Samstag, 20. September 2014

Judenburg, 1987

Auch in der Fahrdienstleitung in Judenburg stand ein Rankapparat. Und wieder ist auf der einen Seite (Richtung Thalheim-Pöls) noch ein Felderstreckenblock vorhanden, während auf der anderen Seite (nach Zeltweg) schon ein ZG eingerichtet worden war:

Befehlswerk, Fdl, Judenburg, 3.8.1987

Drei Sperrschuhe und zwei dazugehörige Mittelweichen wurden über einen einzelnen Schieber verschlossen – daher waren die drei Schlösser auch mit langen Schrauben direkt aufeinander montiert, und es war nur eine Knagge zu ihrer Freigabe nötig:

Schieberschlösser am Befehlswerk, Fdl, Judenburg, 3.8.1987

Ergänzung 15.11.2014: Hier sieht man die Schieberschlösser noch einmal herausvergrößert im Detail, sodass man die Aufschriften auf den Schlüsseln erkennen kann:

Schieberschlösser am Befehlswerk, Fdl, Judenburg, 3.8.1987

Auf dem typischen Blockapparat am Stellwerk 2 finden sich (auch wieder) zwei Zustimmungsfelder für die Fahrten auf Gleisen mit Weichen innerhalb der Ausfahrsignale – einmal ein Ze-Feld für Gleis 3 und dann noch ein Za-Feld für Gleis 6:

Blockapparat und Hebelbank, Stw.2, Judenburg, 3.8.1987

Auf der Signalanzeigetafel sieht man die innerhalb des Ausfahrsignals R6 liegende Weiche 51. Wieso für dieselbe Situation am Gleis 3 keine Zustimmungsabgabe vorhanden war (sondern nur ein Zustimmungsempfang wegen einer analogen Situation am Stellwerk 1), ist auf Anhieb unklar: Aber tatsächlich stand das Ausfahrsignal R3 sicher vor der Weiche 53, sonst hätte ein auf R5 ausfahrender Zug ja an zwei Ausfahrsignalen vorbeifahren müssen, und die Flankenfahrt aus Gleis 3 bei einer solchen Ausfahrt wäre auch nicht gedeckt gewesen

Signalanzeigetafel, Stw.2, Judenburg, 3.8.1987

Das Stellwerksgebäude war sehr ähnlich dem Stellwerk 1 in Unzmarkt:

Stellwerk 2, Judenburg, 3.8.1987

Ergänzung 16.1.2020: Nach zwei Kommentaren dazu, dass die 1044 dieses Nummernbereichs keine Vielfachsteuerung hatten, ist der Text nun korrigiert:

Selten gab es damals Doppeltraktionen von 1044ern – sie waren so stark, dass das aus Belastungsgründen nicht nötig war (und oft wegen der Zughakengrenzlast auch nicht möglich). Der Vorspann im folgenden Bild erspart daher nur einen Lokzug, aber wegen fehlender Vielfachsteuerung keinen Lokführer:

1044.066 und noch eine 1044, Judenburg, 3.8.1987

Auch am Stellwerk 1 war die Signalanzeigetafel wie früher montiert, hier aber offenbar nach Umbauten durch eine neuere ersetzt worden. Links vom Signal H3 sieht man die Weiche 15, die die Zustimmung an das Stellwerk 2 für Fahrten am Gleis 3 nötig macht:

Signalanzeigetafel, Stw.1, Judenburg, 3.8.1987

Am Bild des Blockapparat fehlen rechts zwei Felder, vermutlich ist der Film ins Licht gekommen, oder er war dort zu Ende. Man sieht aber zumindest die beiden Zustimmungsfeldern, die mit jenen am Stellwerk 2 zusammenarbeiten. Über den beiden Leerplätzen befanden sich zwei rote Tasten zum Haltstellen von Ersatzsignalen in Notfällen:

Blockapparat, Stw.1, Judenburg, 3.8.1987

Die Hebelbank scheint mir nichts Besonderes – auch wenn die Rückblocktaste über dem Gleisanzeiger schon sehr altertümlich ist:

Hebelbank, Stw.1, Judenburg, 3.8.1987

Und zum Schluss sieht man hier das Bahnhofsgebäude:

Bahnhof, Judenburg, 3.8.1987

Freitag, 19. September 2014

0,0‰ und andere Beklebereien von Sicherungsanlagen

Aufgrund eines Postings in einem Modellbahnforum sind mir wieder die Aufkleber "Im Dienst 0,0 Promille" eingefallen, die auf diversen Sicherungsanlagen angeklebt waren – und dann gleich die weiteren "Verschönerungen" von Blockapparaten, Blockaufsätzen, Stellpulten durch Beklebungen aller Art. Ich habe draufhin wieder einmal meine (bisherigen) Tausenden Diascans durchgeschaut, was sich da so alles findet ... ein paar nette Ergebnisse zeige ich in diesem Posting.

Zum ersten muss man sagen, dass das Ver(un)zieren von Sicherungsanlagen nicht erlaubt war: Es durften keine Beschriftungen angebracht oder gar überklebt werden, die ja womöglich die sichere Bedienung gefährdet hätten. Und im Großen und Ganzen ist diese Vorschrift auch eingehalten worden. Eine erste Ausnahme davon waren aber offenbar Aktionen der ÖBB selbst – wie eben die "0,0 Promille" –, bei denen das nicht so eng gesehen wurde. Erstaunlicherweise habe ich aber auch einige andere Beklebungen gesehen, die offenbar keinen BK und keinen Sicherungsdienst gestört haben ...

Aber beginnen wir einmal mit einem Klebezettel, der hochoffiziell auf vielen Blockapparaten angebracht war: "Unbefugten ist die Handhabung der Sicherungsanlage verboten". Hier sieht man ihn in Limberg-Maissau:

Befehlswerk, Fdl, Limberg-Maissau, 10.12.1983

Eine ältere Version dieses Zettels hat, durch einen Reißnagel "gesichert", in Lambach zumindest bis 1987 überlebt:

Stw.3, Lambach, 1987

Natürlich gab es auch andere dienstliche Mitteilungen, die mehr oder weniger haltbar auf Sicherungsanlagen angebracht wurden. Diese Mitteilung über die Lage (und "Freistellung"?) der Signalschlussstellen in Wilfleinsdorf von 1973 ist allerdings 14 Jahre später nicht mehr ganz vollständig:

Fdl, Wilfleinsdorf, 24.5.1987

Aber nun zu den 0,0 Promille – die habe ich tatsächlich des öfteren auf Fotos mitgenommen. Hier sind alle, die ich bei einer ersten Durchsicht entdeckt habe:

Prominent und sichtbar sind sie in St.Georgen a.d.Gusen, wo sie sowohl in der Fahrdienstleitung wie auch in einem Stellwerk ein Signalpult gestalteten:

Signalpult, Fdl, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Signalpult, Stw.2, St.Georgen a.d.Gusen, 7.4.1983

Im Schönwies klebte einer am Blockaufsatz des Befehlswerks, ...

Befehlswerk Fdl, Schönwies, 4.8.1983

... und auch einer am Blockaufsatz im Stellwerk 2:

Blockapparat Stw.2, Schönwies, 4.8.1983

Nur als genial kann man allerdings die Anordnung am Stellwerk 1 bezeichnen:

Blockapparat, Stw.1, Schönwies, 4.8.1983

Auch über einen Gleisanzeiger in Eggenburg hatte sich ein solcher Aufkleber verirrt:

Hebelbank mit Gleisanzeiger und Blockapparat, Stw.1, Eggenburg, 10.12.1983

Auf dem Schaltkasten oberhalb der Hebelbank des Blockpostens Stillfried war auch ein solcher Kleber appliziert – was insofern ironisch ist, als dass ich ausgerechnet dort in der Nähe den einzigen betrunkenen Eisenbahner in all meinen Jahren von Stellwerksbesuchen angetroffen habe:

Hebelbank und ZG, Stillfried, 24.7.1984

ZG, Stillfried, 24.7.1984

Nächster Bahnhof mit 0,0 Promille: Waidhofen an der Ybbs. Auch hier war der Platz über dem Gleisanzeiger ideal:

Hebelbank und Blockapparat, Stw.1, Waidhofen a.d.Ybbs, 19.9.1986

In Mitterbach muss man den Aufkleber wie auf einem Suchbild entdecken – zwei Stücke davon kann man hier sehen:

Fdl, Mitterbach, 21.9.1986

Fdl, Mitterbach, 21.9.1986

Seebenstein zählt eigentlich nicht, weil hier die "0,0 Promille" auf einem Spind kleben – lassen wir's als "stellwerksnahe" doch zu:

Mittelstellwerk, Fdl, Seebenstein, 25.9.1986

Am Villacher Hauptbahnhof war ein solcher Aufkleber prominent in der Fahrdienstleitung über der Mitte eines Blockwerks platziert:

Befehlswerk für Stellwerk 3, Fdl, Villach Hbf, 13.2.1987

Und auch am SBW500-Doppelstellwerk 2 war einer zu finden – das Foto zeigt ihn sehr an den Rand gedrängt:

Gleisanzeiger, Stw.2a, Villach Hbf, 13.2.1987

Zwei noch: In Marchtrenk hat sich der Aufkleber am ziemlich selbstgebaut wirkenden Bedienungskästchen eines Verschubsignals gefunden:

Bedienung für Verschubsignal V76, Stw.2, Marchtrenk, 21.2.1987

Und zuletzt war in Ernsthofen das Signalpult des Befehlsstellwerks 2 damit verziert worden:

Signalpult, Stw.2, Ernsthofen, August 1987

Das sind alle "0,0 Promille"-Aufkleber, die sich auf meinen Fotos gefunden haben – aber wir schauen uns noch ein paar andere Verzierungen an!

Nachmeldung 1 vom 26.10.2014: In Urfahr befand sich ein solcher Aufkleber auf dem Gleisplan in der Fahrdienstleitung.

Eine weitere Aktion der ÖBB betraf den sicheren Weg zur Arbeit und zurück. Ein paarmal habe ich die entsprechenden Aufkleber gesehen, allerdings nur ein Foto davon gefunden:

Blockapparat, Bef.Stw.2, St.Martin am Grimming, 4.8.1987

Ebenso offiziell waren die Aufkleber, die sich zum Jubiläum "150 Jahre Eisenbahn in Österreich" verbreiteten, wie hier in Baden:

Signalpult, Baden, 19.4.1987

Ganz offiziell waren sie auch auf vielen Fahrzeugen zu finden: Neueren ...

1063.010, Innsbruck Hbf, 1987

... und älteren:

5081.016, Weizelsdorf, 1.8.1987

Ab jetzt ist es zwar theoretisch nicht mehr dienstlich, aber praktisch war die Gewerkschaft der Eisenbahner ja fast dasselbe wie die ÖBB, in damaligen Zeiten (ok, das war jetzt eine Unterstellung und Übertreibung). Auf Sicherungsanlagen waren ihre Aufkleber aber tatsächlich sehr selten vertreten. Hier ist das einzige Beispiel, das ich gefunden habe – vermutlich nicht unerwarteterweise in der Eisenbahnerstadt Villach, und dort auch am SBW500-Doppelstellwerk 2 (das Foto haben wir schon oben gesehen):

Gleisanzeiger, Stw.2, Villach Hbf, 13.2.1987

Zum Schluss muss ich jetzt noch drei definitiv nicht ÖBB-induzierte Verschönerungen zeigen: In Steyregg fand sich am Stellpult (allerdings nicht aufgeklebt) ein Hufeisen (das den Beinahe-Unfall 20 Jahre später aber auch nicht verhindern konnte):

Signalpult, Fdl, Steyregg, 7.4.1983

In Selzthal hatte es eine klassische Werbebotschaft von Coca-Cola auf die Gleistafel in der Bahnhofsfahrdienstleitung geschafft:

Selzthal, Bahnhofsfahrdienstleitung, August 1987

Und in Treibach-Althofen hatte die lokale Raiffeisenbank gleich zweimal einen Werbeträger gefunden, auf dem ihre Biene "Sumsi" mehrfach herumschwirren durfte:

Signalpult, Fdl, Treibach-Althofen, 2.8.1987

Signalpult, Stw.2, Treibach-Althofen, 2.8.1987

Als Entspannung nach diesen mehr oder weniger sinnvollen Ergänzungen von Sicherungsanlagen ganz zum Schluss aber das komplette Gegenteil – ein vollkommen leerer Blockaufsatz: Keine Taste, keine Anzeige, keine Aufschrift, einfach ... nichts befindet sich hier auf der schönen Holztafel über den Blockfeldern:

Hebelbank und Blockapparat, St.Johann-Weistrach, 16.1.1985

Sonntag, 14. September 2014

"Moderne" Sicherungstechnik auf der Mariazellerbahn: Kirchberg a.d.Pielach, 2009 (Fotos von Ph.Ringseisen)

Ich unterbreche für ein Posting meine Berichte von 1987, weil mir Philipp dankenswerterweise eine Reihe von Fotos zukommen lassen hat, die perfekt zu ein paar meiner Postings passen. Die Fotos aus Kirchberg an der Pielach (an der Mariazellerbahn) zeige ich in diesem Posting, die anderen habe ich an folgenden Stellen untergebracht:
Aber nun zu Philipps Fotos von Kirchberg a.d.Pielach:

Die Sicherungsanlage des kleinen Bahnhofs ist gar nicht so einfach aufgebaut: Sie besteht aus
  • einer kleinen EM5007-"Hebelbank" mit zwei Knaggen zum Stellen der elektrischen Spitzenweichen,
  • einem Zentralschloss für die Herstellung der Abhängigkeiten zu Fahrstraßenschlüsseln,
  • zwei Ff-Feldern zur elektrischen Festlegung der Fahrstraßen
  • sowie einer Bedien- und Anzeigepult für die Signale.
Die folgenden drei Bilder zeigen diese vier Systemteile.

EM5007-Schalterwerk und Ff-Felder, Fdl, Kirchberg a.d.Pielach, 21.4.2009 (Foto: Philipp Ringseisen)

Zentralschloss, Fdl, Kirchberg a.d.Pielach, 21.4.2009 (Foto: Philipp Ringseisen)

Signalanzeige- und -bedientafel, Fdl, Kirchberg a.d.Pielach, 21.4.2009 (Foto: Philipp Ringseisen)

Es ist ziemlich sicher, dass die Fahrstraßenfestlegefelder und die Weichenknaggen nicht direkt mechanisch abhängig waren – anders gesagt, man hätte die zwei Ff-Felder auch irgendwo anders hinstellen können. Aus dem abgesplitterten grünen Lack rund um Schlüssellöcher kann man nämlich erkennen, dass alle diese Schlösser regulär benutzt werden, und daraus ergibt sich folgender Ablauf für eine Einfahrt:
  1. Zuerst werden die beiden elektrischen Weichen mit den Knaggen passend gestellt.
  2. Danach können die entsprechenden Schlüssel unterhalb der Knaggen herausgenommen und am Zentralschloss eingesperrt werden.
  3. Wenn dort auch die passenden Schlüssel für die anderen Weichen bzw. den Sperrschuh umgesperrt sind, kann der Fahrstraßenschlüssel für die gewünschte Fahrstraße entnommen werden ...
  4. ... und im passenden Fahrstraßenfeld umgesperrt werden.
  5. Nun kann dieses geblockt werden – damit ist der Schlüssel und damit die Fahrstraße elektrisch festgelegt.
  6. Dadurch leuchtet auf der Signaltafel die entsprechende "FF"-Lampe (Fahrstraßenfestlegung) auf, und ...
  7. ... nun kann endlich (bei einer Einfahrt) das passende Einfahrsignal mit SGT (rechte Taste im roten Bereich oben) und Signaltaste (direkt neben dem Signal) auf Frei gestellt werden.
Die Zugfahrt wirft das Signal auf Halt und gibt die Fahrstraßenauflösung frei (vermutlich durch Freifahren der isolierten Spitzenweiche), sodass die jeweilige "FAT" (Fahrstraßenauflösetaste) unterhalb des Ff-Feldes aktiv wird. Mit einem Induktorimpuls kann das Ff-Feld entblockt werden, und nun geht es umgekehrt wie oben wieder in die Grundstellung zurück:
  1. Schlüssel raus aus Ff-Feld, ...
  2. ... rein in Zentralschloss, dort ...
  3. ... Weichenschlüssel raus ...
  4. ... rein unter Weichenknaggen ...
  5. ... und Weiche in Grundstellung (wenn sie nicht schon dort war).
So geht das, und es freut mich, dass ich hier nun ein Posting ganz mit Aufnahmen eines ebenfalls Stellwerksinteressierten bestreiten konnte!

Update 18.9.2014: Ein wenig weitere Info gibt's in diesem Posting im eisenbahnforum.

Samstag, 13. September 2014

Szenen eines Weichenumbaus: Thalheim-Pöls, 1987

In Thalheim-Pöls wurden im Jahre 1987 neue Signale aufgestellt und die Weichen mit elektrischen Antrieben versehen. Zufällig bin ich dort vorbeigestolpert und habe den Umbau der Weiche 3 mit ein paar Fotos dokumentiert.

Die Fahrdienstleitung war mit ihrem ganzen Befehlswerk in einen Container vor dem Bahnhofsgebäude übersiedelt. Hier sieht man den etwas knapp neben der Tür aufgestellten Rankapparat mit Felderstreckenblock auf beiden Seiten:

Befehlswerk, Fdl, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Am Blockapparat ist noch das Anfangsfeld Richtung Judenburg geblockt, vermutlich von dem Zug, mit dem ich in Thalheim-Pöls angekommen bin. Am Ss-Feld rechts oben fehlen schon die Gehäuseschrauben und insbesondere die Plombierung, ein nicht mehr vorschriftsgemäßer Zustand:

Blockfelder und Blockaufsatz, Fdl, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Aber jetzt begeben wir uns aufs Stellwerk 1. Hier sieht man die linke Hälfte der Hebelbank, dahinter einen sich zu schwungvoll bewegenden, am Umbau beteiligten Signalmeister. Thalheim-Pöls hatte auf dieser Seite nur eine einfache Gleisverbindung (wie man auch am Gleisplan bei sporenplan.nl sieht), daher war eine Einfahrt nur auf die Gleise 2 und 4 möglich. Eigentlich hätte dafür eine einzelne Fahrstraßenknagge gereicht – warum hier zwei vorgesehen waren, weiß ich nicht:

Hebelbank, Stw.1, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Hier sieht man mit einigen Spiegelungen den Blockapparat. Die Halttaste für das Ersatzsignal des Einfahrsignals war auf einem freien Blockfeldplatz eingebaut worden. Diesen "Missbrauch" von Blockfeldern habe ich relativ häufig auf Einheitsstellwerken gefunden (es gibt eine ganze Reihe von Bildern dazu in diesem Blog), auf 5007er-Stellwerken sind sie mir kaum begegnet. Eine Zweitastenbedienung mit zusätzlicher Gruppentaste hat man sich in solchen Fällen übrigens prinzipiell erspart – die Annahme war wohl, dass man eine solche Taste kaum versehentlich drücken kann.

Die Tastensperre der Ausfahrt ist hier übrigens ausgelöst, sodass gleich darauf der Befehl zurückgeblockt werden kann, indem Be- und Ts-Feld gemeinsam geblockt werden.

Hinter dem Blockapparat sieht man den offenen Schaltschrank der Stromversorgung, Signalrelais und Signalanzeige. Leider habe ich mir damals überhaupt keine Zeit genommen, diese Anlage im Detail zu fotografieren – und ohne Schaltplan wäre das so oder so nur Stückwerk gewesen. So bleibt es bei diesem einen Foto, das noch ein altes Innenleben erahnen lässt:

Blockapparat, Stw.1, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Auf der Hebelbank steht hier die Weiche 4 in die Ablenkung und ist auch geriegelt, im zweiten Fensterchen des Gleisanzeigers sieht man auch die Zahl 4, die entsprechende Fahrstraßenknagge ist umgelegt, und am vorherigen Bild sieht man auch, dass die Fahrstraße elektrisch festgelegt ist:

Hebelbank, Stw.1, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Etwas erstaunlich ist dieses Bild: Es ist eindeutig das Foto eines Schaltpultes zum Stellen eines Hauptsignals. Allerdings gibt es ja auf der Hebelbank unterhalb des Blockapparats dafür zwei Knaggen! Und es wäre noch erstaunlicher, wenn hier ein Ersatzsignal gestellt werden könnte: Das liegt ja ausschließlich in der Verantwortung des Fahrdienstleiters, und am zweiten Bild des Befehlswerks sind auch die Signaltasten "ST Ers.Sig.A" und "ST Ers.Sig.Z" deutlich zu erkennen:

Signalpult für ein unbekanntes Signal, Stw.1, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Aber jetzt folgen die Bilder des Umbaus der Weiche 3. Bevor wir uns die Bilder dazu ansehen, werfen wir noch einen kurzen Blick auf das vorletzte Bild, wo man links neben den nach oben stehenden Hebeln der Weiche 4 den Weichenhebel der Weiche 3 sehen kann – er wird bald nicht mehr an seinem Platz sein. Diese Weiche brauchte übrigens keinen Riegel, weil sie nicht von Zügen gegen die Spitze befahren werden konnte – das erleichtert den Umbau.

Am ersten Bild der Umbausequenz ist der Weichenantrieb noch angebaut. Das Weichensignal wird leider vom Herren ganz links verdeckt, der seine rechte Hand am Griff am Stellgewicht hat. Der Kollege dahinter lehnt gemütlich auf dem Weichensignal und wartet darauf, dass an der rechten Zunge das Schubriegelschloss montiert wird, das zur Wahrung der Signalabhängigkeit nach dem Ausbau des Antriebs unumgänglich nötig ist. An der linken Zunge sieht man schön den Klammerspitzenverschluss:

Umbau Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Kurz darauf ist auch an der linken Zunge ein Schubriegelschloss montiert (man sieht es gelb an der Weiche), und nachdem die Bockstange des Weichensignals abgebunden war, konnte dieses entfernt werden – am nächsten Bild liegt es schon am Boden.
Der Umbau erforderte übrigens auch den Einbau mindestens einer neuen Zunge und Backenschiene, weil diese ja nun isoliert sein mussten. Auf dem Bild sieht man relativ deutlich die noch schön hellgrau gestrichenen Isolierstöße in der Weiche sowie rechts, zwischen den Hauptgleisen, die ausgebauten Weichenteile.
Weit im Hintergrund steht die 2060.053 mit ein paar Güterwagen herum – ich nehme an, dass sie wegen des Umbaus hier war, weil der Fahrverschub (z.B. des mit Holz beladenen Wagens auf dem Stutzen) schon lange nicht mehr von solchen schwachen Maschinen erledigt wurde. Und links daneben kann man vor den alten die neuen Ausfahrsignale, natürlich mit weggedrehten Schirmen, sehen:

Umbau Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Am nächsten Bild sieht man den Weichenantrieb (das Innenleben eines solchen Antriebs kann man übrigens im Posting über die Brigittenau sehen). Er ist noch an seinem Platz, aber die Stellstange, die den Antrieb mit der Schieberstange verbindet, fehlt schon. Die Schieberstange muss übrigens nun auch die beiden Zungen voneinander isolieren – man erkennt die isolierende Verbindung rechts vom Auge in der Mitte, wo die Stellstange angreift. Deutlich ist auf dem Bild auch das Schubriegelschluss für die linke Zunge zu erkennen, jenes für die rechte Zunge kann man nur erahnen:

Umbau Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Kurz darauf ist auch der Antrieb herausgewuchtet:

Umbau Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Am Stellwerk ist in der Zwischenzeit der Hebel abgebaut worden und durch ein Hebelersatzschloss mit nagelneuen Weichenschlüsseln ersetzt worden:

Hebelersatzschloss Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Und hier kommt der neue Antrieb! Vorne liegt der Einbaurahmen, mit dem er an den zwei Schwellen an der Weichenspitze befestigt wird, und links daneben der alte Weichenhebel, der damals wohl noch zur Aufarbeitung kam:

Umbau Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

(Der folgende Detailausschnitt zeigt, dass es sich tatsächlich um den ausgedienten Hebel der Weiche 3 handelt:)

Umbau Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Der Zugbetrieb bleibt deswegen nicht stehen – hier fährt ein Personenzug Richtung Judenburg über die momentan antriebslose Weiche. Der Einbaurahmen für den neuen Antrieb liegt schon bereit, und auf den ersten beiden Weichenschwellen sind auch die Bolzen für seine Befestigung angebracht:

1042.039 befährt Weiche 3, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Und ... das war's. Aus irgendeinem Grund war ich zu ungeduldig, um auf den vollständigen Einbau des Antriebs zu warten und ihn aufzunehmen.

Den Fuß eines der neuen Ausfahrsignale habe ich auch noch aufgenommen, vermutlich weil rund um ihn doch einiges weggegraben war:

Signalfuß eines Ausfahrsignals, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Aber nun geht es zum Stellwerk 2. Die Hebelbank dort war noch unversehrt, also ohne Umbauten. Diese Hebelbank steht übrigens nun im Eisenbahnmuseum Knittelfeld – allerdings hat in der Zeit seit 1987 noch ein kleinerer Umbau stattgefunden, denn auf dem Foto auf der Website von Knittelfeld ist ein großer Madnerhebel zu erkennen, den es im August 1987 noch nicht gab.
Wieder einmal liegt hier die Dienstkappe "kommod'" auf dem Schieberkasten:

Hebelbank, Gleisanzeiger und Blockapparat, Stw.2, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Am Gleisplan auf der Signalanzeige sieht man eine ganz seltene Besonderheit: Ein "Hosenträger", also eine symmetrische doppelte Gleisverbindung mit überkreuzenden Verbindungsgleisen. Wie die ihren Weg hierher gefunden hat, ist mir gänzlich unklar. Im Gegensatz zu dem, was nicht wenige Modellbahner glauben, werden solche Gleisverbindungen auf der großen Eisenbahn praktisch nie verwendet, sondern möglichst immer zwei einfache Gleisverbindungen hintereinander gebaut. Der Grund ist natürlich, dass die zusätzliche Kreuzung Geld sowohl bei der Anschaffung als auch bei der Wartung kostet, dem kein Nutzen gegenübersteht (Ausnahmefälle sind jene, wo der Platz extrem eng ist, sodass man die Länge für zwei hintereinanderliegende Verbindungen nicht hat – was eher typisch für U-Bahnen ist):

Schaltschrank für Signale und Stromversorgung und Signalanzeige, Stw.2, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Der Blockapparat war vollkommen analog zu jenem am Stellwerk 1 aufgebaut. Am unteren Schieberkasten sieht man die zwei Knaggen für Ausfahrsignale und Einfahrsignal, und in einem freien Blockfeld wieder die Halttaste für das Ersatzsignal:

Blockapparat, Stw.2, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Am Arbeitstisch stand diese Überwachung für vier Blinklichtanlagen:

Stw.2, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Wegen des folgenden Fotos würde ich mich mein restlichen Leben "in den Hintern beißen", wenn ich mich den dorthin beißen wollte und könnte: Eine 1042 fährt bei einer Einfahrt über den "Hosenträger" – aber aus irgendeinem Grund wird das Foto vollkommen unscharf. Ich nehme es trotzdem hier auf, weil es eben diese Besonderheit dokumentiert – freuen drüber tu' ich mich nicht.
Interessant ist die Position des Fahrleitungsmasten hinter der Lok, der offenbar zwischen den beiden Gleisen steht:

Doppelte Gleisverbindung und 1042, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Beim Stellwerk 1 habe ich's versäumt, aber hier habe ich ein Foto des Stellwerksgebäudes aufgenommen:

Stellwerk 2, Thalheim-Pöls, 3.8.1987

Und zum Schluss sieht man auf diesem Bild das Bahnhofsgebäude. Davor ist der Weichenbautrupp zu einer wichtigen Besprechung versammelt, links daneben sieht man den Fahrdienstleitungscontainer samt überdachten Publikumsverkehrsfenster für den Fahrkartenverkauf:

Bahnhof, Thalheim-Pöls, 3.8.1987