Freitag, 15. April 2022

Blockfelder südlich des Brenner - ein unerwarteter Blick in die Geschichte

Als Südtirol und das Trentino nach dem Ersten Weltkrieg an Italien fielen, waren auf der Brennerstrecke bis Ala ja Südbahn-Stellwerke in Betrieb, sowohl für die Bahnhofsblockung wie als Streckenblock. Die FS hat diese Anlagen weiter betrieben, und sie werden in einzelnen Unterlagen nebenher erwähnt. Die Stellwerke in den Bahnhöfen werden dabei unter "Apparati Centrali a doppio filo" (also Stellwerke mit Doppeldrahtzug) geführt, allerdings gab es in Italien auch viele Jüdel-Stellwerke mit Doppeldrahtzug, sodass man aus dieser Bezeichnung nicht direkt auf ein Südbahn-Stellwerk schließen kann.

Hier sind die zwei Erwähnungen, die ich kenne:

a) Auf der Webseite http://www.ilmondodeitreni.it findet sich der Eintrag
3) Apparati Centrali a doppio filo (con bloccamento elettrico degli itinerari, ex Austriaci)
leider ohne weitergehende Verlinkung.

b) Im Buch "Impianti di Sicurezza" von Vittorio Finzi, erschienen 2001, sieht man auf Seite 14 das Folgende:


Der Text lautet übersetzt:
Der halbautomatische Block mit Instrumenten des Typs Cardani wurde um 1900 eingeführt und der FS-Block ab den 1930er Jahren; wir werden uns in Kapitel III ausführlich mit ihnen befassen, da sie auf vielen Strecken noch in Betrieb sind. Der Streckenblock vom Typ Siemens Halske, der vor dem Ersten Weltkrieg installiert wurde, war auf der Strecke Trento-Brenner bis 1963 in Betrieb und wurde dann aus Gründen der Vereinheitlichung durch den FS-Block ersetzt.
Mehr als diese zwei Erwähnungen habe ich bisher nicht gefunden.

Nun hat mir aber Mattia – der mein Blog am Internet gefunden hat und der mit mir hin und wieder EMails hin- und herschreibt; er hat irgendwo an der Tendabahn auch ein kleines Eisenbahnmuseum, wenn ich's richtig verstehe, wo ich ihn einmal besuchen will – vier Bilder geschickt, die schon sehr interessant sind. Ich weiß nicht, von wann die Aufnahmen sind; da muss ich mich gelegentlich mit ihm drüber austauschen – aber hier sind sie einmal:

Erstes Bild – Mattia schreibt: "I have had some photo sent to me by a friend who is a signalman in Trento; ... the only remaining apparatus was in the cabin of the Brenner station". Der Apparat ist hier erkennbar schon ausgebaut. Die Bezeichnung "Pulsante" unter der mittleren Taste bedeutet im Italienischen einfach "Druckknopf" oder "Taste" – nicht wirklich hilfreich, um ihre Funktion zu verstehen:


Zweites und drittes Bild – Mattia schreibt: "I also found a photo from the technical school in Bolzano, it would appear that there is no classic anchor but a toothed wheel".




Aus dem zweiten Bild habe ich einen Teil herausvergrößert; die Auflösung der Bilder ist nicht besonders hoch, aber man sieht tatsächlich, dass die Segmentscheiben eine viel feinere Zahnung haben und von einem Ritzel motorisch angetrieben werden:


Dazu schreibt Mattia: "With regard to the modification in the block, I can confirm that it is as you said, engineer Pacetti was talking about it in the “la Tecnica Professionale” magazine, the blocks have been modified for direct current working, so that there could be no interference due to the alternating current cable for the locomotives." – es gibt da also weitere Unterlagen irgendwo. Die Begründung zum Schluss bezieht sich wohl darauf, dass die Brennerbahn ja ab 1928 mit Drehstrom 3,6 kV/16 2/3 Hz elektrifiziert war.

Ein letztes Bild von Mattia zeigt die Verbreitung von Blocksystemen in Italien im Jahr 1939. Für die Direktion Venezia wird dabei der "Blocco a Settori" erwähnt, also der Siemens&Halske-Streckenblock unter der Bezeichnung auch aus dem oben genannten Buch. Mattia schreibt: "The graph in the photo shows the kilometers of railway line in which the S&H railway block were used (gray)."


Die heutige Direktionseinteilung kann man auf dieser Seite der Rete Ferroviaria Italiana sehen. Heute ist Verona ein eigener Bereich, 1939 war er offenbar noch Venezia zugeschlagen.

Das war's (bis jetzt) von diesem vermutlich weitgehend unbekannten Seitenzweig ehemals österreichischer und dann italienischer Sicherungsanlagen. Vielen Dank an Mattia für diesen Blick in die Vergangenheit und auf ein unerwartetes technisches Detail!

Donnerstag, 7. April 2022

Das höchste Signal Österreichs ...

... stand, wie vermutlich allgemein bekannt, in Hainburg, wo es wegen der Höhe des Viaduktes weit nach unten verlängert worden war, um das Fundament zu erreichen. Hier ist ein Schwung von Fotos davon, auch ein wenig davor und danach.

Beim Aufnahmeort der ersten beiden Bilder bin ich sehr unsicher – das könnte auch woanders an der Preßburgerbahn gewesen sein (Ergänzung 12.4.2022: Spedy56 hatte in einem Kommentar einen besseren Vorschlag als mein "Hainburg"):

Einfahrsignal A, Petronell-Carnuntum(?), 1991

4030 210 und ein 4020, Petronell-Carnuntum(?), 1991

Ganz am Ende der Strecke steht dieser 4020, den ich nur "künstlerisch umrahmt" aufgenommen habe:

4020 052, Wolfsthal, 1991

4020 052, Wolfsthal, 1991

Aber jetzt sehen wir den Viadukt entlang der Donau, der mit teils fest eingebauten Mauern zwischen den Pfeilern auch als Schutz gegen Donauhochwässer dient:

4020 052 und Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau, 1991

4020 052 und Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau, 1991

Und hier ist das hohe Signal:

Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217 und Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217 und Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

Einfahrsignal Z von Hainburg a.d.Donau, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

4030 217, Hainburg a.d.Donau Personenbahnhof, 1991

"And now for something completely different": Das immer haltzeigende Einfahrsignal vor der Einfahrt zur Station Flughafen Wien:

Einfahrsignal aus Richtung Götzendorf, Flughafen Wien, 1991

Dienstag, 5. April 2022

Ein wenig aus dem Weißeritztal und einige Restfotos, August 1991

Hier sind fünf Bilder von einem Abstecher auf der Weißeritztalbahn bis Seifersdorf und zurück:

DR 99 1746, Freital-Hainsberg, August 1991

DR 99 1746, Weißeritztalbahn, August 1991

DR 99 1746, Seifersdorf, August 1991

DR 99 1746 und 1777, Seifersdorf, August 1991

Parallelfahrt kurz vor Freital-Hainsberg, August 1991

Die restlichen Bilder habe ich in den vorherigen Postings übersehen – sie sind hier versammelt.

Vermutlich vor Flöha befand sich diese semi-permanente Installation einer Schachbretttafel, soviel ich mich erinnern kann wegen einer längerdauernden Renovierung des rechten Streckengleises:

Schachbretttafel und Ersatzsignal am Signal 36, um Flöha?, August 1991

Wo dieses niedrige mechanische Sperrsignal stand,weiß ich leider nicht mehr:

Niedriges Sperrsignal, ?, August 1991

In Thale stand, und steht auch heute noch, dieses schmucke blumengeschmückte Stellwerk; rechts wartet die DR 132 420 mit ihrem Zug:

Stellwerk B2 und DR 132 420, Thale, August 1991

In der Gegend von Angermünde müsste dieses niedrige Form-Ausfahrsignal stehen:

Ausfahrsignal G, ?, August 1991

In Wernigerode wartet die DR 112 337 mit ihrer alten Doppelstockgarnitur:

DR 112 337, Wernigerode, August 1991

Und zuletzt führen uns zwei Bilder fast an den Anfangspunkt unserer Reise, nach Dresden:

Dresden-Neustadt, August 1991


Dresden Hbf, Wernigerode, August 1991

Das war's nun wirklich aus den östlichen Bundesländern im Jahre 1991!

Sonntag, 3. April 2022

Die Bäderbahn Molli im August 1991 samt einigen ihrer Sicherungsanlagen

Auch Bad Doberan haben wir 1991 besucht und sind mit der Molli ein-, zweimal hin- und hergefahren. Ich weiß, dass man damals in Bad Doberan problemlos während der Fahrt auf- und absteigen und bei dem Schritttempo des Zuges diesem auch zum Fotografieren vorauslaufen konnte – geht das heut noch?
Hier sind Bilder:

DR 99 2321 der Molli, Bad Doberan, August 1991

DR 99 2322 der Molli, Bad Doberan, August 1991

Pfeif- und Durchläutetafel der Molli, Bad Doberan, August 1991

Das Stellwerk im Kreuzungsbahnhof Heiligendamm hab ich nur durch eine spiegelnde Scheibe aufgenommen, daher gibt es hier einiges an "Zusatzabgebildetem". Blocktechnisch gibt's grade mal ein Fahrstraßenfeld für die Einfahrstraßen a1, a2, b1 und b2 – nur eine der Fahrstraßen kann zu einem Zeitpunkt festgelegt sein. An Hebeln finden sich
  • die beiden Fahrstraßenhebel – im Bild ist der rechte für die Fahrstraßen b1 nach oben umgelegt;
  • dann die Signalhebel für die einflügeligen Einfahrsignale A und B – im Bild ist der rechte nach unten umgestellt, B steht also auf Frei;
  • und dann zwei Weichenhebel für die Weichen 1 und 4 – im Bild stehen beide in Grundstellung, die Einfahrt geht ja ins durchgehende Hauptgleis.

Stellwerk, Heiligendamm, August 1991

Hier sieht man den Zug, der auf dieser Fahrstraße eingefahren ist:

Bahnhof DR 99 2321 der Molli, Heiligendamm, August 1991

Vor dem Endbahnhof Kühlungsborn West stand bis vor einigen Jahren dieses Einfahrsignal, allerdings schon jahrzehntelang mit einem Ungültigkeitskreuz versehen. 1991 war es noch in Betrieb. Man sieht hier, wie auch auf einigen anderen Bildern in den letzten Postings, dass Schmalmasten auch an vielen Stellen aufgestellt wurden, wo sie eigentlich nicht nötig waren – offensichtlich wurde die Ersatzteilhaltung für Masten zu irgendeinem Zeitpunkt auf Schmalmasten eingeschränkt, die dann (zumindest teilweise) als Regelbaurt verwendet wurden:

Einfahrsignal A, Kühlungsborn West, August 1991

Das Signal wurde von diesem Signalbock gestellt:

Signalstellbock mit Umschlagsignalhebel, Kühlungsborn West, August 1991

Ich würde meinen, dass der Hebel je nach Einfahrgleis (1 oder 2) in die eine oder andere Richtung umgeschlagen wurde – es sind zumindest auf beiden Einfallgewichten Beschriftungen zu erkennen. Allerdings gibt es unterhalb der Freigabeschieber nur ein Schloss, womit eine von der Weichenstellung der Spitzenweiche abhängige Freigabe wohl nicht erfolgt sein könnte. Aber vielleicht ist noch eines auf der Rückseite des Bocks moniert. Eventuall hat ja jemand einen signaltechnischen Plan, der erklärt, wie das funktioniert hat?

Signalstellbock mit Umschlagsignalhebel, Kühlungsborn West, August 1991

Jörn Pachl hat den Stellbock 2002 auch noch einmal aufgenommen, das Bild ist bei bahnbilder.de unter "Bahntechnische Anlagen und Kunstbauten - Sonstiges/33887" zu sehen. Da war er dann schön hellgrau lackiert, aber sonst unverändert. Dort kann man auf der rechten Seite "irgendwas" erkennen, was die Klappe eines zweiten Schlosses sein könnte. Von Ende Dezember 2012 gibt es ein weiteres Bild auf www.gleistreff.de (besten Dank an Manuel von stellwerke.info für diese Information!) – da muss ich mir wohl die Zeit nehmen, das einmal genau anzuschauen.

Weiter mit Bildern der Molli-Dampfloks:

DR 99 2322, Kühlungsborn West, August 1991

Scheibenputzen an der Dampflok DR 99 2322 , Kühlungsborn West, August 1991

Molli, bei Steilküste, August 1991

Auf der Rückfahrt mussten wir vor dem Einfahrsignal von Heiligendamm warten – vermutlich fährt immer der Zug auf Gleis 2 zuerst ein:

Einfahrsignal B aus Richtung Kühlungsborn, Heiligendamm, August 1991

Vom freigestellten Signal habe ich nur dieses unscharfe Foto, das ich der Dokumentation halber hier trotzdem zeige:

Einfahrsignal B aus Richtung Kühlungsborn, Heiligendamm, August 1991

Noch zwei Bilder von der berühmten Ortsdurchfahrt in Bad Doberan ("street running" sagen die Amerikaner dazu):

DR 99 2321 der Molli, Bad Doberan, August 1991

DR 99 2322 der Molli, Bad Doberan, August 1991

Und zuletzt zwei Bilder einer Diesellok auf der Normalspurseite:

DR 119 167, Bad Doberan, August 1991

DR 119 167, Bad Doberan, August 1991

Das war's fast mit unseren Bildern von 1991 – ein paar Bilder von der Weißeritztalbahn und eine kleine Handvoll von Bildern, die ich übersehen habe, kommen noch in einem letzten Posting. Das war's dann von 1991!