Mittwoch, 28. März 2012

Ein paar Fotos aus Wien

Im Winter 1981 habe ich eines Abends zwei Fotos auf der Vorortelinie geschossen, die damals noch im Dornröschenschlaf lag. Die Fotos bringen das ziemlich rüber:

Vorortelinie bei Hernals, Dezember 1981

Vorortelinie bei Hernals, Dezember 1981

Im Mai 1982 war ich dann auf der Stadlauer Brücke und an der Donau, was einige Fotos ergeben hat:

1044.69, Lobau, 29.5.1982 (16:00)

4030.230 als 7542, Lobau, 29.5.1982

Wien Donaukaibahnhof, 29.5.1982

1042.658, Wien Donaukaibahnhof, 29.5.1982 (16:40)

2143.40 mit 2425, Stadlauerbrücke, 29.5.1982

1042.642, Stadlauerbrücke, 29.5.1982 (16:50)

1044.69, Wien Donaukaibahnhof, 29.5.1982 (17:20)

2050.15 mit Postzug (nur samstags mit 2050!) – eine Lok, ein Waggon, Wien Donaukaibahnhof, 29.5.1982

Der eine Wagen des Postzugs, Wien Donaukaibahnhof, 29.5.1982

Schranken, Wien Donaukaibahnhof, 29.5.1982

Einfahrsignal Z mit abgeschnittenem zweiten Flügel, Wien Donaukaibahnhof, 29.5.1982

Behelfsbrücken, UNO-City, Donau, Wien, Mai 1982

Kran beim Lagerhaus am Kai, Donau in Wien, Mai 1982

In Straßwalchen stand ein Zugtastenstellwerk ...

Lokal hieß das wohl bei manchen auch "Zupftastenstellwerk". Was sind denn "Zupftasten"? Korrekt sind sie unter dem Namen "Zugtasten" bekannt – "Zupftasten" war nur eine Art Spitzname –, und der Grund für ihren Einsatz ist der folgende:

In einem Stellwerk werden sicherheitsrelevante Aktionen ausgeführt. Solche Aktionen soll der Fahrdienstleiter oder Stellwerker nie versehentlich ausführen. Das Drücken einer einzelnen Taste kann aber leicht unbeabsichtigt passieren – wenn man sich abstützt, mit der Hand über den Stelltisch greift, vielleicht ein wenig stolpert usw. In üblichen Drucktastenstellwerken werden daher alle Aktionen durch gleichzeitiges Drücken zweier Tasten eingeleitet (Ausnahmen sind nur eindeutig nicht sicherheitsrelevante Umschaltungen wie z.B. das Abblenden aller Signallampen eines Bahnhofs bei Dunkelheit, also die Tag/Nacht-Umschaltung). Das einfache Umstellen einer Weiche – das prinzipiell mit einer Taste möglich wäre: "Weichentaste für Weiche 47 drücken" – soll also auch zwei Tasten erfordern. Daher wird sozusagen "künstlich" eine "Weichengruppentaste" (WGT) dazugebaut, und nur das Drücken einer Weichentaste und dieser WGT führt zum Umstellvorgang.

Die durchgängige Zwei-Tasten-Bedienung erfordert aber einen erhöhten Schaltungsaufwand, weil zusätzliche Kontakte nötig sind – manchmal sehr viele -, um aus den Tastenkombinationen die einzelnen Funktionen abzuleiten. Daher hat man nach Alternativen gesucht, und zwei davon sind:
  • Schalter, die gedreht werden ("Drehtasten"); und eben
  • Schalter zum Ziehen – Zugtasten.
Es ist offensichtlich, dass man einen Schalter, der gezogen werden muss, nur sehr schwer versehentlich bedienen kann. Andererseits ist die Bedienung schon sehr gewöhnungsbedürftig.

In Straßwalchen stand so ein Zugtastenstellwerk – meines Wissens eines von nur zwei in Österreich, das andere stand in Ludesch in Vorarlberg.

Ergänzung 24.4.2021: Lt. einer Information von Penzing Vbf. im EBFÖ stand ein drittes in Gersthof an der Vorortelinie.

Die folgenden zwei Bilder zeigen das Bedienpult. Es findet dabei gerade eine Durchfahrt auf Gleis 1 (von Salzburg nach Amstetten) statt: Das Ausfahrsignal H1 steht auf frei, das Einfahrsignal Z ist schon auf Halt gefallen, aber der ZG-Block (rechts unten) zeigt noch eine Rotausleuchtung = besetzte Strecke von Salzburg her.

Zugtastenstellwerk Seite Amstetten, Straßwalchen, 6.9.1981

Zugtastenstellwerk Seite Salzburg, Straßwalchen, 6.9.1981

Einige Besonderheiten des Stellwerks sind:
  • Man sieht, dass die Vorsignale ursprünglich mit allen Lampen dargestellt wurde und erst später auf die Einzellampendarstellung (z.B. ein grünes Licht für irgendeine Freistellung eines Vorsignals) umgestellt wurden.
  • Weichen wurden im Sinne der einfachen Schaltung und Bedienung mit einer einzelnen Zugtaste gestellt – man sieht sie im Bild ganz unten.
  • In jeder Weichentaste war der Weichenbelegtmelder angeordnet, also eine Lampe, die bei Besetzung der Weiche durch einen Zug leuchtete. Bei unserer Durchfahrt leuchten die Belegmelder der Weichen 22 und 23/24, die gerade vom durchfahrenden Zug befahren werden.
  • Zugtastenstellwerke hatten für die Ausfahrsignale eine Signaldunkelschaltung (Stromsparschaltung), wenn alle Fahrstraßen aufgelöst waren. Um Signale zur Überprüfung oder bei länger im Bahnhof stehenden Zügen – z.B. Fahrverschub vulgo "Sammler" – trotzdem anschalten zu können, gab es die "Ansch.T. Ausf.Sig."; um die Signale wieder löschen zu können, die "Lösch.T. Ausf.Sig.".
  • Ein- und Ausfahrten wurden (soviel ich mich erinnern kann) über eine Zwei(!)-Tasten-Bedienung gestellt: Dabei konnten die Taste des Startgleises und die des Zielgleises in beliebiger Reihenfolge gezogen werden.
  • Beim Stellen einer Fahrstraße war auch ein Weichenselbstlauf möglich. Allerdings gab es offenbar noch keine "Weichenlaufkette", wodurch mehrere Weichen zeitlich versetzt anlaufen würden: In Straßwalchen liefen alle zugleich an. Deshalb wurde der Weichenselbsteinlauf nicht verwendet, weil sonst zu oft die Sicherung rausgeflogen wäre.
  • Für die Fahrstraßenauflösung, die man manuell durchführen musste, waren eigene "Rückstelltasten" vorhanden.
  • Die "Festlegetasten" waren dazu da, um eine Fahrstraße ohne Signalfreistellung festlegen zu können. Das ist z.B. nötig, wenn wegen einer Baustelle auf dem falschen Streckengleis gefahren wird; und für eine wenigstens partielle Absicherung der Einfahrt dann eine "Ausfahrt für Einfahrt" gestellt wird. Wenn z.B. von Amstetten kommend ausnahmsweise vom linken Gegengleis, also von Gleis 1, in das Regelgleis 2 im Bahnhof gefahren werden soll, dann müssen ja die Weichen 1 und 2 in der Ablenkung und anschließend Weiche 3 in der Geraden befahren werden. Eine Einfahrt von Streckengleis 1 nach Bahnhofsgleis 2 ist nicht signalmäßig möglich, weil es beim Gleis 1 aus Amstetten kommend gar kein Signal gibt. Aber man kann stattdessen eine Ausfahrt von Gleis 2 nach Streckengleis 1 stellen – dadurch werden alle Weichen elektrisch verschlossen und können nicht mehr versehentlich umgestellt werden. Das Ausfahrsignal H2 soll in diesem Falle aber nicht auf frei gehen – und ich nehme an, dass man es vor dem Stellen der Ausfahrt eben auf Halt "festlegen" konnten.
  • Neben dieser Festlegung der Hauptsignale gab es auch die übliche Möglichkeit zum Festlegen des Vorsignals, was zu manchen Zeiten laut der Betriebsvorschrift auf einen außerplanmäßigen Aufenthalt im Bahnhof hinwies.
  • "OS" für die einzelnen Weichen klingt verdächtig nach "Ortsschalter", also der Möglichkeit zu einer Ortsbedienung der Weichen beim Verschub. Auf dem Gleisplan sind auch zwei Rechtecke mit Bezeichung "OS.1" und "OS.2" zu sehen, was "Ortschalterwerk 1" bzw. "... 2" bedeuten sollte.
  • Die Ausfahrsignale Richtung Salzburg waren mit Vorsignalen versehen, weil der nächste Bahnhof – Steindorf bei Straßwalchen – so nahe liegt, dass seine Einfahrvorsignale nicht außerhalb von Straßwalchen stehen konnten.
  • Auf den Überholgleisen 3 und 4 waren keine Durchfahrten möglich.

Neben dem Stellwerk stand ein kleines, später dazugebautes Bedienungspult für die Ersatzsignale. Es hatte normale Zwei-Tasten-Bedienung, und mein Foto davon ist beliebig unscharf. Trotzdem kann man erkennen, dass es Signaltasten ("ST") für die Signale Z, R3, R2 und R4 gab – nur: Auf dem Stelltisch gibt es gar kein Signal R3! Und da die Westbahn hier noch im Richtungsbetrieb mit Rechtsfahren betrieben wird und keine Gleisverbindung von Gleis 3 auf das rechte Streckengleis nach Salzburg existiert, wäre ein solches Signal auch nutzlos. Äußerst komisch. Dafür sieht man im Hintergrund, dass wieder beide weiße Lampen des ZG leuchten, unser Zug also zumindest die Einfahr-Zugschlussstelle schon befahren hat:

Ersatzsignal-Stellpult zum Zugtastenstellwerk, Straßwalchen, 6.9.1981

Schon lange ist es nun abgebaut.

Güterzugs-Unfall bei Pichling, 1981

Am 5.9.1981 hat es bei Pichling einen von Linz Richtung Enns fahrenden Güterzug "zerlegt". Ich weiß die Ursache nicht, würde aber auf den Bruch einer Radscheibe oder so etwas tippen. Die Verwüstung war erstaunlich. Die Strecke musste zwischen Asten-St.Florian und Linz gesperrt werden, was man schon in Wien West mitgeteilt bekam:

Verspätungen wegen Unfall in Pichling, Wien West, 5.9.1981

Ankündigung Schienenersatzverkehr Asten-St.Florian – Linz, Wien West, 5.9.1981

Die Umlaufpläne kamen gehörig durcheinander. Zwei schon damals nicht alltägliche Bespannungen:

1042.34 vor D544 "Jedermann", Wien West, 5.9.1981

2143.46 vor Postzug und 3 Liegewagen, Wien West, 5.9.1981

Dann fuhr ich Richtung Linz. In Asten-St.Florian, sonst ein verschlafener Durchfahrbahnhof an der Westbahn, mussten dann alle raus – großer Auflauf!

Asten-St.Florian, 5.9.1981

Am Bahnhofsvorplatz standen die Busse aufgereiht:

Asten-St.Florian, 5.9.1981

Diese und jene Lok musste auch in Oberösterreich für die Bespannung der Züge herhalten:

1245.08 mit 3621, Asten-St.Florian, 5.9.1981

Reisegepäck fiel in größeren Mengen an, die normalen Wege des Umladens wurden abgekürzt (weit weit im Hintergrund setzt die 1042 des eingefahrenen Zuges um):

Asten-St.Florian, 5.9.1981

Bei der Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr kamen uns schon die ersten Trümmer entgegen:

Asten-St.Florian, 5.9.1981

Die ersten Blicke auf die Unfallstelle waren noch eher unspektakulär:

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

2045.14 mit Hilfszug, Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Von der anderen Seite war die Situation aber nur als filmreif zu beschreiben:

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Bergepanzer habe ich sonst nie bei Bahnunfällen gesehen ...

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

... und so viel Publikum auch nicht. Das war allerdings sicher auch dem schönen Wetter und der idealen, amphitheater-artigen Situation zuzuschreiben:

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Wenigstens für die Fahrbarmachung eines Gleises rückte schon der Bautrupp an, samt Stopfmaschine und Schotterwagen:

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Unfall bei Pichling, 5.9.1981

Diesmal kommen die Sicherungsanlagen am Ende des Postings: Ich ließ es mir nämlich nicht nehmen, dann noch den Blockposten Pichling zu besuchen:

Block (DE) Pichling, 5.9.1981

Das Blocksignal in der Richtung, in der der Güterzug unterwegs gewesen war, hatte der – nun stundenlang sozusagen arbeitslose – Blockwärter wieder auf Halt zurückgestellt:

Block (DE) Pichling, 5.9.1981

Das Endfeld von Ebelsberg war wegen Verlustes eines ganzen Zuges nicht mehr zurückgeblockt worden:

Block (DE) Pichling, 5.9.1981

Und beim Anfangsfeld nach Asten war wegen des zurückgestellten Blocksignals die Wiederholungssperre schon eingefallen, aber natürlich kein Vorblock abgegangen:

Block (DE) Pichling, 5.9.1981

Gottseidank ist keinem Menschen etwas passiert. Teuer war die ganze Angelegenheit aber sicher!

Salzburger Stellwerke, 1979

Meine Dias sind etwas unsortiert – daher springen wir jetzt noch einmal 2 Jahre zurück.

Ergänzung April 2013: Link zu Plan-PDF korrigiert; am Plan und im Text Bezeichnung und Bauform des Stw. 3a korrigiert.

Ergänzung April 2013: Hier gibt es nun ein Posting über die Sicherungsanlagen am Salzburger Hauptbahnhof im Jahre 1987 sowie zwei Gleispläne von 1912.

Am 31.7.1979 war ich zum ersten Mal in Salzburger Stellwerken. Wie in St.Valentin hatte ich die Erlaubnis von Ing. Wlk in der Direktion Linz erhalten, in Begleitung eines Bahnmitarbeiters die Stellwerke zu besuchen. Auf der Ostseite hat mich der Fahrdienstleiter ohne weiteres aufs Stellwerk 1 geschickt; zur Fahrdienstleitung auf der Westseite, Richtung Freilassing, wurde ich aber tatsächlich begleitet: Denn wegen der Zollgrenze wäre ein einfaches Umgehen der Absperrungen ein Vergehen gewesen ... Wie üblich habe ich zu dieser Zeit nur wenige Bilder gemacht.

Auch von Salzburg braucht man einen Überblicksplan. Zuerst dachte ich, dass eine einfache Skizze mit der Lage der Stellwerke reicht – aber ich habe dann selber nicht verstanden, welche Stellwerke für was zuständig sind. Daher habe ich mir aus Gleisplanbruchstücken folgenden Übersichtsplan zusammengestellt (Klick führt zum PDF):

Ergänzung 21.10.2014: In diesem Posting hat Christian Mitte August 2014 angemerkt: "Zu [diesem Posting hier] ist mir eine Unstimmigkeit auf dem PDF Plan aufgefallen:Im Gegensatz zu den Plänen auf Sporenplan.nl ist eine Verbindung aus Gl 15 bei Stw8 Richtung Gl 101 eingezeichnet." Dem kann man nicht widersprechen. Ich habe also den Plan angepasst – aber diese Änderung hat auch meine Hypothese des Zustimmungsfeldes am Stellwerk 8 zerstört. Also musste ich mich auf die Suche nach einer besseren machen ... sie ist nun weiter unten beschrieben.


Auf dem Plan sieht man folgende Fahrdienstleitungen und Stellwerke:
  • Die Fahrdienstleitung West (ein K47-Befehlswerk) war für die Fahrten nach Freilassing zuständig (hier stand vorher EM47; aber diese Bezeichnung war wohl nur informell richtig – laut Hager heißt es K47).
  • Von ihr war das Stellwerk 9 (Mischung aus K47 und Drucktasten-Stellwerk) abhängig.
  • Die Fahrdienstleitung Ost (5007-Rankapparat mit vielen Zubauten) war für die Fahrten Richtung Linz und Wörgl zuständig.
  • Von ihr war das Stellwerk 1 (Bauart 42733), das Hauptstellwerk von Salzburg Hbf abhängig.
  • Außerdem war von ihr auch das Stellwerk 3 abhängig, das die Abzweigung Kasern kontrollierte.
  • Das Stellwerk 8 (Deutsche Einheit) war ein reines Verschubstellwerk, das über eine Zustimmung mit der Fahrdienstleitung West verbunden war.
  • Das Stellwerk 3A (ein deutsches E43) war ein Verschubstellwerk für die Heizhausgleise.
  • Das Befehlsstellwerk 2 (5007) schließlich war das Ein/Ausfahrstellwerk Richtung Salzburg Gnigl.
Von den Stellwerken 3 (Abzweigung Kasern) und 3A habe ich damals keine Aufnahmen gemacht, und auch sonst waren meine Aufnahmen zu dieser Zeit eher spärlich. Hier sind sie:

Der linke Teil des Befehlswerks in der Fahrdienstleitung Ost war die Befehlsabgabe für das Stellwerk 3 an der Abzweigung Kasern. Man sieht die einfache Gleisanlage der zweigleisigen Abzweigung auf dem Rankapparat:

Befehlswerk Fdl Ost, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Der rechte Teil des Befehlswerks diente einerseits der Befehlsabgabe an das Stellwerk 1 Richtung Wörgl, andererseits der Kommunikation mit der Fahrdienstleitung West bei Zugsfahrten über dei durchgehenden Gleise links und rechts des Inselbahnsteigs. Es gibt keine Ba-Felder mehr, da das elektromechanische Stellwerk 1 (Bauart 42733) mit speziellen Schaltungen angeschlossen war. Zur Befehlsabgabe gab es die doppelten Knaggen auf der Vorderseite (ein Paar für Ausfahrt, eines für Einfahrt). Die eine Knagge jedes Paars legt wie üblich die durch den Schubknopf festgelegte Fahrstraße mechanisch fest; über die andere wurde der Befehl abgegeben. Die "Befehlsknaggen" hatten aber jeweils eine zweite Stellung, die mit "N" bezeichnet war – wäre interessant, herauszukriegen, was das war.

Übrigens sieht man oberhalb des Befehlswerks eine Menge an diversen Knöpfen und Anzeigen, die den ganzen Apparat schon sehr undurchschaubar machen. Mir sind die englischen Stellwerke – wie in diesem Posting – noch immer unklar, weil dort so viele "komische Apparate außer dem eigentlichen Stellwerk" aufgebaut sind; die österreichischen erschienen mir immer viel klarer und logischer: Aber vielleicht ist das nur so, weil ich einen Großteil der Blockfelder und anderen Gerätschaften bei uns ganz gut identifizieren konnte, und der "kleine Rest" dann "halt irgendwas besonderes war". Bei diesem Befehlswerk (und auch dem Stw. 2, das später kommt) verstehe ich ganz gut, wenn Nicht-Stellwerks-Freaks, aber auch Einschuler zumindest am Anfang planlos sind:

Befehlswerk Richtung Wörgl und Zustimmungswerk Richtung Fdl West, Fdl Ost, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Im folgenden Bild ist eine Ausfahrt nach Wörgl gestellt ("befohlen"), was man an den umgelegten Knaggen und dem geblockten Fa-Feld (also der verschlossenen Fahrstraße am Stellwerk) sieht:

Befehlswerk Richtung Wörgl, Fdl Ost, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Der mittlere Teil des Befehlswerks war für die Fahrten nach Linz zuständig:

Befehlswerk Richtung Linz, Fdl Ost, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Zwischen Gleis 6 und Gleis 8 gab es zwei Gleisverbindungen, deren Weichen über dieses Schalterwerk ortsbedient werden konnten. Wenn ich die kurze Notiz in meinem Tagebuch richtig versthe, dann hatten die Schalter drei Stellungen, wobei in der gezeigten Mittenstellung die Weichen von der Fahrdienstleitung Ost verschlossen werden konnten. Dazu musste dort bei der Befehlsabgabe auf eines der Gleise 6 oder 8 irgendeine "Entsperrtaste" gedrückt werden.

, Salzburg Hbf., 31.7.1979

"Stillleben mit Stellwerk": Das Verschlussregister des elektromechanischen 42733-Apparats am Stellwerk 1 bietet genügend Platz für die Kaffeeversorgung der Mitarbeiter. Das Signal 1E ist gerade in Freistellung gezogen:

Kaffee am 42733, Stellwerk 1, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Das ganze Schalterwerk war beeindruckend lang (und ich hätte es nicht mit Blitz fotografieren sollen):

Stw.1, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Vom Stellwerk 2 habe ich nur zwei Aufnahmen des Blockapparats.

Der linke Teil des Apparats war für die Ein- und Ausfahrten auf die "Hundertergleise" links und rechts des Hauptbahnhofs zuständig. Dabei spielte das Stellwerk bei der Ausfahrt offenbar "mit sich selber Stellwerk und Fahrdienstleitung", denn es gab nebeneinanderliegend ein Ba- und ein Be-Feld für dieselben Signale! Die Einfahrseite ist eine vollkommene Spezialkonstruktion für zwei Weichengruppen (welche?) und das "Einfahrschutzsignal" Sp251. Ich habe noch Texte, die ihr Funktionieren rudimentär erklären – bei Bedarf kann ich sie versuchen zu enträtseln:

Stw.2, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Eine "interne Sonderregelung" am Stellwerk 2 gab es übrigens für die Verschubsignale bei den Hauptsignalen Q und R: Wenn ein Verschub über die Wörgler Gleise nötig war, aber dort eine Ein- oder Ausfahrt stattfand, dann wurde das Verschubsignal auf "halbfrei" gestellt – der Hebel wurde genau in die Mitte gestellt, sodass die Scheibe in einem Winkel von ca. 45° stand. Die Bedeutung davon war: "Vorziehen bis kurz vor die Schutzweiche beim Stellwerk, dort warten, bis die Weiche über die Kreuzung gestellt wird." Einem Einschuler haben sie einmal versucht einzureden, dass diese Signalgabe in der V2 (der Signalvorschrift der ÖBB) beschrieben sei – er hat es aber dann doch nicht geglaubt. Was übrigens der Arbeitsschutz zu einem waagerecht nach vorne stehenden Verschubsignalhebel gesagt hätte, wenn er ihn gesehen hätte ... hat er aber nicht.

Die rechte Seite des Blockwerks war für die Kreuzung des Gleises von Itzling und von der Gleisgruppe 102...108 mit der Wörgler Strecke notwendig: Erstens mussten bei einer Ein- oder Ausfahrt zum/vom Hauptbahnhof/Stellwerk 1 über diese Streckengleise natürlich Abhängigkeiten zur Fdl Ost bestehen. Zweitens wurde das (faktische Deckungs-)Signal D vom Stellwerk 2 bedient (einen Teil des dafür vorgesehenen Stellkästchens sieht man übrigens rechts oben im vorherigen Bild):

Stw.2, Salzburg Hbf., 31.7.1979

Am Ende der Gleisgruppe 101...115 stand das Verschubstellwerk 8.

Korrektur 21.20.2014: Das folgende kann so nicht stimmen, wegen der ganz am Anfang erwähnten anderen Gleisverbindung lt. Christians Kommentar: Es war mit einem Zustimmungsfeld irgendwie vom Stellwerk 1 abhängig, wohl wegen des Flankenschutzes bei Ein/Ausfahrten auf Gleis 15. Hier eine bessere Theorie:

Über ein Zustimmungsfeld in Gruppenschaltung (daher die Reihe von Fahrstraßenhebeln unter dem Blockapparat) musste dieses Stellwerk der Fahrdienstleitung West Einfahrten – und vielleicht manchen Ausfahrten – Richtung Freilassing oder Lehen zustimmen. Die entsprechenden Lämpchen mit der Bezeichnung ZE und einer Gleisnummer kann man auf den dortigen Befehlswerken erkennen, die gleich im Anschluss folgen (bei Vergrößerung der Bilder):

Stw.8, Salzburg Hbf., 31.7.1979

In der Fahrdienstleitung West standen K47-Befehlswerke (nebenbei: Mir gefallen die K47-Schalter besser als die des EM55 ...). Die roten Schalter im Befehlswerk dienen zur Befehlsabgabe, nicht zur Signalfreistellung – das passiert durch das Stellwerk.

Fdl. West (Ri.Freilassing), Salzburg Hbf., 31.7.1979

Fdl. West (Ri.Freilassing), Salzburg Hbf., 31.7.1979

Das Stellwerk 9 schließlich hatte für Fahrstraßenfestlegung und Hauptsignal-Stellen ebenfalls ein elektromechanisches K47, für die Weichen, Verschubsignale und Ersatzsignale aber ein schon ziemlich abgewetztes Drucktasten-Stellpult:

Stw.9 (Ri.Freilassing), Salzburg Hbf., 31.7.1979

Stw.9 (Ri.Freilassing), Salzburg Hbf., 31.7.1979

Zwei Betriebsfotos von diesem Tag aus Salzburg hab ich unter Diverses von 1979 schon gepostet!