

Deutsche Einheit an der deutschen Grenze: Lochau-Hörbranz, 1985

Lochau-Hörbranz ist der Grenzbahnhof von Bregenz Richtung Lindau. Dort stand 1985 eine deutsche Einheit in der dafür üblichen Aufteilung mit einem Befehlsstellwerk und einem Wärterstellwerk. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt schon österreichische Lichtsignale aufgebaut.

Meine Aufnahmen habe ich im Stellwerk 1 begonnen, das das Befehlsstellwerk war. Auf der Signalanzeigetafel sieht man den Gleisplan des Bahnhofs. Der Zeichner des Plans ging übrigens wie selbstverständlich davon aus, dass es im Ankunftsgebäude (hier erstaulicherweise als "Betriebsgebäude" bezeichnet) ein Befehlswerk gab, und hat daher dort im linken Teil das entsprechende Symbol eingezeichnet:

Signalanzeige, Stw.1, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Hier sieht man die ganze Anlage. Die drei Signalhebel bedienen von links nach rechts
  • das jeweilige Ausfahrsignal (das passende Signal wird über die festgelegte Fahrstraße ausgewählt)
  • das Einfahrsignal A (die Stellung – "Frei" oder "frei mit 40 km/h" – wird ebenfalls über die Fahrstraße ausgewählt)
  • das Einfahrvorsignal a.
Die Signalhebel haben natürlich ihre Seilzüge schon verloren, weil sie ja nur mehr Lichtsignale ansteuern. Die Riegelhebel waren mit einem großen "R" gekennzeichnet (nicht, wie in Deutschland üblich, separat mit römischen Zahlen nummeriert). Die Weichen- und Riegelantriebe waren übrigens (sagt mein Tagebuch) einen Monat vorher gegen österreichische Antriebe ausgetauscht worden.

Hebelbank und Blockapparat, Stw.1, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Der Blockapparat hatte damals keinen Felderstreckenblock mehr, sondern nur mehr die Felder für die Bahnhofsblockung:
  • Links zwei Befehlsabgabefelder für die Fahrten Richtung Lindau-Reutin: z für Einfahrten, r1/5 für Ausfahrten.
  • Dann das Fahrstraßenfestlegefeld h Richtung Bregenz, ein Gleichstomfeld.
  • Als nächstes die beiden Zustimmungsempfangsfelder für Einfahrten aus Bregenz.
  • Und zuletzt das Fahrstraßenfestlegefeld für diese Einfahrten.
Richtung Bregenz bestand ein Zeichengabeblock, von dem man ganz oben gerade noch die Anzeige sieht. Richtung Lindau-Reutin bestand Felderstreckenblock, dessen Blockfelder wir gleich auf der Anlage im Stellwerk 2 sehen:

Blockfelder, Stw.1, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Die sichtbaren Blocksperren und Fahrstraßenschieber der deutschen Einheitsstellwerke faszinieren wahrscheinlich jeden, der sie zum ersten Mal sieht – ich habe auch hier wieder je ein Foto davon geschossen. Wenn ich Zeit finde, erkläre ich diese – eigentlich relativ simplen – Sperren einmal generell:

Blocksperren, Stw.1, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Schieberkasten, Stw.1, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Am Weg zum Stellwerk 2 habe ich diese Aufnahme der Ausfahrsignale Richtung Lindau gemacht. Wie bei Richtungsbetrieb üblich, fehlt das Ausfahrsignal für jenes Bahnhofsgleis, das als Fortsetzung das falsche (hier linke) Streckengleis hat, obwohl die Fahrt aus dem Gleis 3 über die Weichenverbindung weit imHintergrund prinzipiell möglich wäre:

R5 und R1, Stellwerk 2, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Hier ist der Blockapparat auf dem Stellwerk 2. Ganz rechts befinden sich Anfangs- und Endfeld des Felderstreckenblocks. Von den drei Feldern links davon sind zwei Befehlsempfangsfelder für die Einfahrten auf Gleis 5 und 3, rechts daneben ist das dazupassende Fahrstraßenfestlegefeld für Einfahrten. Wieder links davon sind zwei weitere Befehlsempfangsfelder für die Ausfahrten r5 und r1 samt Fahrstraßenfestlegefeld. Ganz links außen schließlich ist das Zustimmungsabgabefeld, über das dem Befehlsstellwerk Einfahrten auf Gleis 1 oder 5 erlaubt werden – die zwei korrespondierenden Zustimmungsempfangsfelder sind ein paar Bilder weiter oben zu sehen:

Blockapparat, Stw.2, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Wieder habe ich mir ein Bild einiger Blocksperren geleistet, in diesem Fall die Sperren für den Streckenblock:

Blocksperren, Stw.2, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Hier sieht man die ganze Hebelbank. Wie man am Gleisplan am ersten Bild sieht, muss die Weiche 52 nur in der Minusstellung verriegelt werden (bei einer Ausfahrt aus Gleis 5) und die Weiche 53 gar nicht, weil sie bei keiner Zugfahrt gegen die Spitze befahren wird. Daher kam man mit sechs Weichen- und Riegelhebeln aus. Die Riegelhebel hier hatten übrigens kein "R", sondern waren nur mit der Weichennummer und einem Plus oder Minus beschriftet:

Hebelbank, Stw.2, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Für die Lichtsignale waren nur mehr zwei Hebel vorhanden, einer für die zwei Ausfahrsignale, der andere für das Einfahrsignal. Ein getrennter Hebel für das Einfahrvorsignal (wie im Stellwerk 1) fehlt hier:

Signalhebel, Stw.2, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Bei der Weiche 52 habe ich danach noch den Antrieb aufgenommen. Der Stellwerker hat mir offenbar erlaubt, die Abdeckungen abzuheben. Wie man sieht, waren hier im Gegensatz zum Stellwerk 1 noch die originalen Einheitsantriebe vorhanden:

Weiche 52, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Das folgende Bild zeigt einen Einheitsantrieb, wie man ihn "aus dem Lehrbuch" kennt:

Einheitsantrieb der Weiche 52, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Der zusätzliche Winkelhebel in der Ecke des Antriebs diente zum Drehen der Weichenlaterne, wie man auf diesem Foto sieht – wo sich auch mein Schatten in der Vordergrund drängt:

Einheitsantrieb der Weiche 52, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Das letzte Bild zeigt schließlich den Riegelantrieb, der dem Weichenantrieb gegenüber lag:

Riegelantrieb der Weiche 52, Lochau-Hörbranz, 13.8.1985

Dienstag, 11. September 2012

Feldkirch, 1985

In Feldkirch stand damals ein Siemens-DrS-Stellwerk:

Zentralstw., Feldkirch, 12.8.1985

Zentralstw., Feldkirch, 12.8.1985

Hier sieht man die Darstellung des nördlichen Bahnhofskopfs auf der Panoramatafel, also die Einfahrten von Buchs (das eine obere Gleis) und von Bregenz (die beiden unteren Gleise, wo eine Einfahrt steht):

Zentralstw., Feldkirch, 12.8.1985

Hier sieht man das andere Ende des Bahnhofs. Das obere der nach links gehenden Gleise ist das Streckengleis Richtung Bludenz, das untere ein Ausziehgleis. Interessant sind die Festlegemelder in drei Weichen – ihre Stellung soll wohl abweisend zur eingestellten Fahrstraße auf Gleis 1 sein (dem Gleis, wo rechts außen das Schutzsignal Sch1o auf "Fahrverbot aufgehoben" steht).

Zentralstw., Feldkirch, 12.8.1985

Auf dem nächsten Bild hat der einfahrende Zug das Gleis 1 erreicht (es ist nun durchgehend rot ausgeleuchtet), und die Festlegemelder leuchten nun nicht mehr. Auch interessant ist die Bezeichnung der hier sichtbaren Schutzsignale:
  • Jene Richtung Bludenz heißen Sch~o (z.B. Sch1o oder Sch2o), wobei das o wohl für "ostwärts" steht; denn ...
  • ... jene, die man ganz am rechten Rand sieht, heißen Sch~w – w für "westwärts".
  • Schließlich gibt es noch eine Reihe unterhalb des Stellwerkssymbols, die mit Sch~k benannt sind – k für "kurz(e Einfahrt)", nehme ich an.

Zentralstw., Feldkirch, 12.8.1985

Hier sieht man noch einmal die ganze Panoramatafel, leider ein wenig unscharf aufgenommen:

Zentralstw., Feldkirch, 12.8.1985

Von einem solchen "Turm" (wie das üblicherweise genannt wurde) aus hat man oft eine schöne Sicht auf die Gleisanlagen:

1020.41 mit 77717, Feldkirch, 12.8.1985

1110.03 mit 41671, Feldkirch, 12.8.1985

Danach habe ich noch ein paar Aufnahmen am Bahnhof geschossen – leider nicht den Bahnhof selbst, aber zum Beispiel das hier:

Zuganzeigetafel, Feldkirch, 12.8.1985

4030 als 5638, Feldkirch, 12.8.1985

Etwas früher habe ich bei der Fahrt nach Buchs noch eine alte "Einser-Lok" erwischt:

1180.01 als Reserve, Feldkirch, 12.8.1985

Schön ist auch die folgende Signalkombination – man sieht von oben nach unten und links nach rechts
  • einen Signalnachahmer;
  • einen Geschwindigkeitsanzeiger der alten Bauform – die Null hinter der Sechs ist aber natürlich nicht mehr angeschlossen;
  • ein Bremsprobesignal in Stellung "Bremsprobe beendet";
  • ein grün blinkendes Abfahrsignal;
  • und das Schutzsignal Sch2w in Stellung "Fahrverbot aufgehoben".
Ganz hinten stiehlt sich noch einmal die 1180.01 ins Bild:

Schutzsignal Sch2w, 1180.01, Feldkirch, 12.8.1985

Danach bin ich nach Buchs weitergefahren.

"Risikofestlegung": Welches Risiko erlaubt man im Eisenbahnbetrieb? - das Verfahren "BP-Risk"

In zwei vorherigen Postings habe ich versucht, die Zuverlässigkeit (hypothetisch – weil mir einige Zahlen abgingen) abzuschätzen, mit der ein Formsignal auf Halt gestellt wird. Das Ergebnis kann man dann mit einer geforderten Zuverlässigkeit vergleichen und daraus ableiten, ob die gewählte Technik sicher genug ist. Es stellt sich aber die Frage, woher diese "geforderte Zuverlässigkeit" kommt.

In diesem Zusammenhang habe ich eine Dissertation mit dem Titel "Validierung eines semi-quantitativen Ansatzes zur Risikobeurteilung in der Eisenbahntechnik" gefunden, die einen möglichen Ansatz zur Festlegung dieser Forderung detailliert beschreibt. Es stellt sich natürlich die Frage, wieso wir heutzutage solche Zuverlässigkeiten plötzlich definieren wollen, wo doch die Eisenbahnsicherungstechnik 150 Jahre lang ganz gut ohne solche expliziten Definitionen leben konnte. Die Antwort liegt unter anderem in einer Internationalisierung auf zwei Ebenen:
  • Zum einen führt die politisch gewollte, vor allem europäische Harmonisierung dazu, dass Standards vergleichbar werden: Was "dort" sicher ist, soll auch "hier" als sicher gelten; und umgekehrt. Diese Art der Harmonisierung drückt sich in einem "Normenwunsch" aus, der zu immer neuen ENs führt.
  • Darüberhinaus globalisieren aber auch die Hersteller ihre Produktentwicklung. Wo noch vor 50 Jahren Relaisstellwerke jeweils nach in Übereinkunft mit nationalen Bahnverwaltungen entwickelt wurden, wollen Hersteller heute ihr Produkt in allen Ländern anbieten. Daher entsteht für die einzelnen Nationen auch ein "Normendruck", um ein- und dasselbe Produkt in verschiedenen Ländern gleich zu beurteilen.
Beides führt dazu, dass Übereinkünfte, die bisher entweder lokal oder sogar nur implizit festgelegt waren, nun durch explizite und nachvollziehbare gemeinsame Regelwerke ersetzt werden. Gerade im Bereich von Sicherheitseinrichtungen (wozu wichtige Teile von Eisenbahnanlagen gehören) ist diese Stoßrichtung besonders wichtig, weil ein Versagen zu Unfällen mit potentiell tödlichen Folgen führen kann.
Die erwähnte Internationalisierung führt übrigens zu einem Effekt, der aussieht wie eine hochgradige Beschleunigung der Entwicklungszeiten neuer Techniken und Prozesse (was daher immer schnellere Entscheidungen durch Stakeholder wie Behörden und Infrastruktur- und Verkehrsunternehmen erfordert). Ich bin persönlich skeptisch, dass sich diese Geschwindigkeit tatsächlich so drastisch verändert hat, obwohl gerade in meinem Fachgebiet (der Softwareentwicklung) das immer wieder postuliert wird. Wenn ich mir aber die technische Entwicklung in den 25-Jahres-Abschnitten von z.B. 1835 bis 1860 im Eisenbahnwesen oder von 1935 bis 1960 in fast allen Bereichen der Technik ansehe, dann scheint mir in den 25 Jahren von 1985 bis 2010 auch nicht so viel mehr an Umbruch stattgefunden zu haben. Wie schon angedeutet, sehe ich den Grund für die vermeintliche Beschleunigung viel mehr in der Internationalisierung: Durch sie wird es notwendig, plötzlich umfangreiche Unterlagen zu Techniken und Prozessen aus anderen Ländern zu betrachten und mit den jeweiligen lokalen Lösungen zu integrieren; und auch die lokalen Lösungen in gemeinsame Regelungen einzubringen, etwa und vor allem auf EU-Ebene.
Aber zurück zur Risikobeurteilung!
Wie schon oben angedeutet, ist für die Realisierung von sicheren Prozessen und technischen Anlagen ein Wechselspiel zwischen zwei Rollen nötig:
  • Die eine Rolle ist die eines "Sicherheitsanforderers", der eine Mindestsicherheit für bei ihm betriebene Systeme vorgibt.
  • Die andere Rolle ist die eines Systemherstellers, der solche Systeme anbietet, vor ihrem Einsatz aber nachweisen muss, dass sie die geforderte Mindestsicherheit auch erreichen.
Der Nachweis, den der Hersteller führen muss, wird "Gefährdungsbeherrschung" genannt (was ein schlechter Name ist: Es sollte "Nachweis der Gefährdungsbeherrschung" heißen). Einen Teil einer fiktiven Gefährdungsbeherrschungs-Analyse habe ich in den zwei erwähnte Postings skizziert; ich widme mich diesem Teil der Sicherheitsanalyse hier nicht. Die Bestimmung der Anforderung an die Sicherheit wird "Risikoanalyse" oder "Risikobeurteilung" genannt – sie soll Inhalt dieses Postings sein. In der EN 50129 wird dieses Zusammenspiel durch ein Diagramm dargestellt, das ich hier abstrahiert wiedergebe:

Photobucket

Der "Kommunikationspunkt" der beiden Rollen ist die THR, d.h. die akzeptable Gefährdungsrate für jede Funktion des Systems. Typische akzeptable Gefährdungsraten liegen, um einen  Anhaltspunkt zu geben, bei 10-7...10-9 Unfällen je Betriebsstunde eines Verkehrsmittels; wobei diese Werte sich aus vier akzeptierten "SILs" = Safety Integrity Levels ableiten, die "nur" in Worten definiert sind – darauf gehe ich hier nicht weiter ein. Die Aufgabe eines Eisenbahnunternehmens (i.d.R. der Infrastrukturbetreiber) ist aber, die Festlegung einer solchen THR schlüssig zu argumentieren – zumindest, um Diskussionen mit Herstellern standzuhalten. Dazu dient eben die Risikobeurteilung oder Risikoanalyse.

Jedes Risikobeurteilung muss im wesentlichen die folgenden drei Schritte durchführen:

1. Systemdefinition: Welcher Bereich der "Welt" soll analysiert werden?
2. Gefährdungsszenarien und ihre Konsequenzen identifizieren.
3. Risiken abschätzen und ihnen eine THR zuordnen.

Ich gebe hier, als ein sehr interessantes Beispiel, eine Darstellung von wesentlichen Punkten des so genannten "BP-Risk"-Verfahrens zur Risikobeurteilung. In die Darstellung flechte ich Erklärungen, aber auch Fragen ein, die sich für mich beim Durcharbeiten ergeben haben.

BP-Risk


Das Verfahren BP-Risk wird in einer Dissertation von Dr.Sonja-Lara Bepperling an der TU Braunschweig mit dem Titel "Validierung eines semi-quantitativen Ansatzes zur Risikobeurteilung in der Eisenbahntechnik" detailliert vorgestellt, insbesondere werden die Design-Kriterien mit einigen Alternativen erläutert. Ich habe diese Dissertation am Internet unter diesem Link am Internet gefunden. Aus der Dissertation geht nicht klar hervor, wen man als Urheber des Verfahrens bezeichnen soll – die Dissertation bezieht sich in ihrem Titel "nur" auf die Validierung des Verfahrens, bringt allerdings einige wesentliche Änderungen, die sich zumindest als Mit-Konstruktion bezeichnen lassen. Zumindest geistiger Vater, wohl aber auch ein Entwerfer des Verfahrens ist Dr. Jens Braband der Siemens-Division Mobility im Bereich Rail Automation, der 2005 eine Version von BP-Risk in "Signal und Draht" vorgestellt hat.

Meine Darstellung weicht an einigen Punkten von der Dissertation ab, weil sich dadurch nach meinem Dafürhalten manche Sachverhalte kürzer erklären lassen. Ich muss noch vorausschicken, dass die Nomenklatur der Sicherheitsanalyse bis heute nicht einheitlich ist. Die Zusammenführung der Bezeichnungen in verschiedenen Normen, die heutzutage noch dazu mit englischen Übersetzungen harmonieren müssen, ist nicht überall geleistet. Nicht nur, aber auch deswegen bitte ich um Nachsicht, wenn ich einzelne Begriffe womöglich nicht korrekt verwende.

Systemdefinition


Die Systemdefinition ist – wie übrigens in vielen Analysebereichen – ein wichtiger, aber kaum in ein Schema zu pressender Vorgang. Einerseits will man möglichst kleine Systeme betrachten, z.B. nur einen einzelnen Zug oder eine bestimmte Außenanlage, andererseits entstehen viele Risiken genau aus Problemen an Schnittstellen zwischen Teilsystemen. Insbesondere die Einbeziehung von Menschen und Organisationen verändert Risikoszenarien oft wesentlich. Die Faustregel scheint zu sein, dass man "immer etwas weiter schauen soll, als man glaubt". In der Dissertation steht klar (S.45): "Im konkreten Fall ist das System, was BP-Risk betrachtet, ein Zug mit der Betrachtungseinheit ‚eine Stunde Zugfahrt’." Tatsächlich stellt sich aber im weiteren heraus, dass natürlich auch die Funktionen der Leit- und Sicherungstechnik betrachtet werden müssen, mit der der Zug bei seiner Fahrt interagiert. Dieses Problem wird in erster Näherung relativ elegant gelöst, indem diese Funktionen dem Zug als "Schnittstellenfunktionen" zugeordnet werden.

Ein Beispiel aus der Statik von Gebäuden soll das Problem und die möglichen Lösungen veranschaulichen: Dabei ist unter anderem die Gefährdung durch hohe Schneelast zu überprüfen. Eine Möglichkeit wäre, sowohl Wettervorgänge als auch die Physik von Schnee (Tauverhalten, Übergang zu Eis usw.) in das zu betrachtende System einzubeziehen. Das wäre zwar "korrekt", aber würde offensichtlich zu beliebig hohen Aufwänden beim Nachweis der Gefährdungsbeherrschung führen. In der Praxis wird stattdessen eine "Schnittstelle" definiert: Man "schreibt vor", wie sich das Wetter und der Schnee verhalten werden, z.B. in Form einer maximal auftretenden gleichmäßig verteilten Schneemasse pro Quadratmeter. Mit diesem einfachen Schnittstellenmodell kann nun Risikobeurteilung und Nachweis der Gefährdungsbeherrschung durchgeführt werden.

Allerdings können gerade dadurch neue Gefahren offensichtlich übersehen werden. Ein frei erfundenes (und unrealistisches) Beispiel wäre etwa, dass bei einer neuen Bauart von Dächern der Schnee immer auf darunterliegende Dächer abrutscht, sodass sich dort eine viel höhere Schneemenge ansammelt als alleine durch Schneefall. Das Zusammenwirken der "Schneephysik" (Rutschverhalten von Schnee auf verschiedenen Materialien) mit der Statik des Hauses muss für diese neue Gefährdung als Gesamtsystem betrachtet werden. Ein extremeres, aber relevantes Beispiel ist die Aufnahme der Trajektorien abstürzender Flugzeuge in den Statiknachweis von Schutzhüllen für Kernkraftwerkreaktoren.

Eine solche Abstraktion von weiter entfernten Systemteilen durch Schnittstellen ist als Arbeitsgrundlage gerechtfertigt und wegen der sonst unbeherrschbaren Komplexität auch nötig. Der Anwender der jeweiligen Methode muss aber immer kreativ überprüfen, dass die gewählte Systemgrenze vernünftig ist und dadurch nicht mögliche Gefährdungen aus dem Zusammenwirken anderer "Teile der Welt" übersehen werden.

Die bloße Sicht auf ein System scheint mir diese Überprüfung allerdings eher zu verdecken. Man sollte viel expliziter eine Trennung in zwei zu betrachtende Systeme durchführen:
  • Zum einen das "engere System", über das am Ende der Beurteilung Risikoaussagen getroffen werden (i.d.R. in der Form von THRs für Funktionsausfälle).
  • Zum anderen das "weitere System", das im Arbeitsprozess zur Herleitung der Risikoaussagen betrachtet werden muss.
Das Beispiel im Kapitel 10 der Dissertation (Risikobeurteilung des Zugleitbetriebs nach deutschen Vorschriften) zeigt schön, dass die Beurteilung ein viel größeres System als nur "einen Zug in einer Fahrtstunde" betrachtet – dass also in der Praxis dieser "Zwei-System-Ansatz" gewählt wird.

Leider spielt in diese Betrachtung mehrerer Systeme noch ein verwirrender Aspekt hinein, nämlich das, was in der Dissertation im Kapitel 8 "Umrechnung" genannt wird: Aus praktischen Gründen muss eine Risikoaussage (i.d.R. eine THR) auf Systemelemente oder Zeiten umgerechnet werden, die von "einem Zug in einer Fahrtstunde" abweichen. Ein Beispiel für eine (krude) solche Umrechnung – nicht einer THR, sondern einer Ausfallwahrscheinlichkeit – gebe ich in meinem Posting über den Haltfall von Formsignalen (dort in der umgekehrten Richtung: Von Ausfall je Bedienung zu Ausfall je Zugstunde). Diese nachfolgende Umrechnung zwischen Ergebnissen des Teilsystems "Zug in einer Stunde Zugfahrt" auf andere Teilsysteme muss aber konzeptionell getrennt werden von der vorherigen intensiven gemeinsamen Betrachtung mehrerer Teilsysteme im Rahmen des erwähnten "weiteren Systems". Ich belasse es einmal bei dieser Bemerkung zu dem Thema "Umrechnung", auf die ich im weiteren nicht mehr eingehe.

Gefährdungsszenarien


Für den zweiten Schritt, die Identifizierung der Gefährdungen, wird in BP-Risk eine "Positivliste" von Funktionen herangezogen, die in einem Zug realisiert werden müssen. Jedes Versagen einer solchen Funktion wird dann als Anlass für ein oder mehrere Gefährdungsszenarien verwendet. Die Funktionsliste entstammt der Norm EN 15380-4, die die nötigen Funktionen ohne Verweis auf die Realisierung aufführt – weder auf mögliche technische Realisierungen, noch darauf, ob eine Funktion technisch oder durch einen Menschen wahrgenommen wird. Einige zufällig gewählte Beispiele für solche Funktionen sind etwa
  • Zugang von außen ermöglichen (Funktion DB)
  • Zugtaufe (Funktion HCB)
  • Gleisbelegung anderen anzeigen (etwa durch Zugschlusssignal, Makrofon) (Funktion KB)
  • Korrekte Fahrwegwahl / Streckensignalansteuerung (aus dem Fahrzeug!) (Funktion KG)
Die Funktionen der Gruppe "K" sind deswegen interessant, weil sie direkt oder indirekt Schnittstellen zu Sicherungsanlagen außerhalb des Zuges einfordern. Da nun aber – siehe vorheriger Abschnitt – eine Systemanalyse ohne zumindest teilweise Betrachtung dieser externen Sicherungsanlagen nicht möglich ist, wird in BP-Risk diese fahrzeugorientierte Liste gegenüber der EN 15380-4 um einen Block von "L"-Funktionen ergänzt, die streckenseitig vorhanden sein müssen, u.a.
  • Gleisfreimeldung bereitstellen (Funktion LBB)
  • BÜ sichern (Funktion LBG)
  • Korrektes Fahrsignal anzeigen (Funktion LBH)
Leider haben sich zwischen dieser Liste und dem Text Abweichungen eingeschlichen: Im Gegensatz zur Liste wird auf S.54 "BÜ sichern" als "Funktion LH" bezeichnet, in Tabelle 8-3 auf S.110 wird dieselbe Funktion sowohl als LH wie auch als LBH bezeichnet. Interessanterweise werden diese Fehler auch in einem Entwurf für ein "Benutzerhandbuch BP-Risk-Analyse" von 2011 kopiert, den ich unter http://www.ivt.ethz.ch/oev/risk_safety_rail/Benutzerhandbuch.pdf gefunden habe (vgl. dort die Seiten 22, 26 und 35) – in einem Handbuch sollten solche Formalfehler beseitigt werden.
Es gibt zwei gute Gründe dafür, Gefährdungen über eine solche Liste festzustellen:
  • Zum einen hilft so eine Liste, wenn sie genüged umfangreich oder sogar "vollständig" ist, natürlich dabei, keine möglichen Gefährdungen zu übersehen.
  • Zum anderen aber, und das ist wichtig für das BP-Risk-Vorgehen, soll durch die Liste die richtige "Ebene" für Gefährdungen vorgegeben werden. Die EN 15380-4 gliedert die Funktionen in vier bis fünf Ebenen auf. Die numerischen Festlegungen von BP-Risk sind aber nur an einem Referenz-Beispiel mit Funktionen aus den Ebenen 2 und 3 getroffen worden – daher sollen auch nur Gefährdungen auf dieser Granularitätsebene betrachtet werden.
Im Zusammenhang mit dieser Liste stellen sich zumindest zwei Fragen:
  • Genügt es tatsächlich, Gefährdungsszenarien nur durch "Invertierung" dieser Funktionsliste zu identifizieren?
  • Ist die "Kalibrierung" von BP-Risk an einigen wenigen Funktionen dieser Liste stabil genug, um sinnvolle Ergebnisse auch für alle anderen Gefährungsszenarien zu erhalten?
Die zweite Frage betrachte ich weiter unten, im Zusammenhang mit der Kalibrierung. Die erste Frage kann man zum Beispiel zu beantworten versuchen, indem man sich konkrete Unfälle ansieht und darüber nachdenkt, ob man aufgrund der Liste auf das vorgefallene Gefährdungsszenario gekommen wäre. Alledings wird diese Analyse wohl trotzdem manchmal schwammig ausfallen, denn es ist einerseits doch nicht klar, auf welcher Abstraktionsebene ein konkretes Versagen im Zuge der Risikobeurteilung eingeordnet werden soll; und andererseits, ob dieses Versagen überhaupt in der Risikobeurteilung und nicht viel mehr erst im Nachweis der Gefährdungsbeherrschung (also auf Seiten des Herstellers) zu identifizieren ist. Vielleicht gehe ich dieser Frage in einem getrennten Text nach.

Die Auflistung von möglichen ausfallenden Funktionen ist natürlich noch keine Liste von Gefährdungsszenarien. Diese Szenarien müssen in einer Phase der "Gefährdungsidentifikation" kreativ aus den ausfallenden Funktionen abgeleitet werden. Ich gebe hier kein Beispiel für eine solche Analyse – ein durchgeführtes Beispiel findet sich in der angeführten Dissertation auf den Seiten 151 bis 153, wo Gefährdungsszenarien im Zugleitbetrieb beschrieben werden.
Es soll noch angemerkt werden, dass nach meinem Wissen die Norm EN 15380-4 noch nicht verabschiedet ist. Zumindest lag sie vor einem Jahr in Österreich noch als "second draft" vor.

Risikoabschätzung


In diesem dritten Schritt wird BP-Risk relativ formal und "semi-quantitativ": Jedes der Szenarien wird nämlich durch fünf Kennzahlen mit jeweils einigen wenigen möglichen Werten bewertet, deren Addition zu einer "tolerierten Risikozahl" G+S führt (ich erkläre hier nicht näher, wieso diese Risikozahl mit "G+S" bezeichnet wird). Aus dieser Zahl wiederum lässt sich durch eine einfache Formel eine THR ableiten, die ja im Gesamtprozess die zentrale Schnittstelle zu den Herstellern ist. Hier ist die Liste der fünf Kennzahlen:
  • Betriebsdichte B: mögliche Werte: 1 = "unter Netzdurchschnitt", 2 = "Netzdurchschnitt", 3 = "über Netzdurchschnitt";
  • Menschliche Gefahrenabwehr M: 1 = "häufig möglich", 3 = "selten möglich", 5 = "fast nie möglich"
  • Zugmasse T: 1 = "Regionalbahn...", 2 = "Triebzüge...", 3 = "Güterzüge..."
  • Mittlere Geschwindigkeit V: von 1 = "Gering; Rangieren, G50" bis 4 = "Sehr hoch; ...P160-230 und ...P300..."
  • Betroffene Personen A: von 1 = Einzelne Person; ...im Güterverkehr..." bis 5 = "Sehr viele Personen; ...Zusammenstoß..."
Es ist wichtig, dass diese Werte und Klassifikationen nicht "einfach so" erfunden sind, sondern auf der Basis von Statistiken und mathematisch erklärbaren (ziemlich einfachen) Umformungen entstanden sind. Details zu diesem interessanten Vorgang finden sich im Abschnitt "Konstruktion" der Dissertation auf den Seiten 72 bis 90. Über eine "Kalibrierung" der Werte wird aus der aufsummierten Risikozahl G+S schließlich die THR über die Formel 10–(G+S)/2 gewonnen. Auch dahinter verbirgt sich eine aufwendige fachliche Argumentation anhand eines "Risikoakzeptanzkriteriums für technische Systeme bei europäischen Bahnen".

Am Beispiel meines Formsignals kann ich nun verkürzt darstellen, wie man zur THR für die korrekte Funktion des Signals kommt. Das Gefährdungsszenario ist laut der Funktionsliste nicht, wie in meinen Postings, "Formsignal wird nicht auf Halt gestellt", sondern die Invertierung der Funktion LBH "Korrektes Fahrsignal anzeigen". Allerdings wird man dieses Versagen in verschiedene konkrete Szenarien aufteilen müssen, wie etwa "Formsignal zeigt Halt statt Frei", "Formsignal zeigt Frei mit fehlender Geschwindigkeitseinschränkung" und eben auch "Formsignal zeigt Frei statt Halt". Im letzteren Fall kann, wie allgemein bekannt und leider tatsächlich passiert, ein Frontalzusammenstoß erfolgen. Für dieses Szenario können wir nun – für angenommene Einsatzfälle – die THR ca. so bestimmen:
  • Die Betriebsdichte von Strecken, wo Formsignale eingesetzt werden, kann über Netzdurchschnitt liegen (S-Bahn!) ⇒ B = 3
  • Die menschliche Gefahrenabwehr ist, z.B. bei Dunkelheit oder kurviger Strecke, nicht möglich ⇒ M = 5.
  • Die Zugmasse in diesem Szenario (Zusammenstoß von personenbesetzten Zügen) inkludiert SPFV ⇒ T = 2.
  • Die mittlere Geschwindigkeit kann nicht sehr hoch (ab 160 km/h), aber hoch sein ⇒ V = 3.
  • Die Anzahl der betroffenen Personen kann sehr hoch sein, weil ein Zusammenstoß droht ⇒ A = 5.
Als THR ergibt sich 10–(3+5+2+3+5)/2 = 10–9. Das ist – wie bei diesen generellen Annahmen nicht anders zu erwarten war – die höchste Sicherheit, die vom Hersteller eines eisenbahntechnischen Systems gefordert werden kann. Die Formsignal-Technik aus meinem letzten Posting erreicht mit den von mir angenommenen Ausfalls- und Versagensraten diesen Wert nicht. Es sind also entweder Nachbesserungen durch den Hersteller nötig (wie das historisch ja passiert ist, etwa in Form von selbsttätig auf Halt fallenden Signalen), oder diese Lösung muss unter einschränkenden Bedingungen eingesetzt werden (z.B. nur auf Nebenstrecken mit kleinerer Betriebsdichte, Zugmasse, Geschwindigkeit).

In der Realität muss die Festlegung der THR natürlich ausführlicher argumentiert und abgesichert werden, weil das Ergebnis ja enorm belastet wird: Es ist eine zentrale Aussage im Kontrakt zwischen Bahnverwaltung und Behörde einerseits und Hersteller und Wartungsorganisation andererseits. Eine Änderung des THR-Wertes wird im allgemeinen für mindestens eine der Seiten kostspielig sein. Meine Kurzeinführung soll deshalb auch nicht als vollständige Darstellung der Anwendung es BP-Risk-Verfahrens verstanden werden.

Zwei Fragen


Nach kleineren Fragen, die ich schon oben angeführt habe, scheinen mir zwei Eigenschaften des BP-Risk-Verfahrens hinterfragenswert:
  • Zum ersten ist das Modell interessant, das hinter der Risikoformel steckt. Insbesondere die Geschwindigkeitskennzahl V wirft die Frage auf, ob ein Modell ohne "Knickpunkte" gerechtfertigt ist.
  • Zum zweiten erfolgt die Kalibrierung des Verfahrens an nur einem Datenpunkt. Mir scheint es interessant, sich zu fragen, welchen Effekt eine "Ergänzungskalibrierung" oder "Kontrollkalibrierung" an anderen Datenpunkten hätte.
Beide Fragen erfordern etwas detaillierteres Eintauchen in das Gebiet der Risikoanalyse, daher ist ihre Betrachtung schon unabhängig von möglichen Antworten interessant.

Änderung [30.10.2012]: Der erste Punkt hat bisher ein "stetiges Modell" hinterfragt. Allerdings liegen auch hinter "Modellen mit Knick" stetige Funktionen, sodass das keine korrekten Alternativen waren. Ich habe nun "stetig" durch das informellere "glatt" ersetzt. Mathematisch genauer wäre etwa "stetig und differenzierbar" oder "polynomiell" oder "maximal quadratisch", was aber jeweils wieder so präzis wäre, dass man darüber im Detail nachdenken müsste.

Glattes Modell oder "Knickmodell"?


Die quantitative Risikoanalyse geht von Risikoformeln aus, die Teilaspekte des betrachteten Systems mathematisch miteinander verknüpft. Ich zeige hier einmal den Aufbau der Risikoformel, die hinter BP-Risk steckt. Ich weiche dabei von der Darstellung in der Dissertation etwas ab, weil mir meine Beschreibung etwas verständlicher scheint – das Ergebnis ist aber dasselbe. Interessierte sollten die Herleitung in der Dissertation auf den Seiten 125 bis 129 ebenfalls lesen.

Wir beginnen mit der grundlegenden Definition des Risikos:
Risiko = Schaden · Versagenswahrscheinlichkeit
Im Fall der Risikoanalyse ist das Risiko, das uns interessiert, das maximal akzeptierte Risiko, also die THR. Die Versagenswahrscheinlichkeit ist entsprechend die maximal akzeptierte Versagenswahrscheinlichkeit. Um der Formel Inhalt zu verleihen, müssen die Kennwerte mit Einheiten versehen werden. In Fall von BP-Risk sind diese (Einheiten werden wie üblich in eckigen Klammern angeführt):
  • Maximal akzeptiertes Risiko: [Personenopfer/Zugstunde], wobei eine "Zugstunde" eine Fahrtstunde eines Zuges ist. Eigentlich sollte die Einheit sein ["Verunfallte Züge"/Zugstunde], weil die THR in diesem Fall als Rate für ganze Züge ("Verkehrsmittel") vorgegeben werden. Das würde aber eine Erfassung von Schwer- und Leichtverletzten erschweren, weil eine Zugbesetzung nur aus einer "Anzahl Personen" besteht. Die Dissertation geht auf diesen Punkt explizit in einem gesonderten Kapitel 11 ein, nimmt aber im Hauptteil mehr oder weniger implizit an, dass Züge eine praktisch konstante Besetzungsrate haben und daher die Umrechnung von [Personenopfer/Zugstunde] in [Verunfallte Züge/Zugstunde] implizit in der Kalibrierungskonstante erfolgt (siehe nächster Abschnitt).
  • Schaden: [Personenopfer/Ereignis]; dabei ist ein "Ereignis" prinzipiell einmal "alles, was passieren kann". Allerdings gibt es enorm viele "Ereignisse", wo der Schaden gleich Null ist – nämlich alle die, wo einfach alles "nach Plan läuft". Diese Ereignisse kann man daher aus der Betrachtung vollkommen ausschließen. Sinnvoller ist daher, als Einheit [Personenopfer/Gefährdungsereignis] anzunehmen. Wichtig ist, dass die "Gefährdungen" mehr sind als nur Unfälle: Es sollen auch Ereignisse betrachtet werden, die zu einem Unfall führen können, wo aber Beteiligte die Gefahr noch abwenden können. Weil diese Abwendung der Gefahr aber selbst wieder zufällig erfolgt, führen manche der Gefährdungen eben doch zu Unfällen.
  • Maximal akzeptierte Versagensrate: [Gefährdungsereignisse/Zugstunde]; wie oft während einer "Zugstunde" versagt eine Funktion, sodass eine Gefährdung auftritt (aber nicht unbedingt ein Unfall – siehe den Text des vorherigen Punktes).
In klassischen "Risikoformeln" werden nun solche Risiken über alle möglichen Ereignisse aufaddiert (und daher formal mit einem Index i versehen, der das "i-te Problemszenario" bedeutet). In BP-Risk belässt man es (meines Erachtens sinnvollerweise) bei einer Auflistung von Szenarien samt ihren zugeordneten Risiken – aus einer einzelnen, alles subsumierenden Zahl lässt sich im Allgemeinen viel weniger herauslesen als aus einem "Vektor" von Detailinformationen. Meine Darstellung geht daher auch auf diese mögliche Summierung nicht weiter ein.

Zur Festlegung des "Schadens" wird dieser zerlegt, und zwar:
Schaden [Personenopfer/Gefährdungsereignis] =
  Rate der fehlgeschlagenen Gefahrenabwehr [Unfälle/Gefährdungsereignis = 1]) ·
  Unfallopfer [Personenopfer/Unfall]
Die Notation [Unfälle/Gefährdungsereignis = 1] soll bedeuten, dass die entsprechende Zahl formal einheitenlos ist, also i.d.R. eine Wahrscheinlichkeit. Links vom Gleichheitszeichen steht die "bedeutungstragende Einheit", die zum Verständnis und zur Überprüfung der Einheiten-Korrektheit der Formel dient.

Der erste Wert auf der rechten Seite wird so zerlegt:
Rate der fehlgeschlagenen Gefahrenabwehr [Unfälle/Gefährdungsereignis = 1] =
  Wahrscheinlichkeit der Folgeabschnittsbelegung [1] ·
  Wahrscheinlichkeit für keinen menschlichen Eingriff [1]
Diese Zerlegung ist nicht mehr offensichtlich: Sie reduziert die relevanten Unfälle auf "eisenbahninterne" Probleme, weil ausschließlich die Folgeabschnittsbelegung als ein Maß für die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Unfallsituation genommen wird. Damit werden z.B. Unfälle durch Gleisbruch o.ä. ignoriert. Insofern impliziert diese Formel ein Modell der Realität, dessen Eignung für den vorliegenden Zweck man explizit beurteilen muss. In diesem Fall kann man argumentieren, dass die Wahrscheinlichkeit einer Folgeabschnittsbelegung ein Maß für die Zugdichte ist, die praktisch wohl ziemlich linear in die Rate aller Unfälle eingeht.

Für den zweiten Faktor des Schadens wird folgende Formel und damit ein entsprechendes Modell angesetzt:
Unfallopfer [Personenopfer/Unfall] =
  Unfallenergie [kJ] ·
  Verletzungsfaktor [Verletzungsgrad/kJ] ·
  Betroffene [Personenopfer/Unfall]
Die Unfallenergie schlussendlich ist praktisch ausschließlich die kinetische Energie des Zuges:
Unfallenergie [kJ] = Zugmasse [t] · (Zuggeschwindigkeit [m/s])2 / 2
Wenn man alle diese Unterformeln in einer Formel zusammenfasst, entsteht ein Produkt von acht Faktoren (das ich im nächsten Abschnitt explizit hinschreibe). Aus mathematischer Sicht verwendet das Modell für die Auswirkung der physikalischen Parameter auf den "Schaden" (die Anzahl der Unfallopfer) also eine Funktion, die in den meisten Parametern linear, in der Geschwindigkeit aber quadratisch ist.

Dieses "glatte Modell" für die Unfallopfer kann man anzweifeln. Es würde zum Beispiel zu folgendem Ergebnis führen: Wenn ein Zugunfall bei 400 km/h zu 100 Toten führt, würde dieselbe Situation bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h trotz gleicher Zugbesetzung und gleicher anderer Umstände nur zu 25 Toten führen ("rechnerische Tote": Schwerverletzte und Leichtverletzte sind mit Gewichtungsfaktoren in diese Zahl eingerechnet). Das ist zumindest bei großen Geschwindigkeiten zweifelhaft – ab einer gewissen Geschwindigkeit ist das Ergebnis immer ein Totalschaden, zumindest am verunfallten Zugteil. Ein "Modell mit Knick" würde diese Annahme eines Verlauf besser beschreiben: Bis zu einer Grenzgeschwindigkeit besteht ein stetiger ansteigender (z.B. quadratischer) Zusammenhang, darüber ergibt sich die Anzahl der Unfallopfer über einen konstanten Faktor. In der Dissertation wird eine Studie zitiert, die bei Frontalzusammenstößen einen linearen Verlauf von Energie und Opfern fand, bei anderen Unfällen aber nicht – was wiederum von Experten angezweifelt wird.

Mein Argument hier ist nicht, dass ich ein offensichtlich besseres Modell hätte – das habe ich nicht. Ich denke allerdings, dass man Aufwand in die Verifizierung dieser Modelle stecken müsste, sie also mit weiteren Unfällen "abgleichen" sollte, um Modellschwächen aufzudecken.

Es gäbe eine Möglichkeit, hier größere Sicherheit zu gewinnen: Neben semi-quantitativen Verfahren zur Risikobeurteilung (wie BP-Risk) und qualitativen Verfahren (die ich hier ganz außer Acht lasse) gibt es auch quantitative Verfahren, also solche, die "von vorne bis hinten auf Zahlen setzen". Ein solches Verfahren ist ASCAP ("Axiomatic Safety-Critical Assessment Process"). Dieses Verfahren ist u.a. offenbar in Großbritannien zur Risikobeurteilung vorgeschrieben, wenn nicht die "anerkannten Regeln der Technik" oder "Vergleiche mit ähnlichen Systemen" genügend belastbare Aussagen liefert. Das Verfahren (das ich nicht im Detail kenne) beurteilt das Risiko durch mehrfache Simulationsläufe unter verschiedenen Bedingungen, wobei einerseits etablierte Systeme als Referenz, andererseits das "neue System" als "Prüfling" verwendet werden. Es schiene mir nun sehr interessant, einige ausgewählte Szenarien, die man präziser definieren kann, sowohl mit BP-Risk als auch mit einem ASCAP-Vorgehen zu beurteilen. Ganz prinzipiell müssten beide Vorgehen vergleichbare THRs liefern – oder zumindest Erkenntnisse darüber, wo die Grenzen oder andere Eigenheiten der Verfahren liegen, die bei ihrer Anwendung bedacht werden müssen.

Kalibrierung nur an einem Punkt?


Die bisher beschriebene Risikoformel für ein Szenario kann man zusammenfassen und mit einem zusätzlichen Faktor versehen, der die "Umrechnung" von Personenopfern in "verunfallte Züge" vornimmt. Es entsteht ein Produkt von acht Faktoren:
Maximal akzeptiertes Risiko [verunfallte Züge/Zugstunde] =
  Wahrscheinlichkeit der Folgeabschnittsbelegung [1] ·
  Wahrscheinlichkeit für keinen menschlichen Eingriff [1] ·
  Zugmasse [t] ·
  (Zuggeschwindigkeit [m/s])2 / 2 ·
  Verletzungsfaktor [Verletzungsgrad/kJ] ·
  Betroffene [Personenopfer/Unfall] ·
  Umrechnungsfaktor [verunfallte Züge/Personenopfer] ·
  Maximal akzeptiertes Versagenswahrscheinlichkeit [Gefährdungsereignisse/Zugstunde]
Das Ziel von BP-Risk ist es, aus jedem Risiko-Szenario die acht Faktoren zu ermitteln und damit ein maximal akzeptiertes Risiko festzulegen. Fünf der Faktoren werden über Kennzahlen aus dem jeweiligen Szenario geliefert (siehe mein Beispiel weiter oben). Es fehlen aber drei Faktoren:
  • der Verletzungsfaktor;
  • der Umrechnungsfaktor
  • die maximal akzeptierte Versagenswahrscheinlichkeit;
Das Produkt dieser drei Werte nenne ich den "sechsten Faktor". Diesen Wert könnte man prinzipiell in der Realität ermitteln, und zwar jeweils aus der Untersuchung von "gerade noch akzeptierten Unfällen": Diese Unfälle wären sozusagen "Modellunfälle" für toleriertes Systemversagen. Allerdings gäbe es sicher eine große Diskussion, ob ein bestimmter Unfall tatsächlich "akzeptiert" werden soll; und darüberhinaus müssten für eine halbwegs verlässliche Festlegung des sechsten Faktors zumindest einige, idealerweise viele Unfälle untersucht werden, die sich gerade an dieser Akzeptanzschwelle befinden.

Die Kalibrierung von BP-Risk geht stattdessen den "theoretischen" Weg: Es wird ein Unfallszenario vorgegeben, dem per definitionem ein akzeptiertes Risiko zugeschrieben wird. Dieses Szenario mit der Bezeichnung RAC-TS (Risk Acceptance Criterion for Technical Systems) ist in wenigen Worten definiert und sagt im wesentlichen: Für Funktionen, deren Versagen eine Katastrophe auslöst, ist eine THR von 10–9 Vorfällen je Betriebsstunde akzeptabel. Aus zusätzlicher Kontextinformation (u.a. weil RAC-TS dasselbe aussagen soll wie das allgemeine Sicherheitsziel für ETCS – siehe S.95 der Dissertation) wird nun für die Kalibrierung ein einzelnes spezifisches Szenario hergeleitet, bei dem die fünf Szenarien-Faktoren bestimmt werden können; zusammen mit der "10–9"-Festlegung des maximal akzeptierten Risikos ergibt sich daraus durch eine einfache Division der fehlende sechste Faktor. Und nun erst kann über die Formel das Risiko (die THR) für andere Szenarien berechnet werden – nämlich als Produkt von fünf szenario-spezifischen Faktoren und dem "sechsten Faktor".

Allerdings: Sogar wenn man dem Modell traut, ist diese Kalibrierung an genau einem Datenpunkt zumindest diskussionsbedürftig. Man kann diese Kalibrierung natürlich "definitorisch" verstehen: Dann ist die THR eben durch diesen einen Datenpunkt und das Modell definiert. Es zeigt sich leider schon beim "Herauskitzeln" eines Szenarios aus RAC-TS, dass womöglich gar nicht so viele weitere Szenarien gefunden werden können, die überhaupt genügend gut quantitativ beurteilt werden können. Trotzdem scheint es mir, dass man sich mit diesem definitorischen Standpunkt nicht zufrieden geben sollte: Stattdessen sollten weitere Datenpunkte aus anderen Beschreibungen von erwarteten THRs extrahiert werden und als "Kontroll-Kalibrierungspunkte" verwendet werden. Dies ist alleine schon deshalb sinnvoll und interessant, um zu sehen, wie viel Übereinstimmung etwa zwischen verschiedenen Normen, verschiedenen Ländern oder verschiedenen Anwendungsgebieten in Bezug auf THRs herrscht. Aus solchen Übereinstimmungen oder eben auch Diskrepanzen zwischen THRs, die über verschiedene Wege eruiert werden: von rein qualitativen Zuschreibungen bis hin zu möglichst realitätsnahen Simulationen, ergeben sich womöglich Hinweise auf Modell- und Vorgehensschwächen, aber umgekehrt auch stabile Bereiche, in denen man sich auf diese Verfahren entsprechend verlassen kann.

Quintessenz


Verfahren wie BP-Risk sind auf jeden Fall nötig: Denn nur die einfache Anwendbarkeit auf der einen Seite, eine sinnvoll argumentierte konzeptuelle und mathematische Basis auf der anderen Seite ermöglichen es, in vielen Fällen Risikowerte anzugeben und damit weitergehende Erfahrungen zu sammeln. Solche Verfahren sind aber sicher nicht in derselben Weise anwendbar wie etwa das Ohmsche Gesetz: Zum einen wegen explizit ausgesprochener Einschränkungen (im Falle von BP-Risk etwa die Anwendbarkeit für die Ebenen 2 und 3 der Funktionsliste nach EN 15380-4), aber zum anderen auch wegen methodischer und konzeptueller Fragen, die sich aus ihrer Konstruktion ergeben. Daher halte ich auch einen Anspruch wie auf S.90 der Dissertation für etwas überzogen, wo es heißt "BP-Risk stellt zum Thema Risikobeurteilung ein ‚best practice’ dar, also ein aufgrund von Anforderungen optimales Verfahren."

Die in mancher Beziehung doch etwas "schmale Basis" etwa des BP-Risk-Vorgehens verpflichtet meines Erachtens seine Anwender, solche Verfahren mit einer gewissen Skepsis und, vor allem, einem soliden Hintergrundwissen über ihre Grundlagen, insbesondere ihre möglichen "offenen Flanken" anzuwenden.

Sonntag, 9. September 2012

Schaan-Vaduz, 1985

Nach Nenzing, Langen und Dalaas habe ich mich auf einen "österreichischen Bahnhof im Ausland" begeben: Schaan-Vaduz liegt zwar nicht in Österreich, die Eisenbahn in Liechtenstein wird aber seit jeher von der jeweiligen österreichischen Staatsbahn betrieben. In den 80er-Jahren war Schaan-Vaduz noch ein vollwertiger Bahnhof, wenn auch mit einer ziemlich veralteten Sicherungsanlage. Die Sicherung der Fahrstraßen über die ortsbedienten Weichen erfolgte über das folgende Zentralschloss in der Fahrdienstleitung:

Zentralschloss, Fdl, Schaan-Vaduz, 13.8.1985

Für die Signale gab es in einer kleinen Stellwerkshütte neben dem Bahnhof die folgende Hebelbank, die ohne elektrische Festlegung auskam. Für die Ausfahrsignale und die Einfahrvorsignale waren jeweils einfache Hebel vorhanden, für die Einfahrsignale gab es Doppelstellerhebel, die man am geringfügig größeren Durchmesser der Kettenrolle und an ihrem abgeschliffenen Rand erkennt:

Hebelbank, Stw, Schaan-Vaduz, 13.8.1985

Hier sieht man die Stellwerkshütte, daneben den Fahrverschub, der sich hier ausrastet:

Stellwerk, 1180.08, Schaan-Vaduz, 13.8.1985

Hier sieht man die alte Lok noch einmal groß, im Hintergrund die Ausfahrsignale R1 und R2 Richtung Buchs:

1180.08, Schaan-Vaduz, 13.8.1985

An die Stellwerkshütte war ein Verschlag angebaut, unter dem sich vier Schrankenantriebe befanden – wobei der linke wohl zwei Schranken antrieb, weil zwei Ketten nach unten verschwinden:

Schrankenantriebe, Stellwerk, Schaan-Vaduz, 13.8.1985

Da die Strecke mit Zeichengabestreckenblock ausgerüstet war, gab es in der Fahrdienstleitung dafür ein kleines Bedienungspult. Was die Blockkupplung ist, weiß ich nicht – es könnte aber das Durchschleifen der Blockleitungen bei Nachtsperre bedeuten, die ja auf dem Zentralschloss vorgesehen ist:

ZG-Block, Fdl, Schaan-Vaduz, 13.8.1985

Die Signale waren österreichische Formsignale mit Überschubflügeln und Flügelkupplungen. Da es aber keine elektrischen Blockeinrichtungen gab, haben diese Kupplungen wohl mit dem ZG-Block zusammengewirkt – eine interessante Kombination! Waren der Grund dafür Vorschriften, die von der Schweiz übernommen worden waren? Oder hatte der Bahnhof einmal "mehr Stellwerk" besessen? – auf der Hebelbank wäre immerhin Platz für zwei Weichen- und die zugehörigen Riegelhebel.

Ebenfalls interessant ist die Kombination dieser Signale mit derSchrankenanlage nach Schweizer Vorschriften (dreieckiges Blinksignal für den Straßenverkehr), aber mit österreichischer Technik:

Ausfahrsignale R1 und R2, Schaan-Vaduz, 13.8.1985

Auf einer Durchfahrt durch den Bahnhof am Tag zuvor habe ich dieselben Signale aus dem fahrenden Zug fotografiert – schief:

Ausfahrsignale R1 und R2, Schaan-Vaduz, 12.8.1985

Vorher habe ich auch noch Einfahrvor- und Einfahrsignal von Schaan-Vaduz erwischt:

Einfahrvorsignal a, Schaan-Vaduz, 12.8.1985

Einfahrsignal A, Schaan-Vaduz, 12.8.1985

Damals stand neben dem Bahnhof noch die 77.250 als Denkmal:

Schaan-Vaduz, 12.8.1985

Auf dieser Fahrt bin ich dann gleich bis Buchs gefahren. Auf der Weiterfahrt habe ich das Einfahrvorsignal z von Schaan-Vaduz noch als Rückschuss mitgenommen: Komischer Text, der überlegt hat, ob dieses Signal Richtung Buchs steht, nach berechtigtem Einspruch von ropix entfernt.


Einfahrvorsignal z, Schaan-Vaduz, 12.8.1985

1020+1044 vor Schnellzug, Einfahrsignal B, Buchs, 12.8.1985

In Buchs habe ich dann noch die Ae6/6 11441 etwas überbelichtet ...

Ae6/6 11441, Buchs, 12.8.1985

.. und zwei Ausfahrsignale etwas unterbelichtet:

Ausfahrsignal E4, Buchs, 12.8.1985

Ausfahrsignal E2, Buchs, 12.8.1985