Dienstag, 7. August 2012

Das kleinste Stellwerk mit Weiche, das es geben kann?

Wolfsthal ist seit langem der Endpunkt der "Pressburger Bahn", die ja bis in die 1940er Jahre tatsächlich bis nach Bratislava fuhr:

Wolfsthal, 28.7.1984

Die Signal- und Sicherungsanlagen. die damals in Wolfsthal standen, sind wohl das Minimale, was man für einen vollständig ausgerüsteten Bahnhof braucht:
  • Eine fahrstraßenabhängige Weiche
  • Ein Einfahrsignal
  • Ein (Gruppen-)Ausfahrsignal
  • Ein Blockfeld (das Fahrstraßenfestlegefeld, ein Wechselstrom-Gleichstrom-Feld, das vom Zug wieder aufgelöst wird)
Wohl deshalb habe ich im Stellwerk auch nur ein Foto gemacht:

Hebelbank und Blockapparat, Wolfsthal, 28.7.1984

Und hier wartet ein 4030er auf seine Rückfahrt nach Wien:

4030.218, Wolfsthal, 28.7.1984

Laaer Ostbahn und ein 3414 in Mistelbach, 1984

Nachdem ich an diesem Tag schon Pirawarth und Groß Schweinbarth sowie den Blockposten Silberwald besucht hatte, waren einige Bahnhöfe der "Laaer Ostbahn", also der nördlichen Strecke der Ostbahn mein Ziel. Die Strecke war damals schon modernisiert, die alten 3414er Stellwerke alle abgebaut.

In Wolkersdorf stand eine ITT-Spur (SpDrL), die folgende Betriebsstellen umfasste:
  • Links oben die Abzweigung Seyring (Block Gerasdorf 2), wo die zweigleisige Strecke zu einer eingleisigen wurde,
  • links unten der Block Gerasdorf 3 bei Obersdorf-Pillichsdorf,
  • rechts unten der Bahnhof Wolkersdorf,
  • und schließlich rechts oben der Bahnhof Schleinbach.

Stellwerk, Fdl, Wolkersdorf, 26.7.1984

Hier noch eine Detailaufnahme von Wolkersdorf:

Stellwerk, Fdl, Wolkersdorf, 26.7.1984

Und hier sieht man eine Fahrt in Richtung Wien:

Stellwerk, Fdl, Wolkersdorf, 26.7.1984

In Neubau-Kreuzstetten war nach dem Umbau ein VGS80 errichtet worden:

Stellwerk, Fdl, Neubau-Kreuzstetten, 26.7.1984

Stellwerk, Fdl, Neubau-Kreuzstetten, 26.7.1984

Neubau-Kreuzstetten, 26.7.1984

In Mistelbach schließlich war ein Stellwerk der Bauart errichtet, die damals informell 212 hieß und nun EM5007 heißt. Für die Weichenbedienung und Fahrstraßenfestlegung war der 5007er-Apparat zuständig:

Hebelbank und Blockwerk, Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Auf der linken Seite sind wie üblich oben die Fahrstraßenknaggen angeordnet, dabei auch die Knagge NB1 für den Nahbedienungsbereich. Darunter sind die Knaggen für die Weichen (die von senkrecht auf waagerecht umgelegt werden) und für Gleissperren (die wie üblich in eine 45°-Stellung gelegt werden). Die Funktion der zwei Knaggen VK B1 und VK B2 ist mir allerdings nicht klar:

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Auf der rechten Seite sehen wir hier ebenfalls die Fahrstraßen- und Weichenknaggen. Erstaunlicherweise ist hier die Knagge NB2 für den Nahbedienbereich 2 unten angeordnet – ich dachte immer, dass Nahbedienbereiche praktisch dasselbe wie Fahrstraßen sind, d.h. sie legen Weichenknaggen in Grundstellung fest und erlauben das Blocken eines NBF-Feldes. Hier zeigt sich, dass eine NB-Knagge auch unten angeordnet sein kann. Die Funkion der Knagge VK B3 ist mir leider wieder unklar:

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Am Schreibtisch des Fahrdienstleiters steht das Stell- und Anzeigepult für Signale, EKs und den Streckenblock. Es war ein ÖBB-gebautes Pult. Hellblau sind (wohl) die Gleise mit Gleisfreimeldung gezeichnet:

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Stw. "212", Fdl, Mistelbach, 26.7.1984

Zuletzt bin ich zu Fuß zum Mistelbacher Lokalbahnhof marschiert:

Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Und – am Lokalbahnhof stand noch ein ganz altes Signalstellwerk der Bauart 3414! Das Verschubsignal vom Staatsbahnhof herunter war schon ein Lichtsignal, das über einen Schlüssel freigestellt wird. Dazu wird der Schlüssel unten aus dem Schloss herausgenommen und oben im Schaltkasten umgesperrt. Ganz am oberen Rand des Fotos sieht man noch die halbe blaue Haltlampe der Signalanzeige. Die Hebel für Z und z stehen nach oben, also ist gerade eine Einfahrt aus Richtung Hohenau gestellt:

Signalstellwerk, Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Hier sieht man dieselben Signalhebel in Halt- bzw. Vorsichtsstellung, mit der interessanten Mechanik, durch die der nach unten zu ziehende Steigbügelgriff auf die Fahrstraßenmechanik einwirkt:

Signalstellwerk, Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Für die sicherungstechnische Abhängigkeit zwischen Weichen und Signalen war nicht einmal ein Zentralschloss vorhanden, sondern nur einfache Schlüsselbretter. Es müssen (wie ropix angemerkt hat – siehe den Link am Ende dieses Postings) drei gewesen sein, aber ich habe nur eines davon fotografiert. Und soviel ich mich erinnern kann, waren bei der Einfahrt, für die vorher Z freigestellt war, keine Weichenschlüssel aufgehängt. Ich habe dann noch eine vorsichtige Frage gestellt, ob das nicht eigentlich ... darauf hab ich eine etwas flapsige Antwort erhalten, dass das schon so in Ordnung sei. Nun ja.

Schlüsselbrett für Fahrten von/nach Hohenau, Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Hier zum Schluss noch ein Bild, das die "Gemütlichkeit" dieses Bahnhofs zeigt:

Bahnhof Mistelbach Lokalbahn, 26.7.1984

Update: ropix hat im eisenbahnforum einen kurzen Kommentar und zwei Fotos eingestellt, die zeigen, dass das 3414 am Lokalbahnhof zumindest 2011 noch in Betrieb war (wenn auch nur mehr als ein Schatten früherer Zeiten) – sicher das letzte solche Stellwerk auf der ganzen Welt!

Sonntag, 5. August 2012

Sechsfeldriger Streckenblock in Silberwald, 1984

Der Blockposten Silberwald zwischen Strasshof und Gänserndorf war der einzige sechsfeldrige Streckenblock, den ich je gesehen habe, und meines Wissens auch der letzte in Österreich. 1984 war er schon lange auf Lichtsignale umgestellt, die mit Knaggen bedient wurden. Für die Hauptsignale gibt es übrigens drei Anzeigelampen – ganz oben grün, darunter rot, und darunter, gekennzeichnet mit "Nr", die Anschaltung des Notrot:

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Die folgenden drei Bilder zeigen den Ablauf einer Zugfahrt Richtung Bernhardsthal.
ropix hat im eisenbahnforum.de festgestellt, dass die Bilder in der falschen Reihenfolge waren das ist nun korrigiert.
Der zurückliegende Bahnhof (in diesem Fall Strasshof) hat sein Anfangsfeld geblockt, dadurch wurde das Endfeld hier in Silberwald entblockt und zeigt nun mit der roten Blende den "Vorblock" an. Etwas später (oder auch schon vorher) stellt der Blockwärter mit der Signalknagge das Blocksignal auf frei – man sieht oben die grünen Leuchten:

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Wenn der Zug kommt, löst er die Tastensperre aus, die dadurch weiß wird. Zugleich fällt das Signal auf Halt zurück:

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Nach Beobachtung des Zugschlusses (um sicherzustellen, dass der ganze Zug in Silberwald eingetroffen ist!) stellt der Blockwärter die Signalknagge zurück und kann nun mit der Dreifachtaste alle drei Blockfelder blocken:
  • Das Anfangsfeld gibt dabei den Vorblock nach Gänserndorf an das dortige Endfeld (sichtbar am achten Foto in diesem Posting) ab und zeigt rot.
  • Die Tastensperre ist wieder in die Grundstellung (schwarz) geblockt.
  • Das Endfeld ist weiß, zugleich ist auch das entsprechende Anfangsfeld in Strasshof entblockt worden und ermöglicht so dort eine weitere Ausfahrt.
Hier sieht man übrigens, dass das Blocksignal für die Gegenrichtung schon auf frei gestellt werden konnte, obwohl das Endfeld von Gänserndorf – ganz am linken Rand ist noch ein wenig davon sichtbar – noch nicht entblockt ist, also noch kein Vorblock von Gänserndorf eingegangen ist.

Blockapparat, Silberwald, 26.7.1984

Wenn der Zug in Gänserndorf eingefahren ist, wird dort am Stellwerk das Endfeld geblockt und dadurch hier in Silberwald das Anfangsfeld wieder entblockt. Dadurch stehen alle Felder wieder in der Grundstellung.

Pirawarth und Groß Schweinbarth, 1984

Pirawarth besaß zwei 12SA-Stellböcke nur für Einfahrsignale – einen für die durchgehende Strecke von Gänserndorf über Groß Schweinbarth und Pirawarth nach Mistelbach, einen weiteren für das Einfahrsignal aus Richtung Zistersdorf. Sie waren in einem Holzanbau in der Mitte des ziemlich großen Bahnhofsgebäudes untergebracht.

Zur Orientierung der Bahnen im Weinviertel hilft dieser Übersichtsplan bei sporenplan.nl erheblich.

Stellwerk, Pirawarth, 26.7.1984

Am folgenden Bild sieht man eine freigestellte Einfahrt von Groß Schweinbarth: Der linke Vorsignalhebel für das Vorsignal a steht nach oben, und beim Signalhebel für A sieht man, dass das Gewicht der Sperrklinke etwas höher steht und dadurch hinten die Fahrstraßenschubstange verschließt. Einige genauere Erklärungen zu diesen Verschlüssen habe ich den Postings zu meinem 12SA-Stellwerk niedergeschrieben:

Signalstellwerk, Pirawarth, 26.7.1984

Ein weiterer kleiner Stellbock war für das Einfahrsignal Y aus Richtung Zistersdorf vorhanden:

Pirawarth, 26.7.1984

Die Weichen waren alle ortsbedient und schlüsselgesperrt. Die Abhängigkeit zu den Signalen wurde über ein Zentralschloss hergestellt. Auf dem Zentralschloss steht übrigens statt "Groß Schweinbarth"
  • auf den Fahrstraßenschildchen "Groß Schweinbart" – ohne h;
  • bei den Schildchen neben den Fahrstraßenschlüsseln "Schweinbarth" – ohne "Groß".
Der Platz war wohl zu knapp. Rechts neben dem Zentralschloss sind die Steckplätze für die Gleisbelegung – allerdings hat sich im Regelbetrieb offenbar niemand darum gekümmert, hier die Gleisbesetzung zu dokumentieren: Zu diesem Zeitpunkt war das Gleis 4 nämlich besetzt!

Pirawarth, 26.7.1984

Etwas unscharf fotografiert, wartet hier auf Gleis 4 der 5042.14 auf seine Fahrt nach Zistersdorf und Drösing (soweit ich mich an den Fahrplan erinnern kann):

5042.14, Pirawarth, 26.7.1984

Zuletzt noch ein leider unterbelichtetes Foto, das etwas mehr vom Bahnhof zeigt. Das Stellwerk befindet sich rechts unterhalb des weißen Kamins:

Pirawarth, 26.7.1984

In Groß Schweinbarth war, wie man an der Lage von Gleis 1 am Gleisplan oberhalb des Zentralschlosses sieht, die durchgehende Strecke eigentlich die von Gänserndorf nach Mistelbach. Trotzdem war das Einfahrsignal von Stammersdorf mit A bezeichnet, jenes von Gänserndorf mit B:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Auch hier gab es nur ein Stellwerk für Einfahrsignale, diesmal allerdings von der Bauart 5007. Blockfelder, insbesondere Fahrstraßenfestlegefelder, waren keine vorhanden, sodass die Signale frei gestellt werden konnten:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Die zwei nebeneinanderstehenden altösterreichischen Einfahrsignale A und B waren bekannt – auch im Hager ist ein Foto von dieser Stelle enthalten. Nicht regelkonform fehlt hier übrigens beim Signal A schon die Gaskartusche für die untere Farbscheibe:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Hier sieht man die zwei Signale noch einmal bei der Einfahrt eines Zuges:

5145.04+6546.04 als 7312, Groß Schweinbarth, 26.7.1984

In Groß Schweinbarth waren längere Zeit auch Museumsfahrzeuge abgestellt – hier ein dreiachsiger Postwagen, der eher wie ein Nachbau aussieht und bei dem ich nicht weiß, in wessen Eigentum er stand:

Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Mit dem 7315 bin ich zurück nach Gänserndorf gefahren. In Groß Schweinbarth bekam er eine 2143 beigestellt:

2143.46+2050.01 vor 7315, Groß Schweinbarth, 26.7.1984

Sehr übermotorisiert sind wir dann bis Gänserndorf gefahren ...

2143.46+2050.01 vor 7315, Gänserndorf, 26.7.1984

... wo sich die 2143 nach irgendwohin aus dem Staub gemacht hat. Allerdings hatte auch eine alleinige 2050 eigentlich zu viele PS für diesen Zug:

2050.01 vor 7315, Gänserndorf, 26.7.1984

Samstag, 4. August 2012

Marchegg, 1984

Einen Tag nach Gänserndorf und den Blockposten auf der Nordbahn war ich in Marchegg. Leider habe ich das Bahnhofsgebäude nicht aufgenommen, sondern bin gleich in die Fahrdienstleitung gestürmt.

Dort stand ein Rankapparat mit einem nicht ganz üblichen Befehlsblockwerk: Für jede der drei eingleisigen Strecken war nur ein Befehlsabgabefeld vorhanden. Prinzipiell ist die Sicherheit dieser "Sparausführung" genau gleich wie bei der Regelausführung mit getrennten Befehlsabgabgefeldern für Ein- und Ausfahrt – wieso war sie dann nicht Standard? Mit fällt als möglicher Grund nur ein, dass diverse Schaltungsteile bei einem zusammengelegten Feld komplizierter werden, weil Stromkreise über zusätzliche Kontakte (auf der Welle der Knagge, mit der E oder A ausgewählt wird) geführt werden müssen. Das ist allerdings eine nackte Theorie ...

Befehlswerk, Fdl, Marchegg, 25.7.1984

Einen passenden Gleisplan von Marchegg findet man bei sporenplan.nl übrigens hier.

In den Achtzigerjahren waren Speichenräder bei Eisenbahnwagen schon lange nicht mehr Stand der Technik. Daher war es jedesmal etwas Besonderes, einem Waggon mit solchen Rädern begegnen. Im Laufe der Jahre habe ich vielleicht zehn solche Exemplare gesehen – und soviel ich mich erinnern kann, waren alle bei der SNCB eingestellt. Es scheint, dass in Belgien länger als sonst überall die Aufarbeitung von Speichenrädern betrieben wurde:

Wagen der SNCB mit Speichenrädern, Marchegg, 25.7.1984

Das 5007er-Stellwerk im Stellwerk 2 ist bei genauerem Hinsehen ein ziemlich spezieller Apparat: Normalerweise gibt es für die Ein- und Ausfahrten getrennte Fahrstraßenknaggen, oder – auf Stellwerken ist das allerdings viel seltener – eine Knagge wird für Ein- und Ausfahrt in zwei verschiedene Richtungen umgelegt. In Marchegg gab es nur eine Knaggenstellung für jedes der acht Hauptgleise, aber zusätzlich eine Knagge "v | n", was wohl "von | nach", d.h.Einfahrt oder Ausfahrt bedeutet. Da die Fahrstraßenschieber nicht unterscheiden können, ob eine Ausfahrt oder Einfahrt gestellt wird, müssen sie in jedem Fall alle befahrenen Weichen gleich verschließen. Bei der Stellung der Weichen gibt es da keinen Unterschied, wohl aber bei ihrer Verriegelung: Nur von Reisezügen gegen die Spitze befahrene Weichen müssen verriegelt werden. Üblicherweise wird das durch getrennte Fahrstraßenschubstangen erreicht, oder indem eine Fahrstraßenschubstange für Ein- und Ausfahrt jeweils in eine andere Richtung verschoben wird. Das geht in dieser Anlage so nicht.

Nun ist die Spitzenweiche 61 auch für beide Stellungen eine Verriegelung vorgesehen, wie man an dem Doppelsteller-Riegelhebel R61 sieht. Diese Verriegelung ist aber sicher nur bei einer Einfahrt nötig – daher müsste diese eine Abhängigkeit über die "v|n"-Knagge abgedeckt werden. Wenn die Mechanik dafür einfach gehalten ist, kann die entsprechende Schieberstange allerdings nur prüfen, dass die Weiche verriegelt ist, aber nicht, ob der Riegelhebel in der richtigen Stellung steht (weil die Stange ja bei allen Fahrten über die Weiche 61 die gleiche Bewegung ausführt). Andererseits wird die Stellung der Weiche 61 ja durch die Fahrstraßenschieberstangen überprüft, und daher ist der einfachste mögliche Fehlerfall, dass die Weiche korrekt gestellt ist, aber in der Gegenrichtung verriegelt ist – dazu muss aber wohl mindestens ein Doppelfehler auftreten. Mir fällt nur der Fall ein, dass beide Riegelstangen an der Weiche gebrochen sind – und auch dann ist es unwahrscheinlich, dass sich die Weiche problemlos falsch herum riegeln lässt.

Hebelbank, Stw.2, Marchegg, 25.7.1984

Der Blockapparat hingegen war vollkommen normal mit den üblichen fünf Feldern für eine eingleisige Strecke bestückt. Oberhalb des Blockapparats befand sich die Signalanzeige- und -bedientafel, wo mit den Signaltasten R bzw. Z und der Signalgruppentaste SGT die Signale gestellt werden konnten. Daneben gab es natürlich eine Haltgruppentaste, um ein Signal im Notfall auf Halt zu stellen – im Regelbetrieb fällt es bei Befahren der Isolierschiene für die Auslösung der Tastensperre auf Halt:

Blockapparat und Signalbedienung, Stw.2, Marchegg, 25.7.1984

Hier sieht man das Stellwerk von außen, direkt davor das Gruppenausfahrsignal für die Gleise 1, 2, 4, 6 und 8:

Ausfahrsignal R1-8 und Stellwerk 2, Marchegg, 25.7.1984

Auf der Westseite standen vier Formsignale, wobei wegen der zwei abgehenden Strecken (nach Stadlau und nach Gänserndorf) die Signale H1 und H3-7 ungekuppelt zweiflügelig waren. Hier sieht man übrigens schön einige Unterschiede zwischen österreichischen und deutschen Formsignalen, u.a.
  • Rohrmast (österr.) vs. Schmalmast (dt.)
  • überschlagende Flügel (österr.) vs. nicht überschlagende Flügel (dt.)
  • Antrieb der Flügel über Stelldrähte (österr.) vs. Antrieb über Stellstangen  (dt.):

Signale H4-8, H2, H1 und H3-7, 2067.90 als Reserve, Marchegg, 25.7.1984

Als Reserve tat die 2067.90 Dienst, die hier unter der markanten Straßenbrücke über die Ausfahrgleise durchfuhr:

2067.90 als Reserve, rechts Stellwerk 1, Marchegg, 25.7.1984

Am Stellwerk 1 war die Hebelbank noch voll bestückt. Von hinten nach vorn sieht man folgende Signalhebel:
  • Einfahrvor- und -hauptsignal a und A (zweiflügelig ungekuppelt, mit Doppelhebel) von Stadlau.
  • Einfahrvor- und -hauptsignal b und B (zweiflügelig ungekuppelt, mit Doppelhebel) von Gänserndorf.
  • Ausfahrsignale H3-7 und H1, jeweils zweiflügelig ungekuppelt und mit einem Doppelstellerhebel: Am abgeschliffenen Rand der Kettenrollen merkt man, dass hier der Hebel leer nach oben gestellt werden kann; durch Ziehen der Handfalle kuppelt er dann ein, wonach das Signal zweiflügelig freigestellt wird.
  • Ausfahrsignale H2 und H4-8, jeweils zweiflügelig gekuppelt und daher mit Einfachhebel.
Oberhalb der zwei letzten Hebel sieht man zwei Knaggen, mit denen das jeweilige Ausfahrsignal entweder in Richtung Gänserndorf oder in Richtung Stadlau freigegeben werden kann.

Wenn ich mir überlege, wie die Mechanik dazu aussehen muss, werde ich nicht ganz schlau, wozu das nötig ist: Die Fahrstraßenknaggen z.B. der Ausfahrten aus den Gleisen 4 bis 8 Richtung Stadlau müssen ja einen gemeinsamen Neutralschieber verschieben. Wenn alle Ausfahrten Richtung Gänserndorf nun denselben Neutralschieber verschieben, dann könnte dieser direkt mechanisch das Signal H4-8 freigeben. Zusätzlich müssten allerdings auch die beiden Be-Felder über eine "ODER-Logik" verbunden sein – vielleicht lässt sich das alles einfacher bewerkstelligen, wenn man getrennte Schieber für Stadlau und Gänserndorf vorsieht; und dann eben mit der einen Knagge einen kleinen Signal-Neutralschieber bewegt, der die Stellung des Neutralschiebers aus den Fahrstraßen und jene der Blockfelder überprüft und dann unabhängig von der Umstellrichtung das Signal freigibt.

Noch eine Beobachtung: Laut der Gleisbesetzungstafel im Hintergrund sind alle Hauptgleise bis auf Gleis 5 besetzt. Der Bahnhof platzt aus allen Nähten.

Hebelbank und Blockapparat, Stw.1, Marchegg, 25.7.1984

Hier sieht man die Anlage samt ihrem Bediener des Tages in voller Schönheit – inklusive Madnerhebeln und, weiter vorne, Doppelsteller-Riegelhebeln:

Hebelbank, Blockapparat, Gleisanzeiger und der Herr Stellwerker, Stw.1, Marchegg, 25.7.1984

Der Blockapparat hatte, wie die Fahrdienstleitung, je Strecke nur ein Be-Feld – das habe ich, soweit ich mich erinnern kann, auf einem Stellwerk sonst nirgends gesehen: In der Regel wurden wenigstens am Stellwerk die Be-Felder nach Fahrtrichtung getrennt (wie das ja auch am Stellwerk 2 der Fall ist):

Blockapparat, Stw.2, Marchegg, 25.7.1984

Kurz später fuhr ein Zug ein, der dann nach einem Lokwechsel Richtung (damals noch) Tschechoslowakei weiterfahren würde:

2050.13 mit 70526, Marchegg, 25.7.1984

Direkt vor dem Stellwerk habe ich noch einen Isolierstoß mit Hartholzlasche entdeckt (Isolierstöße sind ein notorisch schwieriges Thema – ein isolierendes Material, das nahezu so stark wie Stahl ist und sich mit diesem auch verbinden lässt, ist nicht aufzutreiben. Heutzutage verwendet man in der Regel geklebte Isolierstöße):

Marchegg, 25.7.1984

Fast zuletzt sieht man hier noch eine 2050 samt ihrem Fabriksschild:

2050.16, Marchegg, 25.7.1984

2050.16, Marchegg, 25.7.1984

Und ganz zuletzt ist hier die CSD-Diesellok zu sehen, die den grenzüberschreitenden Verkehr durchgeführt hat:

T478.3148, Marchegg, 25.7.1984

T478.3148, Marchegg, 25.7.1984