Samstag, 5. September 2020

Formsignale und Hebelbank in Bischofswiesen, Juli 2020

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In Bischofswiesen, an der eingleisigen Strecke von Freilassing nach Berchtesgaden, steht ebenfalls ein Einheitsstellwerk, das aber zumindest zeitweise unbesetzt und "durchgeschaltet" ist, d.h.

  • die Signale stehen in beiden Richtungen für Durchfahrten in Stellung "Frei"
  • und der Streckenblock ist zwischen den benachbarten Bahnhöfen verbunden, sodass der Bahnhof keine Zugfolgestelle ist.
Ich beginne mit einigen durch die Fenster aufgenommen Bildern der Hebelbank:

Blockapparat und Hebelbank, Bischofswiesen, Juli 2020

Blockapparat, Bischofswiesen, Juli 2020

Hebelbank, Bischofswiesen, Juli 2020

Hebelbank, Bischofswiesen, Juli 2020

Hebelbank, Bischofswiesen, Juli 2020

Während man früher in Stellwerken gar keine, dann eigene Gleispläne anbrachte, ist es in Deutschland nun üblich, den sicherungstechnischen Lageplan und den Verschlussplan für das Personal als "Bedienungspläne" aufzuhängen. Auf eine ordentliche waagrechte Ausrichtung wird dabei nicht immer geachtet:

Sicherungstechnischer Plan, Bischofswiesen, Juli 2020

Die folgenden Bilder zeigen Signale des Bahnhofs, zuerst das Einfahrvorsignal Va auf der Seite Freilassing:

Einfahrvorsignal Va, Bischofswiesen, Juli 2020

Einfahrvorsignal Va, Bischofswiesen, Juli 2020

Drahtzugabdeckung, Bischofswiesen, Juli 2020

Drahtzugabdeckung, Bischofswiesen, Juli 2020

Drahtverbinder für Einfahrvorsignal Va, Bischofswiesen, Juli 2020

Bischofswiesen hat durchgängig nur einflügelige Signale, sowohl als Einfahrsignale wie auch als Ausfahrsignale an allen Gleisen. Das folgende Bild zeigt die Ausfahrsignale C und B Richtung Freilassing – man erkennt, dass der Bahnhof einen "Achssprung" hat, also kein Durchfahren ohne Befahren einer abzweigenden Weiche möglich ist:

Ausfahrsignale C und B, Bischofswiesen, Juli 2020

Hier sieht man die Ausfahrsignale F und G Richtung Berchtesgaden:

Ausfahrsignale F und G, Bischofswiesen, Juli 2020

Ausfahrsignale F und G, Bischofswiesen, Juli 2020

Ausfahrsignal G, Bischofswiesen, Juli 2020

Zuletzt noch zwei Bilder des Einfahrsignals H auf der Berchtesgadner Seite:

Einfahrsignal H, Bischofswiesen, Juli 2020

Einfahrsignal H, Bischofswiesen, Juli 2020

Formsignale in Bad Reichenhall, Juli 2020

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Anfang Juli habe ich endlich einige bayrische Bahnhöfe in meiner näheren Umgebung besucht, die noch vollständig mit Formsignalen ausgestattet sind. In einigen habe ich nur die Signale aufgenommen, in anderen ist mir auch ein Blick in die Stellwerke erlaubt worden. In diesem und den folgenden Postings zeige ich eine Menge Bilder dieser Signale, allerdings ohne allzu viele Erklärungen – nur wo es mir sinnvoll erscheint, auf ein nicht offensichtliches Detail hinzuweisen, werde ich etwas Text anbringen.

Begonnen habe ich meine Fahrt in Bad Reichenhall, an der eingleisigen Strecke von Freilassing nach Berchtesgaden.

Von den früheren Hauptgleisen 1 bis 4 sind nur mehr die Gleis 1, 3 und 4 vorhanden. Hier sieht man ihre Ausfahrsignale in Richtung Berchtesgaden:

Ausfahrsignale N1, N3 und N4 und zugehörige Sperrsignale, Bad Reichenhall, Juli 2020

Ausfahrsignale N1, N3 und N4 samt Sperrsignalen, Bad Reichenhall, Juli 2020


Am Fuß der Signale sieht man die typische bayrische Anordnung mit einem gemeinsamen Antrieb für Haupt- und Sperrsignal. Der Grund dafür ist (meines Wissens), dass hier früher bayrische Signale mit ihrer Ru-Stellung mit dem senkrecht nach unten stehenden Signalarm standen:

  • Ru bedeutete ja, dass der Zugverkehr auf diesem Gleis ruhte und dass daher der Verschub erlaubt war; die Ru-Stellung entsprach also Hp0 mit Sh1.
  • Wenn beide Hebel nach oben standen, war der Signalarm in der waagrechten Lage, was i.W. Hp0 mit Sh0 entsprach: Keine Zugfahrstraße eingestellt, aber auch kein Rangieren erlaubt.
  • Die dritte Stellung der Hebel schließlich war bei einer Ausfahrt nötig, wo beim alten bayrischen Signal der Flügel nach schräg oben zeigte; bei den "preußischen" Signalen entspricht das einer Frei-Stellung (Hp1 oder Hp2) mit Sh1 – allerdings gibt es da schon wichtige Unterschiede, etwa schon bezüglich der Grundstellung.

Ergänzung 7.9.2020: Meiner doch eher unreflektierten Ansicht, dass die gemeinsamen Antriebe direkt von den bayrischen Signalen herrühren, kann man entschieden widersprechen; siehe eine entsprechende Diskussion auf drehscheibe-online). Die Errichtung neuer Stellwerke und Signale (also "beiden Enden" der Drahtzüge) auf dieser Strecke fällt in die 1940er Jahre, also lange nach der bayrischen Länderbahn. Mein einziges, aber auch nicht belegtes Argument für die gemeinsamen Antriebe ist, dass man andernfalls die Kanäle für die Drahtleitungen erweitern, also praktisch neu anlegen hätte müssen; und dass daher diese gemeinsamen Antriebe zum Einsatz kamen.

Die Anordnung der Hebel für diese Antriebe zeige ich auf einem späteren Posting aus Berchtesgaden.

Sperrsignal 1lll, Bad Reichenhall, Juli 2020

Antriebe der Ausfahrsignale N3 und N4 samt Sperrsignalen, Bad Reichenhall, Juli 2020

Ausfahrsignale N3 und N4 samt Sperrsignalen, Bad Reichenhall, Juli 2020

Ausfahrsignale N3 und N4 samt Sperrsignalen, Bad Reichenhall, Juli 2020

Hier sind ein paar weitere Details der Antriebe:

Drahtzugzuführung am Signalantrieb des Ausfahrsignals N3, Bad Reichenhall, Juli 2020

Signalantrieb des Ausfahrsignals N4 und seines Sperrsignals, Bad Reichenhall, Juli 2020

Die Ausfahrsignale sind durchgängig mit Signalflügelkupplungen ausgestattet, wie das bei Ausrüstung mit Streckenblock vorgeschrieben ist:

Signalantriebe und Flügelkupplungen der Ausfahrsignale N3 und N4 und Sperrsignale, Bad Reichenhall, Juli 2020

Hier sieht man die Ausfahrsignale am nördlichen Ende des Bahnhofs. Vor P4 und P3 stehen Sperrsignale, beim Signal P1 weit im Hintergrund nicht:

Ausfahrsignale P4, P3 und P1 samt Sperrsignalen, Bad Reichenhall, Juli 2020

Diese Signale haben keine mechanischen, sondern elektrische Antriebe. Die Flügelkupplung des Hauptsignals befindet sich im Inneren dieser Antriebe:

Sperrsignal 4l, Bad Reichenhall, Juli 2020

Antriebe von Ausfahrsignal P4 und Sperrsignal 4l, Bad Reichenhall, Juli 2020

Antriebe von Ausfahrsignal P3 und Sperrsignal 3l, Bad Reichenhall, Juli 2020

Weit draußen auf der Berchtesgadner Seite steht das Einfahrvorsignal Vf, das nur Vr0 und Vr2 zeigen kann:

Einfahrvorsignal Vf, Bad Reichenhall, Juli 2020

Einfahrvorsignal Vf, Bad Reichenhall, Juli 2020

Einfahrvorsignal Vf, Bad Reichenhall, Juli 2020

Einfahrvorsignal Vf, Bad Reichenhall, Juli 2020

Einfahrvorsignal Vf, Berchtesgaden, Juli 2020

Einfahrvorsignal Vf, Berchtesgaden, Juli 2020

Für die Lichtpunkte sind LEDs eingesetzt, deren Stromversorgung von Solarzellen unterstützt wird:

Einfahrvorsignal Vf, Bad Reichenhall, Juli 2020

Einfahrvorsignal Vf, Bad Reichenhall, Juli 2020


Hier sieht man das Signal auf dem Video einer Vorbeifahrt:


Direkt neben dem Einfahrvorsignal zweigte früher die Anschlussbahn zur Saline ab. Hier sind ein paar Bilder von den Resten des Anschlusses:

Schutzweiche der Anschlussbahn zur Saline, Bad Reichenhall, Juli 2020

Anschlussbahn zur Saline, Bad Reichenhall, Juli 2020

Zunge der Schutzweiche der Anschlussbahn zur Saline, Bad Reichenhall, Juli 2020

Ein letztes Bild zeigt den Oberbau in der Nähe des Vorsignals:

Stahlschwellenoberbau, Bad Reichenhall, Juli 2020

Mittwoch, 22. Juli 2020

Eine große Anschlussbahn in Salez-Sennwald, Frühling 1991

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Hier kommen meine letzten Bilder aus der Schweiz.

Salez-Sennwald hatte zwar Lichtsignale und elektrische Weichen, aber der Stellwerksapparat war noch immer auf dem Jüdelschen Rahmen aus dem Jahr 1906 aufgebaut:

Fabriksschild Max Jüdel von 1906, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Der Bahnhof war und ist insofern interessant, als dort eine Anschlussbahn mit mehreren Kunden abzweigt, darunter ein großes Tanklager. Das Gleis dorthin war ursprünglich zum Anschluss der Firma Rheinkies gebaut worden und hieß daher auf der Sicherungsanlage "Rheinkies-Gleis". Zwischen der Autobahn und der Eisenbahnstrecke verlief hier aber eine Erdölpipeline von Genua nach Ingolstadt, und in den 1970ern wurde dort eine Erdölraffinerie geplant. Als erste Bauten entstanden ein Tanklager und eine Heizöl-Destillieranlage mit einem sechsgleisigen Anschlussbahnhof. Am Internet gibt es u.a. dieses Bild der Destillieranlage, eine Luftaufnahme der ganze Anlage, und dann gibt es noch diese Zukunftsvision der ganzen Reffinerie.

Der Stellwerksapparat von Salez-Sennwald war in einem kleinen Häuschen mit Walmdach neben dem Bahnhof untergebracht:

Stellwerk, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Wegen der Enge des Raumes habe ich kein Bild zusammengebracht, auf dem die ganze Anlage zu sehen ist. Man muss sich daher die Anlage aus den einzelnen Bildern "zusammenpuzzeln".

Durch die Tür sieht man in der Mitte die Fahrstraßenhebel und die Gleisbelegungsanzeige, darüber die Gleis- und Signaltafel:

Fahrstraßenhebel, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Hier sind diese Anlagenteile ein wenig näher zu sehen:

Fahrstraßenhebel und Gleistafel, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Ich habe hier einmal ein paar Details herausvergrößert. Sechs Fahrstraßenhebel erlauben folgende Fahrten:
  • Gl.2 | Einfahrt von Haag-Gams | Gl. 3
  • Gl.1 nach Haag-Gams | von Rheinkies-Gleis Gl. 3/5
  • Gl.2 | Ausfahrt nach Haag-Gams | Gl. 3
  • Gl.2 | Ausfahrt nach Rüthi | Gl. 3
  • Gl.1 | Ausfahrt nach Rüthi
  • Gl.2 | Einfahrt von Rüthi | Gl. 3
Drei Punkte sind interessant:
  • Wie in die Schweiz üblich, sind auch vom Ladegleis (hier Gleis 1) aus signalmäßige Ausfahrten möglich. 
  • Außerdem sind die Fahrten vom Rheinkies-Gleis in den Bahnhof als Fahrstraßen angelegt. Man sieht (bei genauem Hinschauen), dass hier am Schild des zweiten fahrstraßenhebels ein Signal E erwähnt wird – es sieht also ganz danach aus, als ob dieses Gleis früher mit einem Einfahrsignal versehen war.
  • Über den Fahrstraßenhebeln ist die mechanische Gleisbelegungsanzeige angeordnet, die in der Schweiz Standard war:

Fahrstraßenhebel, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Hier ist die Gleis- und Signaltafel zu sehen. Wie üblich finden wir Gruppenausfahrsignale und Einfahrsignale mit Durchfahrsignalen (den Vorsignalen für die Ausfahrsignale). Am Rheinkies-Gleis, das von rechts unten in den Bahnhof führt, ist ein Verschubsignal mit Bezeichnung VE zu sehen ...

Gleis- und Signaltafel, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

... aber wenn man genauer schaut, sieht man, dass hier in früheren Zeiten noch zwei weitere Leuchten angebracht waren: Es scheint sich tatsächlich um ein ehemaliges Hauptsignal zu handeln, das hier die Einfahrten vom Rheinkies-Gleis in den Bahnhof schützte:

Gleis- und Signaltafelausschnitt, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Über den Fahrstraßenhebeln ist der Blockkasten samt der Barrierensteuerung aufgesetzt. Auf einer Halterung dahinter befindet sich der Fahrplan samt Gleisbelegungen, noch weiter hinten sind die Bildfahrpläne der Strecke zu sehen:

Blockkasten und Fahrpläne, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Auf der linken Seite der Hebelbank standen die Weichenhebel für die Spitzenweiche 1 und für die Weiche 2 ins Ladegleis samt dem zugehörigen Sperrschuh. Wie in Heerbrugg waren auch hier die Seilzüge oder Gestänge durch Bremsbänder ersetzt worden, weil schon elektrische Antriebe eingebaut waren. Neben den Weichenhebeln befand sich der umschaltbare Doppelhebel für das Einfahrsignal A und dann der Hebel für das Ausfahrsignal B (das früher wohl ein einflügeliges Signal gewesen sein musste, weil es keinen Umschalthebel hatte). Ziemlich weit hinter den Hebeln sind die elektrischen Hebelsperren zu sehen, die über längere waagrechte Stangen mit den entsprechenden Winkelhebeln der Stellhebel verbunden sind:

Hebelbank links, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Am nächsten Bild ist die rechte Seite der Hebelbank zu sehen. An der Wand sind hinten der Gleisplan der Anschlussbahn ab dem Bahnhof und darüber der Plan für die umfangreicheren Gleisanlagen am Tanklager zu sehen. Darunter sieht man rechts außen die Weichenhebel und daneben drei Signalhebel:
  • Ganz links für das Ausfahrsignal C, 
  • daneben wieder einen umschaltbaren Hebel für das Einfahrsignal D 
  • und zuletzt einen Hebel für das Signal aus dem Rheinkies-Gleis, mit einem Schild "Einfahrt von Rheinkies-Gleis auf Glleis 3/5 - E".
Auch hier sind hinter der Hebelbank die Hebelsperren zu erkennen, mit denen alle Hebel ausgerüstet sind:
Hebelbank rechts, Stw, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Bahnhofsgebäude und Stellwerk – beide mustergültig gepflegt – habe ich bei strahlend blauem Himmel aufgenommen:

Bahnhof, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Und zuletzt sind hier noch zwei Bilder des Zweikraft-Traktors Tem" 342 zu sehen, der den Verkehr auf der Anschlussbahn zu bewältigen hatte:

Traktor Tem" 342, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Traktor Tem" 342, Salez-Sennwald, Frühling 1991

Damit enden meine Bilder von Schweizer Stellwerken – zu selten war ich dort, im Nachhinein gesehen. Viele weitere und grundlegenderen Informationen über die Schweizer Anlagen findet man aber in Hans G. Wäglis Buch Hebel, Riegel und Signale, das ich in einem eigenen Posting kurz vorgestellt habe.